Berufsbegleitendes Masterstudium Führungskräfte finden und binden

Von Claudia Treml - Lesedauer: 4 Minuten  

Voith ist ein weltweit agierender Technologiekonzern mit mehr als 19.000 Beschäftigten. Für die fachliche und persönliche Weiterbildung bietet das Unternehmen seinen Beschäftigten verschiedene Möglichkeiten. Steffen Besserer, Vizepräsident im Bereich Personal, ist überzeugt von dualen Masterstudiengängen und hat dafür gute Gründe.

Duales Masterstudium fördert Personalentwicklung   Foto: FotoIEdar/Fotolia
Duales Masterstudium fördert Personalentwicklung Foto: FotoIEdar/Fotolia

Herr Besserer, worin sehen Sie die Vorzüge bei dualen Masterstudiengängen?

Steffen Besserer: Die Gesellschaft wandelt sich. Andersdenkende Generationen entstehen. Die Digitalisierung hebt die Welt aus den Angeln. Diese Entwicklungen machen unsere Arbeitswelt immer komplexer. Die reine Erstausbildung – das heißt die erste fachliche Ausbildung durch ein Studium – reicht nicht mehr aus. Qualifizierte Weiterbildung ist heute essenziell, vor allem für Beschäftigte, die im Unternehmen Schlüsselpositionen besetzen wollen. Aktuelles Fachwissen ist eine Komponente hierbei, doch wie geht die Theorie mit der immer komplexer werdenden Praxis zusammen? Aus unserer Sicht ist das der absolute Vorteil am dualen Studium: das Querchecken von Theorie und Praxis! Der Masterstudierende prüft die Theorie gleich in der realen Praxis ab. Voith macht hier sehr gute Erfahrungen.

Wie wichtig ist die Berufspraxis vor dem Beginn eines Masterstudiums?

Mitarbeiter, die nach ihrem Bachelor zu Voith kommen und ohne ausreichende Berufspraxis ein Masterstudium starten, tun sich schwer. Das erleben wir immer wieder. Im Übrigen spreche ich aus eigener Erfahrung. Als frisch gebackener Studienabgänger – vor der Bologna-Reform noch mit Diplom – dachte ich, ich kann den anderen die Welt erklären. So lernte ich erst einmal schmerzhaft: Wirklich viel von meiner Theorie passt in die Praxis ja gar nicht rein! Es hat einige Jahre Berufserfahrung gebraucht, bevor ich die Themen bei meinem damaligen Arbeitgeber richtig verorten konnte.

Damit angehende Masteranden fit für ein duales Masterstudium sind, sollten sie genügend praktische Berufserfahrung gesammelt haben. Erst mit dieser Grundlage begreifen sie, worum es eigentlich geht. Und gewinnen während des Masterstudiums immer weiter an Berufserfahrung hinzu.

Sie nutzen den Dualen Master auch, um Fachkräfte zu binden.

Ja. Das Angebot von dualen Masterstudiengängen ist Teil unserer Personalentwicklungsstrategie. Dadurch binden wir Talente ans Unternehmen. Voith unterstützt ambitionierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei, ihr Wissen weiterzuentwickeln und ihre Fähigkeiten zu entfalten.

Moment – draußen tobt der Kampf um gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte. Wie verhindern Sie, dass Sie für andere ausbilden?

Mal zurückgefragt: Sollen wir unsere sehr guten Weiterbildungsangebote einschränken, um Talente nicht an andere Unternehmen zu verlieren? Diejenigen, die ein duales Masterstudium anstreben, sind die, die Karriere machen wollen. Bekommen sie diese Chance nicht bei uns, suchen sie woanders danach. Nein. Aufsteiger wollen wirksam sein, sich einbringen, Verantwortung übernehmen. Sie brauchen ein Arbeitsumfeld, in dem sie sich und ihre Talente verwirklichen können. Diese Bedingungen schaffen wir und bauen sie kontinuierlich aus. Im Idealfall halten wir damit unsere gut ausgebildeten Fach- und Führungskräfte im Unternehmen.

Wie rekrutiert Voith duale Masterstudierende, also angehende Führungskräfte?

Bei uns ist es nicht so, dass wir unsere High Potentials identifizieren, um diese ins Masterstudium zu schicken. Aufstieg hat was mit Eigenverantwortung zu tun. Damit, dass die Beschäftigten einen Weg finden, mit ihrer Führungskraft über die Weiterqualifizierung zu sprechen. Wir als Unternehmen ermöglichen und unterstützen das duale Masterstudium.

Auf den Punkt gebracht: Was spricht für ein duales Masterstudium?

Angehende oder leitende Führungskräfte sammeln in einer komplexen Welt Berufserfahrung und nutzen dabei das duale Masterstudium, um diese Herausforderungen erfolgreich zu bestehen.


Steffen Besserer

Vice President Copr. HR People Development

Das Interview führte Claudia Treml für das Center for Advanced Studies der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW CAS).

Voith und das DHBW CAS sind Duale Partner. Zum Arbeitsvertrag schließen die weiterbildungswilligen Voith Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine Mastervereinbarung mit dem Unternehmen ab und studieren den Dualen Master am DHBW CAS.

Das DHBW CAS bietet berufsintegrierende und berufsbegleitende Masterstudiengänge in den Fachbereichen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen sowie weitere wissenschaftliche Weiterbildungsmöglichkeiten.

Voith ist ein weltweit agierender Technologiekonzern. Mit seinem breiten Portfolio aus Anlagen, Produkten, Serviceleistungen und digitalen Anwendungen setzt Voith Maßstäbe in den Märkten Energie, Öl & Gas, Papier, Rohstoffe und Transport & Automotive. Gegründet 1867 ist Voith heute mit mehr als 19.000 Mitarbeitern, 4,2 Milliarden Euro Umsatz und Standorten in über 60 Ländern der Welt eines der großen Familienunternehmen Europas.