Berufsimker Eckhard Berlin Politik muss weiter nachdenken

Von Luitgard Schaber 

Das Volksbegehren von Pro Biene liegt derzeit auf Eis. Der Berufsimker Eckard Berlin hält es für einen Fehler, es zu stoppen – obwohl er dessen Inhalte nicht komplett unterstützt

Berufsimker Eckard Berlin bei der Arbeit mit seinen Bienen. Foto: /Edgar Layher
Berufsimker Eckard Berlin bei der Arbeit mit seinen Bienen. Foto: /Edgar Layher

Stopp - Für Eckard Berlin ist die Imkerei nicht nur ein Job. Er lebt viel mehr seit 40 Jahren mit seinen Bienen, fühlt sich in sie hinein. Er beobachtet sie, ganz genau, stellt seine eigenen Überlegungen zu ihrem Wohlergehen an, entwickelt eigene ökologische Lösungsansätze bei Problemen. Zudem hat er sich ein gewaltiges Fachwissen über seine fleißigen Honigsammlerinnen angeeignet. Ein Gespräch mit ihm ist, als würde man ein Bienen-Lexikon aufschlagen und sich von Kapitel zu Kapitel springend in die Materie vertiefen. Dabei doziert Berlin keine Lehrmeinungen, sondern reflektiert alles stets kritisch. Er ist ein Querdenker, der Probleme benennt, sich seine eigene Meinung dazu bildet, ohne die Sichtweisen anderer aus den Augen zu verlieren, und der bereit zur sachlichen Diskussion ist.

Daher hat diese Zeitung den Berufsimker aus Korb-Kleinheppach dazu befragt, wie er als Mann aus der Praxis, der keine Verbandsmeinung zu vertreten hat, das Volksbegehren von Pro Biene bewertet .– und natürlich die Tatsache, dass es vorerst auf Eis gelegt wurde. Berlins etwas überraschende Antwort: „Ich werde es unterzeichnen, obwohl ich inhaltlich nicht dafür bin.“

Milben habe bei geschwächten Bienen leichtes Spiel

Weshalb? Dafür holt Berlin weiter aus, hat er doch selbst vor Jahren eine Petition angestrengt, um ein Neonicotinoid verbieten zu lassen. Als das Insektizid, das auf Nervenzellen wirkt, auf den Markt kam, beobachtete Berlin, dass die Zahl der Flugbienen seiner Völker abnahm und selbst sehr starke Völker kaum Honig produzieren konnten. Bewirken habe er mit der Petition nichts können, inzwischen sei anderweitig die Schädlichkeit des Mittels erwiesen worden. „Heute sind meiner Meinung nach die Gifte so reduziert, dass sie noch wirksam sind, aber Bienen nicht so schnell daran sterben.“ Früher seien seine Bienen vier Wochen außerhalb des Stocks unterwegs gewesen, nun schafften sie nur noch zwei. Zudem hätten Milben bei den ohnehin schon geschwächten Bienen ein leichteres Spiel.

Dennoch hält er derzeit nichts von Verboten, wie sie Pro Biene fordert. „Wenn die Einsicht fehlt, helfen doch Verbote nichts.“ Aus ähnlichem Grund hält Berlin auch nichts von einer weiteren Forderung im Volksbegehren. Danach soll der Anteil der ökologischen Landwirtschaft bis 2030 auf 50 Prozent gesteigert werden. „Eine Bio-Vorschrift bringt nichts, wenn die innere Haltung dazu nicht da ist.“ Trotzdem will Berlin das Volksbegehren unterschreiben, hält es für einen Fehler, wenn es ganz gestoppt würde. „Ich bin dafür, um etwas zu streiten, dass das Gesetz rauskommt, und die Politik sich dadurch sachkundig machen muss. Deswegen findet es noch lange keine Anwendung. Aber es wird eine Diskussion über Bienensterben angeregt.“

Problem: Technikgläubigkeit der Gesellschaft

Die Schuld für den gegenwärtigen Umgang mit Spritzmitteln sieht er dabei nicht bei den Landwirten. „Sie stehen auch unter Zwängen.“ Das Problem sei viel mehr die Technikgläubigkeit der Gesellschaft. So werde das ganze Gedankengut für Technik verwendet und nicht mehr für Natur und Landwirtschaft. „Wir arbeiten gegen die Natur und nicht mit ihr.“