Bernhausen AfD-Attacke gegen Gymnasiallehrer

Von Götz Schultheiss 

Eine Auseinandersetzung der Alternative für Deutschland (AfD) mit dem Eduard-Spranger-Gymnasium (ESG) in Bernhausen im Filderstadter Amtsblatt sorgt für Wirbel.

Ziel von AfD-Angriffen: das Eduard-Spranger-Gymnasium Foto: Kerstin Hänssler
Ziel von AfD-Angriffen: das Eduard-Spranger-Gymnasium Foto: Kerstin Hänssler

Bernhausen - Eine Auseinandersetzung der Alternative für Deutschland (AfD) mit dem Eduard-Spranger-Gymnasium (ESG) in Bernhausen im Filderstadter Amtsblatt sorgt für Wirbel. Joachim Stahl, Sprecher des AfD-Ortsverbands Filder, ist darin am 10. Juni an die Öffentlichkeit getreten. Er gratuliert dem ESG zur Auszeichnung als Fair-Trade-Schule. Schon in den ersten Sätzen verteilt er verbale Ohrfeigen: „Wir wissen, dass die AfD im Eduard-Spranger-Gymnasium nicht viele Sympathien genießt. Das Lehrerkollegium dort ist stark rot-grün geprägt und überträgt diese politische Einstellung natürlich auch auf die Schülerschaft.“ Danach stempelt er die Schule zum Helfer der AfD-Parteiziele: „Die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern sind ein wesentlicher Grund für die derzeitige Massenzuwanderung nach Europa.“ Es sei unmöglich, die „Milliarden von Menschen aus aller Welt“, denen es schlechter gehe als uns, bei uns anzusiedeln. Dies würde zum Zusammenbruch des Sozialstaats führen: „Ein Land kann entweder ein Einwanderungsland oder ein Sozialstaat sein. Beides zusammen ist unvereinbar.“ Fairer Handel leiste einen Beitrag dafür, dass die Menschen in ihrer Heimat blieben.

Die Schulleitung wehrt sich gegen die Kritik der AfD

Die Reaktion auf Stahls Brief kam eine Woche später, am 17. Juni, ebenfalls im Amtsblatt. „Als geschäftsführender Schulleiter der Filderstädter Schulen verwahre ich mich gegen die Behauptungen der AfD. Sie sind haltlos und entbehren jeglicher Grundlage“, schrieb Ralph Schindler, Rektor der Werkrealschule Bonlanden. Alle öffentlichen Schulen unterlägen der Neutralitätspflicht, und diese werde an allen Schulen in Filderstadt selbstverständlich gewahrt. „In der pädagogischen und erzieherischen Arbeit professioneller Lehrkräfte und Schulleitungen ist dies Grundvoraussetzung für die alltägliche schulische Arbeit“, schrieb Ralph Schindler.

Darauf angesprochen, wie er pauschal von einem stark rot-grün geprägten Lehrerkollegium am Eduard-Spranger-Gymnasium sprechen könne, antwortet Joachim Stahl: „Es gibt Indizien. Ich weiß das von meiner Tochter. An der Realschule in Leinfelden, wo der Ehemann der ESG-Rektorin Schulleiter war, wurde massiv Parteipolitik gemacht.“ Als Beispiel benennt er einen Lehrer, der die AfD als Partei Ewiggestriger bezeichnet habe. Von Eltern in Filderstadt will er gehört haben, „dass es am ESG genauso schlimm ist oder schlimmer“. Die Schule sei „gefärbt“. Als Beleg schildert er eine angebliche Flugblattaktion von Schülern, die AfD-Beiträge aus dem Amtsblatt mit negativen Kommentaren versehen haben sollen. Davon hätten ihm Eltern erzählt. Auf die Frage, ob er Gymnasiasten keine eigene Meinungsbildung zutraue, sagte der AfD-Ortsvereinsvorsitzende: „Schon, aber am meisten hören sie Politik in der Schule, die prägend ist. Lehrer sind Autoritätspersonen. Die Eltern prägen natürlich auch, aber in diesem Alter will man sich eher vom Elternhaus distanzieren.“

Empörung über die Vorwürfe

Die ESG-Rektorin Ursula Bauer verweist in der ganzen Sache auf Ralf Schindler: „Dem, was er geschrieben hat, ist nichts hinzuzufügen. Von den Flugblättern weiß ich nichts.“ Auf die Vorwürfe Stahls gegenüber der Realschule in Leinfelden sagt sie: „Mein Mann ist schon drei Jahre nicht mehr Rektor, und vorher gab es die AfD noch gar nicht. Im übrigen bin ich Frau Bauer und habe mit alten Sachen in Leinfelden-Echterdingen nichts zu tun.“ Walter Bauer, Fraktionsvorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion, ist über die Vorwürfe empört, will aber der AfD durch eine Stellungnahme „in der Öffentlichkeit kein Forum geben“. Auch Ralph Schindler ist zu keiner weiteren Äußerung bereit und lässt auf seine Entgegnung auf die Vorwürfe der AfD im Amtsblatt verweisen.