Krimikolumne

Bernhard Jaumann: Der Turm der blauen Pferde Es pocht der Wind, das Blut, das Was

Von Georg Patzer 

Noch etwas aus der Pathos-Abteilung: „Vielleicht hatte sie mit ihrer ganzen Abgeklärtheit nur eingemauert, was tief in ihr pochte und schrie.“ (Dieses ständige Pochen ist auch auffällig, erst der Wind oder das Blut und dann ein Was.)

„Draußen hatte die Dämmerung vom Innenhof Besitz ergriffen.“

Währenddessen hat der andere Held eine Bedienung in einem Wirtshaus kennengelernt: „Wenn man sich das Piercing wegdachte, hatte sie ein schönes, perfekt proportioniertes Gesicht.“ Muss ein riesiges und vor allem schweres Piercing sein, wenn es die Proportionen derart verschiebt…

Die Protagonistin „stellte sich eine solche Geschichte gern als Seil vor, das mal straff gespannt, mal knotenreich und in verschlungenen Windungen durch den Nebel der Zeit reichte.“ Später „saugte sie jedes Wort ihres Vaters begierig auf. Der Worte waren viele gewesen“. Ja, und der verdrehten Sprache auch.

Die Fußnägel hochgeklappt

Da habe ich dann wirklich aufgehört. Über vierzig Seiten mit einer Handlung, die sicherlich noch einmal spannend wird (es geht um Bilderdiebstahl und Provenienzforschung, spannende Themen fürwahr), aber in einer Sprache, bei der es mir - wörtlich genommen – die Fußnägel hochklappt. Es gibt bestimmt Menschen, die das nicht stört: Geschmäcker sind ja verschieden, und man disputiert darüber nicht. Ich finde es auch in Ordnung, ich bewerte solche Menschen überhaupt nicht und schon gar nicht ab: de gustibus... Ich wollte es nur mal anmerken.

Bernhard Jaumann: Der Turm der blauen Pferde (Kunstdetektei von Schleewitz ermittelt, Band 1), Galiani Verlag, 336 Seiten, 15 Euro

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