Besitz von Kinderpornografie Kindergartenleiter muss vor Gericht

Im Internet wird verdeckt gegen die Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt. Foto: dpa
Im Internet wird verdeckt gegen die Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt. Foto: dpa

Die Polizei beschlagnahmt bei einem Mann Kinderpornos. Dann vergehen fast zwei Jahre, ehe der Fall vor Gericht kommt. In der Zwischenzeit leitet der Mann weiterhin ausgerechnet einen Kindergarten.

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Heilbronn - Der ehemalige Leiter eines evangelischen Kindergartens in Heilbronn muss sich wegen der Verbreitung und des Besitzes von Kinderpornografie vom 16. März an vor dem Heilbronner Amtsgericht verantworten. Wie das Gericht am Freitag mitteilte, seien auf dem privaten Rechner des 30-jährigen Erziehers 10 000 Bilder und 900 Videos einschlägiger Art gefunden worden.

Die Kirchengemeinde informierte am Freitagmittag die Eltern der Kindertagesstätte. Allerdings habe die Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte, dass dort Aufnahmen entstanden seien, betonte der Heilbronner Kirchenpfleger Rolf Krieg. Offenbar hatte sich der Mann die Filme und Bilder im Internet besorgt. „Der Vorgang ist für uns alle unfassbar“, sagte Krieg.

Die Kirche erfährt es erst im Januar

Beim Versuch, bei einer Internetbörse Filme und Bilder zu tauschen, war der Mann an einen verdeckten Ermittler geraten. Bereits im Jahr 2016 sei bei einer Hausdurchsuchung das belastende Material beschlagnahmt worden, erklärte ein Gerichtssprecher. Die Sichtung habe einige Zeit in Anspruch genommen. Erst im Dezember 2017 kam es zur Anklage. Die Kirchengemeinde erfuhr davon offiziell am 8. Januar 2018. „Wir haben den Beschuldigten unmittelbar freigestellt“, sagte Krieg.

Unklar ist, warum die Kirche als Arbeitgeber erst so spät von dem Fall erfuhr. Ein Sprecher des Amtsgerichts verwies gegenüber der „Heilbronner Stimme“ auf einen entsprechenden Vermerk in den Ermittlungsakten. Demnach habe es spätestens im November 2017 eine entsprechende Information gegeben. Krieg erklärte, er erinnere sich an einen Anruf der Polizei im vergangenen Jahr. Damals sei die Frage, ob eine Einrichtung der Kirche betroffen sei, ausdrücklich verneint worden. „Es ist klar, dass wir jeder Form von Verdacht sofort nachgehen“, sagte der Sprecher des Oberkirchenrats, Oliver Hösch.

Beliebt bei Kindern und Eltern

Für die Kirchengemeinde ist der Vorgang ein Schock, auch weil es sich bei dem Mann um einen langjährigen auch ehrenamtlichen Mitarbeiter handelt. Noch im Sommer 2017 war eine Kindergruppe unter seiner Leitung zu einer Wochenendfreizeit aufgebrochen. „Es bestand ein tiefes Vertrauensverhältnis“, sagte Hösch. Als Anbieter von Geburtstagspartys und Ausflügen war der Mann aktiv und bei Kindern und Eltern offenbar sehr beliebt. 2014 wurde er sogar von der damaligen Familienministerin Manuela Schwesig ausgezeichnet: Es ging um ein Video über sein Arbeit.

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