Berufsorientierung an Schulen Schulabschluss – und was dann?

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Das Ausbildungsbündnis im Land setzt sich für mehr Berufsorientierung an Schulen ein . Das Ziel ist, dass die Jugendlichen möglichst frühzeitig erkennen, was sie wollen und was sie können.

Immer mehr Geflüchtete nehmen eine duale Berufsausbildung auf. Foto: dpa
Immer mehr Geflüchtete nehmen eine duale Berufsausbildung auf. Foto: dpa

Stuttgart - Im vergangenen Jahr haben 74 655 junge Männer und Frauen eine duale Berufsausbildung begonnen. Das waren knapp 700 oder 0,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie die Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Montag nach einem Treffen des Ausbildungsbündnisses Baden-Württemberg bekannt gab. Erfreulich sei vor allem die von rund 1000 im Jahr 2016 auf knapp 2400 gestiegene Zahl der Geflüchteten, die einen Lehrvertrag unterschrieben haben. Unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen in dieser Gruppe seien acht sogenannte Mangelberufe wie Koch, Bäcker, Maurer oder Maler zu finden. „Ohne diese Geflüchteten wäre die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse gesunken – das sollte uns auch zu denken geben“, so die Ministerin weiter.

Damit sich trotz demografischem Wandel und Trend zum Studium auch in Zukunft noch junge Menschen für eine duale Berufsausbildung begeistern, setzt sich das Bündnis, an dem Ministerien, Kammern, Verbände, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften beteiligt sind, für eine stärkere Berufsorientierung an den Schulen ein.

An allen Schulen gibt es einen Tag der beruflichen Orientierung

In der jüngsten Vergangenheit seien in diesem Bereich bereits Fortschritte erzielt worden, erklärte die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). So gebe es beispielsweise seit diesem Schuljahr an jeder allgemeinbildenden Schule im Land einen Tag der beruflichen Orientierung. Im Rahmen des neuen Schulfachs WBS – Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung –, das an Haupt- und Realschulen ab Klasse 7 und in Gymnasien ab Klasse 8 unterrichtet wird, solle gleichermaßen über berufliche und akademische Bildungswege informiert werden. „Nur wer Vorstellungen von der Berufswelt und seinen eigenen Fähigkeiten hat, kann die richtige Wahl des Berufswegs treffen“, sagte Eisenmann.

Einen Überblick „über Mindeststandards und Werkzeuge der Berufsorientierung“ soll laut Christian Rauch, dem Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit im Südwesten, das neue Landeskonzept Berufliche Orientierung Baden-Württemberg liefern. Es wurde am Montag von den Bündnispartnern unterzeichnet. „Eine gelingende berufliche Orientierung ist die Basis für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses von morgen“, erklärte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Auch die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf begrüßte das Konzept: Es stärke die Rolle der Gewerkschaften als außerschulischer Partner bei der Berufsorientierung.

Konkrete Maßnahmen sollen Lehrer und Berufsberater erarbeiten

Konkrete weitergehende Maßnahmen zur Berufsorientierung nannten die Bündnispartner am Montag noch nicht. Sie sollen nach den jeweiligen Möglichkeiten vor Ort von Berufsberatern und Lehrern erarbeitet werden. Rauch gab ein Beispiel: So habe eine Hauptschule mit besonders hoher Übergangsquote in die berufliche Ausbildung positive Erfahrungen damit gemacht, frühzeitig Vertreter von Betrieben in die Schule zu holen und in enger Abstimmung mit Unternehmen Praktika angeboten, die im Rahmen des Unterrichts umfangreich vor- und nachbereitet wurden.

Wie hoch die durchschnittliche Übergangsquote von Haupt- und Realschülern in eine Berufsausbildung ist, wurde in einer Studie erstmals an 213 Schulen in zwölf Modellregionen im Land untersucht. Ergebnis: Nur 28 Prozent der Schulabgänger starteten direkt in eine Berufsausbildung, 44 Prozent gingen lieber weiter zur Schule – sie wechselten etwa auf Berufsfachschulen und Berufskollegs. „Die 28 Prozent wollen wir steigern“, sagte Hoffmeister-Kraut.