Beschäftigte wollen Tarifvertrag statt Kirchenrecht Warnstreik bei der Liebenau

Schon vor 14 Tagen hatte Verdi eine Kundgebung am Liebenau Hauptsitz in Meckenbeuren organisiert. Foto: Verdi.
Schon vor 14 Tagen hatte Verdi eine Kundgebung am Liebenau Hauptsitz in Meckenbeuren organisiert. Foto: Verdi.

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu Streiks auf. Sie will die Stiftung in einen Tarifvertrag bringen.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)

Kreis Böblingen - Seit Mittwoch früh stehen die Streikposten vor zwei Heimen in Baden Württemberg, eines davon ist das Haus Magdalena in Ehningen, das andere in Kressbronn am Bodensee. Damit endet das Ultimatum, das die Gewerkschaft Verdi vor knapp 14 Tagen der kirchlichen Sozial-Einrichtung gestellt hat. Seit einem Jahr verhandelt Verdi mit der Stiftung um Tarife. Die Stiftung hat etliche Tochtergesellschaften, die unter einem Dach in Meckenbeuren zusammengefasst sind. Insgesamt tun 7700 Mitarbeiter Dienst am Nächsten. Bislang hatte die Tochtergesellschaft „Leben im Alter“, die 21 Altenheime betreibt, einen Haustarif. Die anderen Tochtergesellschaften bezahlten ihre Mitarbeiter nach Kirchenrecht.

Nach fast einem Jahr Verhandlungen zogen die Konfliktparteien folgende Bilanz: Die Gewerkschaft habe ihre Forderungen immer weiter in die Höhe geschraubt, sagt die Stiftung. Die Gewerkschaft hält dagegen: Die Geschäftsleitung habe ihre Zusagen nie eingehalten, sagt Yvonne Baumann, die Verhandlungsführerin von Verdi.

Zuletzt hatte die Stiftung angekündigt, sich auf den sogenannten Dritten Weg zu begeben. Das bedeutet, dass sie für ihre Mitarbeiter die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) der Caritas einführt. Die AVR sind an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes angelehnt. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Bischof Gebhard Fürst haben bereits mitgeteilt, dass sie diesen Weg gutheißen und ihn, als oberste Instanz der Liebenau-Stiftung, auch genehmigen werden.

Damit hätte der Arbeitskampf für die Beschäftigten bereits einen Vorteil gebracht, doch die Verhandlungsführerin Yvonne Baumann traut dem Frieden nicht. Zu oft, sagt sie, sei die Geschäftsleitung vor der Zielgerade noch abgebogen. Die Betriebsräte von „Leben im Alter“ sind mit dem Dritten Weg auch nicht einverstanden. Sie würden dann von Betriebsräten zu Mitarbeiter-Vertretern und hätten weniger Rechte als jetzt, sagt die Betriebsrätin Caroline Zetzmann.

Streik in den Kreisen Tübingen und Zollernalb

Am Donnerstag geht der Streik weiter. Dann werden die Einrichtungen in Dußlingen im Kreis Tübingen bestreikt, sowie der Standort Scheer im Zollernalbkreis. Der Streik in Weil im Schönbuch wurde unterdessen abgeblasen, weil dort ein Coronafall gemeldet wurde. In den bestreikten Altenheimen bleibt eine Notbesetzung, die ähnlich aufgestellt ist wie ein Wochenenddienst.




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