Berufsbildungsbericht Alarmsignale am Ausbildungsmarkt

Handwerksberufe tun sich mitunter schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden. Foto: imago/Rupert Oberhäuser

Die Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss ist laut dem Berufsbildungsbericht auf Rekordhoch geklettert – höchste Zeit zum Umsteuern für Politik und Wirtschaft, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Der Befund erscheint grotesk: Einerseits legt die Ebbe beim Ausbildungsnachwuchs bereits ganze Wirtschaftszweige trocken – andererseits hatten 2021 gut 2,6 Millionen Menschen zwischen 20 und 35 Jahren keinen Berufsabschluss; und die Kurve zeigt weiter nach oben. Die hohe Zahl der Ungelernten ist bildungspolitisch betrachtet ein Fiasko, das selbst Experten kaum erwartet haben.

 

Ausbildung lastet auf immer weniger Betrieben

Was läuft da schief? Der erste Blick gilt den Unternehmen: Zwar wird wieder etwas mehr ausgebildet als in der Pandemie, doch ist die Zahl der ausbildenden Betriebe auf nur noch rund 19 Prozent gesunken – ein jahrelanger Abwärtstrend. Das heißt: Die Ausbildung der künftigen Fachkräfte ruht auf den Schultern immer weniger Betriebe. Unter diesen wiederum suchen sich die größeren Unternehmen ihre geeigneten Kandidaten heraus. Am Ende der Kette bleiben kleinere Firmen übrig, die ihre Ausbildungsstellen nicht mehr besetzen können oder die Bemühungen ganz einstellen – ein Teufelskreis.

Zugleich zeigen sich die fatalen Folgen der Corona-Pandemie. Ausbildung war vor drei Jahren plötzlich nicht mehr so wichtig – berufliche Orientierung wurde völlig vernachlässigt. Auch das rächt sich nun.

Was muss passieren? Vor allem braucht es bessere Konzepte für den Übergang von der Schule in die Berufswelt. Die Schüler benötigen einen umfassenden Einblick ins Arbeitsleben und eine direktere Ansprache, damit sie nicht – wie viele in den vergangenen Jahren – ziellos in den neuen Lebensabschnitt hineinstolpern. Immerhin: Eine Modernisierung der Berufsorientierung ist geplant.

Duale Ausbildung muss wieder gestärkt werden

Auch braucht es wieder eine stärkere Beachtung der dualen Ausbildung. Einstmals viel gerühmt, hat sie in den vergangenen Jahren immer weiter an Wert verloren. Berufsschulen müssen aufgewertet werden. Die außerbetriebliche Ausbildung sollte aber auch künftig die Ausnahme bleiben. Die enorme Zahl der ungelernten Kräfte noch mit der früheren Gleichgültigkeit zu betrachten, das können sich Politik und Wirtschaft jedenfalls nicht mehr leisten.

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