Neuntklässlerin Maja hat die erste Runde über die Berufsmesse schon abgeschlossen und ist zufrieden: Sie hat einige Stände gefunden, die mit ihrer Wunschbranche zu tun haben. „Ich will sehr gerne etwas mit Chemie machen“, erklärt sie, die Gespräche hätten sie darin bestätigt. Maja hat sogar ein „Jobticket“ bekommen: Eine Bescheinigung, die die Aussteller nur an Jugendliche herausgeben, die sie besonders überzeugt haben – das kann ein Türöffner, beispielsweise bei der Suche nach einem Praktikumsplatz, sein.
Reichenbacher Schüler: „Es ist schwierig, sich mit 15 auf einen Beruf festzulegen“
Schülersprecher Ben ist in der zehnten Klasse und weiß schon länger, welche Richtung er einschlagen möchte: Rettungsdienst oder Polizei schweben ihm vor, und er freut sich, dass in diesem Jahr erstmals auch die Bundespolizei im Schulhaus vertreten ist. Von deren Vertreter habe er neue Informationen bekommen, sagt er. Leonie, seine Schülersprecher-Kollegin und ebenfalls Zehntklässlerin, möchte „auf jeden Fall ins Soziale gehen“. Sie schaut sich aber trotzdem auch bei den handwerklichen Berufen um, die eine Alternative oder eine Ergänzung sein könnten. Wenn sie die Realschule abschließt, wird sie 15 Jahre alt sein und wahrscheinlich zunächst noch eine weiterführende Schule besuchen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Das hätten viele aus der Stufe vor, bestätigt auch Ben: Es sei schwierig, sich schon in diesem Alter auf einen Beruf festzulegen – Schule fühle sich da „sicherer“ an.
Mit der Berufsmesse in der eigenen Schule ist das ebenso: Die Jugendlichen bewegen sich auf bekanntem Terrain, die Eltern dürfen dabei sein. In diesem Umfeld traue man sich eher, auf Unternehmen zuzugehen, sagt Ben. Und man tausche sich während der Messe mit Mitschülern, auch aus anderen Klassen, aus. Für die Acht- und Neuntklässler ist die Teilnahme an der Messe Pflicht, für die Zehntklässler freiwillig. Am Tag davor wurden die Jugendlichen noch einmal in Sachen Gesprächsführung und Benimm geschult. Schon ab der Unterstufe bietet die Schule immer wieder Elemente der Berufsorientierung an, ab Klasse acht nimmt der Umfang zu, wobei auch die Bildungspartner Index, Ceramtec und Deutsche Bahn eine wichtige Rolle spielen.
„Die beste Messe im Landkreis“ – Reichenbach setzt Maßstäbe
Kevin Kiefer, Ausbilder beim Drehmaschinenhersteller Index-Werke, lobt das Engagement der Realschule. Das kenne er von keiner anderen Schule so, sagt er, die Reichenbacher Messe sei aus seiner Sicht die beste im Landkreis. Bei den Unternehmen ist sie offensichtlich beliebt, mit 52 Ständen wurde aktuell ein Rekord erreicht. Bei der ersten Auflage der Veranstaltung vor 20 Jahren habe man „fast betteln“ müssen, damit die Aussteller kamen, erinnert sich Konrektor Tobias Pfeffer. Mittlerweile sei das ganz anders, bestätigen seine Kollegen Markus Klement und Milena Funk, die die Messe seit einigen Jahren organisieren und weiter ausbauen. Der Bedarf bei den Unternehmen sei klar zu erkennen.
Sie gehen davon aus, dass Schulabgänger weiterhin in vielen Branchen gute Chancen haben. Index bilde nach wie vor 40 junge Menschen jährlich aus, bestätigt Kevin Kiefer, dem Bewerbungen für 2026 noch willkommen sind. Auch bei Salvia Elektrotechnik in Eislingen werde weiterhin im großen Stil ausgebildet, sagt Volker Hypa, der zum dortigen Team gehört. Die Firma tue für die Azubis „alles, was Sie sich vorstellen können“.