Wenn man hier nicht in sich gehen kann, um dem Fluss der Gedanken nachzugeben, vor sich hinzuträumen, beim Spaziergang über das Weltgeschehen zu räsonieren oder vor einem der Exponate in Kontemplation zu versinken – wo dann?
Der Ende der 1990er Jahre auf den Weg gebrachte und 2001 mit den Objekten „Zeit“ von Inge Mahn und „Gott/Transzendenz“ von Anatol Herzfeld sichtbar gewordene Fellbacher Besinnungsweg hat sich zu einer weithin bekannten Attraktion entwickelt. Zwölf Kunstwerke entlang des etwa fünf Kilometer langen Weges nördlich des Stadtteils Oeffingen sollen es am Ende sein, neun Besinnungsorte stehen mittlerweile. Jedem Standort ist ein Thema zugeordnet, das durch Zitate aus Literatur, Religion oder Philosophie verdeutlicht und durch einen bekannten Künstler umgesetzt wird. Die Auswahl der Kunstschaffenden erfolgt in Absprache mit dem Leiter der städtischen Galerie, Heribert Sautter.
Hinter dem zwischen Oeffingen und dem Waiblinger Stadtteil Hegnach angesiedelten Projekt steht der Förderverein Besinnungsweg. Der Vorsitzende Paul Rothwein und seine Mitstreiter sind stets engagiert, sie bieten Sonderformate wie Führungen, Gottesdienste, eine Morgenmeditation oder Kunst, Wein und Häppchen.
Kunstwerk „Freiheit“: Tierischer Blick in die Ferne
In diesem Frühjahr wurde ein neues Panoramarelief enthüllt – auf dem Hügel, der wiederum seit 2013 mit dem Kunstwerk „Freiheit“ des Niederländers Henk Visch bestückt ist. Jenes ist unverändert ein Rätsel: Ist die imposante Rohrkonstruktion nun ein Hund oder ein anderes Tier, das von seiner erhobenen Position aus die Landschaft inspiziert?
Die kürzlich darunter platzierte 360-Grad-Bronzetafel soll wiederum geografische Rätsel lösen. Aufgeführt werden bekannte Ziele wie die Backnanger Bucht, der Hohenstaufen, der Fernsehturm und sogar der Echterdinger Flughafen, auch wenn man den nur erahnen und nicht sehen kann.
Kundige Wanderfreunde allerdings haben im Detail gewisse Mängel erkannt. Diese Formation nennt sich „Gruppe Feldherrenhügeltreff Fellbach-Schmiden“ und hat sich als Reaktion auf einen Artikel unserer Zeitung zum Relief („Eine Panoramatafel zur besseren Orientierung“) per E-Mail an unsere Redaktion gewandt.
Treffen einmal wöchentlich auf dem „Feldherrenhügel“
Darin heißt es: „Seit Jahren treffen wir uns einmal wöchentlich auf dem von uns ,Feldherrenhügel’ getauften höchsten Punkt des Schmidener Felds.“ Das Mitglied Eckart Idler hat durchaus Lob parat: „Grundsätzlich finden wir die neu erstellte Infotafel bei der Station ,Freiheit’ sehr gelungen und informativ. Dem Vorsitzenden des Besinnungswegs, Paul Rothwein, gebührt unsere volle Anerkennung für sein Engagement.“
Gleichwohl finden die Feldherren ein Haar in der Suppe beziehungsweise einen Lapsus auf der Bronzetafel: „Allerdings sollte es ein Besucher des Ortes mit der Genauigkeit der aufgezeigten Merkpunkte nicht zu genau nehmen. Dass die Himmelsrichtungen nicht genau getroffen wurden – na ja, kann man noch tolerieren.“
„Beim Tower liegt der Tafel-Konstrukteur gewaltig daneben“
Doch zum unvollendeten Fellbacher Wahrzeichen, dem Super-Hochhaus heißt es: „Beim Punkt ,Tower’ jedoch liegt der Tafel-Konstrukteur ganz gewaltig daneben.“ Idlers Verdikt lässt sich beim Blick auf das Relief nachvollziehen: Der Schwabenlandtower ist links unten angegeben, der Blick in die Ferne auf den realen Wolkenkratzer geht aber deutlich weiter nach rechts. „Bei der christlichen Seefahrt dürfte er sich damit eher nicht sehen lassen“, lästert Idler. „Oder war er der Meinung, dass nach Einsturz oder Abbruch des Bauwerks es eh unwichtig ist, wo genau die Ruine einmal stand?“
Damit nicht genug, kommt aus einer weiteren Fraktion der Feldherrenbesteiger Kritik. Von jener aus Kernen, dem Ort, der am 20. September 1975 durch Zusammenschluss der zuvor eigenständigen Gemeinden Rommelshausen und Stetten hervorging. Christian Fleischer unterstützt in seinem Statement ebenfalls zunächst Idlers Lob für den Besinnungsweg und seine Macher. Dann legt er entrüstet nach: „Allerdings ist mir noch aufgefallen, dass der Teilort Rommelshausen komplett fehlt. Entweder sollte Kernen im Remstal, welches ja demnächst auch schon das 50-jährige Jubiläum feiert, auf der Tafel stehen. Oder, wenn die Tafel älteren geografischen Ursprunges ist, auch Rommelshausen mit drauf stehen.“ Rommelshausen existiere schließlich schon ziemlich lange, sodass es auf etlichen älteren Karten verzeichnet sein sollte.
Rothwein und seine Fellbacher Kulturfreunde dürften die sanfte Ironie wohl erkennen und den kleinen Tadel locker wegstecken – als Vertreter eines Projekts, das rund um den Feldherrnhügel so besinnlich wie positiv in die Welt hinaus strahlt.