Beschluss der Gesundheitsminister Astrazeneca nur noch für über 60-Jährige

Seltene, aber schwere Nebenwirkungen: der Astrazeneca-Impfstoff Foto: AFP/Andreas Solaro
Seltene, aber schwere Nebenwirkungen: der Astrazeneca-Impfstoff Foto: AFP/Andreas Solaro

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern folgen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Spahn ruft Ältere ausdrücklich zur Impfung mit Astrazeneca auf.

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Berlin - Der Impfstoff von Astrazeneca wird ab sofort nur noch bei Menschen über 60 eingesetzt. Bei ihnen können die Länder aber die Priorisierung aufheben. In diesem Fall ist das Vakzin für alle über 60-Jährigen freigegeben. So haben es die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstag beschlossen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, er bitte alle über 60-Jährigen „tatsächlich ausdrücklich, dieses Impfangebot auch wahrzunehmen“. Sie könnten auch Vorbild sein. Der Impfstoff sei sehr wirksam, gerade auch bei den Älteren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, dass nun die Impfkampagne an die veränderten Lieferpläne der Vakzine angepasst werden müsse. Es bleibe aber dabei, dass man bis Ende des Sommers jedem ein Impfangebot machen könne.

Meldungen über Hirnvenenthrombosen

Nachdem kurz zuvor neue Meldungen über Hirnvenenthrombosen im Zusammenhang mit dem Vakzin bekannt geworden waren, hatte die Ständige Impfkommission eine neue Empfehlung für die unter 60-Jährigen vorgelegt. Demnach bekommen sie das Mittel nicht mehr – es sei denn, sie zählen zu den beiden ersten Priorisierungsgruppen beim Impfen und sind nach ärztlicher Beratung ausdrücklich damit einverstanden. In dem Fall wird das Vakzin nur in Arztpraxen gespritzt. „Wer Astrazeneca haben will, sollte es auch bekommen“, sagte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), Vorsitzender der Konferenz der Gesundheitsminister. Ihm zufolge gibt es inzwischen 31 Fälle von Hirnvenenthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung.

Offen bleibt, was die 2,2 Millionen unter 60-jährigen Personen tun sollen, die schon eine erste Impfung mit Astrazeneca bekommen haben. Dazu will die Ständige Impfkommission bis Ende April einen Vorschlag machen, wie bei ihnen der vollständige Schutz durch die zweite Spritze erreicht werden kann – möglicherweise mit einem anderen Impfstoff. Spahn betonte, dass der Schutz der ersten Spritze bis Anfang Mai anhalte.

Die Impfung Hochpriorisierter geht weiter

In Baden-Württemberg ist der größte Teil der aktuell Impfberechtigten über 60 Jahre alt. Sie sind also nicht von der Einschränkung betroffen, die Impfung der hochpriorisierten Gruppen geht weiter. Für Personen, die einen Astrazeneca-Termin gebucht haben, aber aufgrund ihres Alters nicht mit dem Impfstoff geimpft werden können oder wollen, gilt: In den Zentren, in denen eine Umbuchung auf einen anderen Impfstoff möglich ist, soll eine Umbuchung direkt vor Ort vorgenommen werden. Funktioniert die Umbuchung auf einen anderen Impfstoff nicht, kann nach ärztlichem Ermessen freiwillig auch mit Astrazeneca geimpft werden.

Im zweiten Quartal dieses Jahres soll Deutschland laut Spahn knapp 15 Millionen Dosen von Astrazeneca erhalten. Insgesamt kämen von diversen Herstellern 70 Millionen Dosen.




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