Berufsorientierung in Renningen Wie geht’s nach dem Abschluss weiter?

Von Regine Brinkmann 

Schüler probieren verschiedene Berufe aus und entdecken dabei versteckte Talente.

Stuckateur? Florist? Oder doch in die Pflege? Bei Wordskills sollen die Schüler ihre Talente entdecken. Foto: factum/Granville
Stuckateur? Florist? Oder doch in die Pflege? Bei Wordskills sollen die Schüler ihre Talente entdecken. Foto: factum/Granville

Renningen - Also, in die Pflege möchte ich nicht gehen, das war mir total unangenehm hier. Dabei war es meine Freundin, die ich versorgt habe.“ Die 15-jährige Sydney, Schülersprecherin der Malmsheimer Werkrealschule, hat soeben die sechs Kompetenzstationen durchlaufen, die im Rahmen der „Entdecke deine Talente“-Tage in der Renninger Steg­wiesenhalle aufgebaut sind.

Die Tage sind Teil der Berufsorientierungsmaßnahmen für die achten Klassen der Renninger Werkreal- und Realschule und das Gymnasium. Der Grundgedanke dabei ist, die Neigungen und Fähigkeiten der Schüler innerhalb von Kompetenzfeldern zu ergründen und einen dazu passenden Beruf zu finden. Die von Renninger und Malmsheimer Unternehmen ausgestatteten Stationen decken sechs unterschiedliche Kompetenzfelder ab: das kreativ-sprachliche, das untersuchend-forschende, das handwerklich-technische, das technisch-industrielle, das kaufmännisch-verwaltende sowie das pädagogisch-helfende.

Praktisch ausprobieren

Stellvertretend für die im jeweiligen Kompetenzfeld angesiedelten Berufe können die Achtklässler anhand eines Berufes, der am jeweiligen Kompetenzstand vorgestellt wird, praktisch ausprobieren, ob sie ein Händchen für bestimmte Bereiche haben. Oder auch ein unerwartetes Talent: „Ich wollte eigentlich immer was mit Technik machen“, erzählt der 14-jährige Baset, „aber am Stand der Kreissparkasse habe ich gemerkt, dass mich auch das kauf­männische interessiert.“ „Ja“, bestätigt der sechzehnjährige Flavio, dessen Traum es ist, mit Kosmetik zu arbeiten, „ich finde, man muss zwar wissen, was man will, aber trotzdem offen bleiben“, auch er kann sich jetzt eine kaufmännisch-verwaltende ­Tätigkeit vorstellen.

Sydney dagegen zieht es zum robusteren Handwerk hin: „Floristik, Stuckateur oder Industriemechanik, das hat mir total gut gefallen“, sagt sie, „ich muss was mit den Händen machen, ich will anpacken.“ Das hat sie zwar schon vorher gewusst, aber die vielen unterschiedlichen Berufsfelder, die für sie interessant sind, die lernt sie zum Teil auch erst hier kennen.

Eine erste persönliche Einschätzung

Die Berufsorientierungsmaßnahme „Entdecke deine Talente“ findet zum zweiten Mal in Renningen statt. Sie ist Teil eines Pilotprojektes, das von Worldskills Germany ins Leben gerufen wurde und in Renningen mit viel Unterstützung umgesetzt wird. „Das ist eine perfekte Ergänzung zu unseren Berufsinformationstagen und den anderen Maßnahmen, die wir zur Berufs­findung schon anbieten“, findet Gerhard Kicherer. Der Leiter der Malmsheimer Grund- und Werkrealschule ist auch im Vorstand der Bürgerstiftung Renningen, die das Projekt zusammen mit der Agentur für Arbeit finanziert.

Die Schüler finden die Initiative auf jeden Fall gut. Sie sind konzentriert bei der Arbeit und lassen sich nicht stören. Mit jedem Kompetenzfeld sind sie etwa 25 Minuten beschäftigt, und selbst nach knapp drei anstrengenden Stunden sind sie an der sechsten und letzten Station noch voll dabei. Am Ende des Parcours bekommt jeder Schüler eine erste persönliche Einschätzung, wo seine Stärken und Kompetenzen liegen. Der Bogen wird auch der Agentur für Arbeit und den Berufsberatern übermittelt, es ist wichtig, dass die Maßnahmen ineinandergreifen.

„Und, findet ihr, dass das Zeitverschwendung war?“, fragt Gerhard Kicherer die Schüler ganz unverblümt. Nö, finden sie nicht, denn hier habe man einfach vieles ausprobieren können.

Draußen vor der Halle genießen Stuckateurmeister Melih Simsek und Martina Mustapic vom Leonberger Ausbildungszentrum ein paar Sonnenstrahlen, bevor der zweite Schwung Schüler am Nachmittag die Kompetenzstationen entern. „Die Kids sind neugierig“, findet Simsek. In ihm haben die Schüler natürlich auch einen kompetenten Informanten, schließlich ist er Mitglied im Nationalteam Stuckateure und liebt seinen Beruf. „Ich möchte nicht, dass der Beruf ausstirbt“, und damit hat Simsek einen wirklich guten Grund für sein Engagement bei den Berufsorientierungstagen.