Beschluss des Kreistags Entscheidung ist gefallen: Altbau der Klinik wird abgerissen

Der Kreistag hat entschieden: Der Altbau der Klinik am Eichert wird abgerissen. Foto: Tilman Ehrcke

Der Kreistag entscheidet erneut über das Gebäude. Die Überraschung dabei: Die CDU-Fraktion sorgt dafür, dass der Antrag des Landrats angenommen wird.

Die Debatte dauerte gerade einmal zwei Stunden, dann steht fest: Die Klinik am Eichert wird abgerissen – dies entspricht auch der bisherigen Beschlusslage. Die insgesamt sechste Abstimmung über dieses Thema endet mit einer großen Mehrheit: Mit 38 Ja- und 25 Nein-Stimmen folgen die meisten Mitglieder des Göppinger Kreistags dem Landrat Markus Möller (CDU).

 

Während Freie Wähler, SPD und Grüne sowie der fraktionslose AfD-Kreisrat Daniel Stortz geschlossen für den Abriss votierten, war die CDU gespalten: Acht anwesende Fraktionsmitglieder wollten den Abriss, zwölf – darunter Fraktionsvorsitzender Wolfgang Rapp – den Erhalt. Die Fraktionen von AfD und FDP votierten ebenfalls gegen den Abbruch des Gebäudes. Hätte also die CDU-Fraktion, wie bereits in früheren Abstimmungen über dieses Thema, geschlossen für den Erhalt gestimmt, wäre dieser mit drei Stimmen Mehrheit beschlossen worden. Doch es kam anders.

„Aus unserer Sicht überwiegen die Fakten für einen Abbruch.“

Michael Pehl, LBBW Kommunalentwicklung

„Ich habe in meiner Bewerbungsrede schon angekündigt, einen Faktencheck zu machen“, sagte Möller, der seit 1. Juli 2025 im Amt ist, zu Beginn der Sitzung. Beauftragt wurde damit die LBBW Kommunalentwicklung, „ein Unternehmen, das kommunal geprägt ist und Erfahrungen mit Krankenhäusern hat“, wie der Landrat betonte. Er ging davon aus, dass sich der Kreistag am Freitag zum letzten Mal mit dem Thema befassen würde, seit 2012 wurde bereits fünfmal abgestimmt und jedes Mal der Abriss beschlossen. Jetzt forderte Möller Verlässlichkeit, auch und gerade mit Blick auf die Stadt Göppingen und die Mitarbeiter der Klinik.

Gutachter warnen vor Risiken

Eine knappe Dreiviertelstunde brauchten die vier Experten der LBBW, ihr Gutachten und die daraus resultierenden Erkenntnisse zu erläutern. Der Projektleiter Michael Pehl stellte gleich zu Beginn dar: „Aus unserer Sicht überwiegen die Fakten für einen Abbruch.“ Auch beim Erhalt des Gebäudes würden erhebliche Kosten anfallen: Mindestens das elfte Stockwerk müsste wegen des benachbarten Helikopterlandeplatzes abgetragen werden. Neben einer umfassenden Schadstoffsanierung, vor allem Asbest bereitet hier Probleme, würde auch die Entsorgung von im Moment zwischengelagertem Schiefer mit knapp elf Millionen Euro zu Buche schlagen. Dieser soll eigentlich nach dem Abriss das entstehende Loch füllen.

So würden Kosten von rund 20 Millionen Euro entstehen, vorausgesetzt, der Kreis bekommt gut drei Millionen Euro für das Gebäude. Würden weitere Stockwerke abgetragen, um unter der Hochhausgrenze zu bleiben, stiegen die Kosten auf knapp 30 Millionen Euro, der Abriss würde demnach etwa eine Million Euro weniger kosten. Keine Rolle spielten bei der Entscheidung die geschützten Fledermäuse, die sich in der Fassade niedergelassen haben. Für beide Varianten werde ohnehin eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vom Regierungspräsidium benötigt.

Es geht um viel mehr als das Geld

Dass es nicht nur ums Geld geht, wurde in den Stellungnahmen der Fraktionen schnell klar. So wollte der CDU-Sprecher Rapp erst Nutzungskonzepte möglicher Interessenten betrachten, bevor anschließend entschieden wird. Doch er kündigte da bereits an, dass seine Fraktion nicht geschlossen abstimmen werde. „Wir würden uns hier einen Klotz ans Bein binden“, warnte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Hans-Rudi Bührle. Er verwies auf die ehemalige Helfenstein-Klinik in Geislingen, die ebenfalls dem Landkreis gehört: „Wie lange tun wir uns schon schwer mit der Nachnutzung, bei einem Gebäude, das erheblich kleiner ist?“

Der Chef der SPD-Fraktion, Benjamin Christian, warnte ebenfalls vor den Risiken eines möglichen Erhalts: „Sollten wir das Gebäude tatsächlich verkaufen, machen wir uns maximal abhängig.“ Sein Fraktionskollege Peter Hofelich sekundierte: „Wir haben auch einen guten Ruf zu verlieren.“ Für die AfD ergriff Uwe von Wangenheim das Wort: „Wir haben kein Statement von einem Investor, das wäre uns relativ wichtig.“ Er schlug vor, das Gebäude einfach so zu übergeben, „wie es dasteht“.

Jahrzehntelange Hängepartie?

„Es ist für uns völlig undenkbar, das Gelände an einen Investor zu verkaufen“, konstatierte der neue Grünen-Co-Fraktionsvorsitzende Johannes Wittlinger. Er warnte vor einer „jahrzehntelangen Hängepartie“, die möglicherweise drohe. Sein Parteifreund Hans Zeeb befürchtete, die vom Land erhaltenen Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe zu riskieren: „In der Förderung steht der Rückbau als klare Aufgabe. Wer trägt dieses Risiko?“

Landrat Möller verliest Erklärung

Der FDP-Fraktionschef Oliver Strommer plädierte erneut dafür, zu prüfen, ob die Göppinger Bodelschwingh-Schule in das Gebäude einziehen könnte, ansonsten würden um die 160 Millionen Euro für einen Neubau fällig. „Dann haben wir auch nicht das Risiko einer Bauruine, wenn wir das in landkreiseigener Hand weiterführen.“ Für den erkrankten Linken-Einzelkreisrat Christian Stähle verlas Landrat Möller eine Erklärung: „Die Linke hält an ihrer bisherigen Position fest und beantragt die Nachnutzung der Klinik am Eichert.“

Dass es am Ende plötzlich ganz schnell ging, lag an dem CDU-Kreisrat Hans-Peter Maichle, der nach zwei Stunden den Antrag auf Ende der Debatte stellte. Der wurde mit großer Mehrheit angenommen, und so wurde die von der Verwaltung eingeplante Zeit von mehr als drei Stunden nicht benötigt – und Maichle stimmte mit dem CDU-Landrat und gegen seinen eigenen Fraktionschef.

Jahrelange Diskussion um Abriss

Abstimmung
Der neuerlichen Abstimmung war eine jahrelange Diskussion vorausgegangen, erstmals hatte der Kreistag das Ende der Klinik am Eichert am 30. November 2012 beschlossen: Es war der Grundsatzbeschluss zum Neubau der Klinik und Abriss des Altbaus.

Konsequenzen
Hätte der Kreistag jetzt anders entschieden, hätte der Göppinger Gemeinderat eine Änderung des Bebauungsplans beschließen müssen. Außerdem ist die Baugenehmigung des neuen Alb-Fils-Klinikums an den Abriss gekoppelt.

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