Besondere Bestattung Mensch und Tier im Grab vereint – wie geht das im Südwesten?

Wenn das Tier stirbt, kann die Trauer ähnlich stark empfunden werden wie für einen Menschen. Während sich Familien gemeinsam beerdigen lassen können, geht das bei Tieren nur selten. Foto: Imago/Funke Foto Services

Jeder zweite hat in Deutschland ein Haustier. Wenn die Liebe über den Tod hinaus geht, kann man sich gemeinsam begraben lassen. Was dabei gilt.

Ludwigshafen und Bremen erlaubten es kürzlich, manche Bundesländer haben es schon länger und in Dachsenhausen bei Koblenz gibt es für Mensch-Tier-Bestattungen seit 2024 einen eigenen Friedhof.

 

Knapp jeder zweite Deutsche hat ein Heimtier, ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Skopos vergangenes Jahr. Mit Abstand am häufigsten sind das Katzen, gefolgt von Hunden.

Wenn das Tier stirbt, kann die Trauer ähnlich stark empfunden werden wie für einen Menschen. Während sich Familien gemeinsam beerdigen lassen können, geht das bei Tieren nur selten. Dabei ließen sich schon vor tausenden von Jahren Menschen mit ihren bellenden, miauenden oder flatternden Begleitern beerdigen.

Nur rund 50 Orte in Deutschland haben ein Feld für Mensch-Tier-Gräber, listet die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. Davon sind zwei in Baden-Württemberg: in Ladenburg und Ilvesheim, vor den Toren Mannheims.

Wie sieht eine Mensch-Tier-Bestattung aus?

„Eigentlich ist es im Bestattungsgesetz vorgesehen, dass nur Menschen, eigentlich auch nur Einwohner, auf Friedhöfen bestattet werden“, erklärt Beate Happold, Fachanwältin für Verwaltungsrecht in Dornstadt bei Ulm.

Für den Tod des Tieres gilt das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz. Deshalb gilt die Tierasche in Mensch-Tier-Gräbern auch nur als Grabbeigabe. Durch die Trennung von Mensch und Tier sollen Seuchen vermieden werden. Kranke Tiere dürfen dann auch nicht auf Tierfriedhöfe. Das Tier muss für ein menschlich-tierisches Grab separat kremiert werden – nur der Mensch kann wahlweise im Sarg liegen.

Die Friedhofsgärtnerei Freund in Ladenburg bietet ein sogenanntes Parkfeld. Das ist ein Teil des Friedhofes, den die Gärtnerei pflegt und mit einem kleinen Teich sowie Kunst versehen hat – ein „bisschen waldartig“, sagt Gärtner Heiko Freund. Die Mensch-Tier-Gräber liegen separat von den rein menschlichen.

84 Plätze für Urnen und fünf für Särge gibt es. Zusätzlich zu den Menschen können je bis zu drei tierische Urnen vergraben werden. Die Grab-Laufzeit beträgt 30 Jahre – unabhängig davon, wer zuerst stirbt. Nur die gesetzliche 20-jährige Ruhezeit für Menschen muss eingehalten werden.

„Wenn jemand mit 40 sein Tier beisetzt, dann kann es natürlich sein, dass nach 20 Jahren der Mensch immer noch nicht gestorben ist. Dann kann es theoretisch aufgelöst werden“, sagt Freund.

So ein Grab kostet in Ladenburg 4647 Euro (Urne) beziehungsweise 6500 Euro (Sarg). Die Tierbestattung kostet zudem 3306 Euro. „Das ist nicht zum Geld verdienen, das war von Anfang an klar. Das war eine Herzensangelegenheit“, sagt der Friedhofsgärtner.

Für den Tod des Tieres gilt das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz. Deshalb gilt die Tierasche in Mensch-Tier-Gräbern auch nur als Grabbeigabe. Foto: Soeren Stache/dpa

Wie kam es dazu?

Dass in Ladenburg überhaupt ein solches Grabfeld entstand, lag an Freunds Missfallen an Tierfriedhöfen: „Die find’ ich nicht ansprechend.“ Und weiter: „Am Anfang ist das Engagement groß, irgendwann guckt da kein Mensch mehr nach.“

So kam Freund die Idee eines speziellen Feldes für Mensch-Tier-Bestattungen und der damalige städtische Friedhofsverwalter Roger Joachim unterstützte ihn. „Hätten wir als Gärtnerei den ganzen politischen Weg alleine gehen müssen, hätte es länger gedauert“, sagt Freund, der damals zudem Stadtrat von Ladenburg war. 2018 erstmals öffentlich angesprochen, war das Feld 2021 bereits eröffnet.

Der Gärtner las sich ein, forderte Änderungen bei der Friedhofssatzung. „So wie wir es damals gewählt haben – mit Parkfeld, Komplettpaket und im Friedhof drin – waren wir die ersten. Wir konnten uns deshalb nach niemanden richten.“ Nach der Eröffnung riefen einige Kommunen an, die nachziehen wollten, daraus sei aber noch nichts geworden, so Freund.

In Ladenburg sind indes 4 der 89 Plätze belegt. „Wir sind von zwei Bestattungen pro Jahr ausgegangen, mittlerweile haben sich zwölf eingekauft“, sagt Freund. „Das Einzugsgebiet ist deutlich weiter als wir gedacht hatten, das wundert mich ein bisschen.“

Auch im Nachbarort Ilvesheim gibt es die besondere Bestattungsform. Wie viele Duos hier seit der Eröffnung im Dezember 2023 bereits beerdigt wurden, ließ sich mit einer Anfrage an die Gemeinde nicht herausfinden.

Kürzlich, so berichtet Freund telefonisch, hat sich ein Baden-Badener eingekauft. „Der hat sich lange damit beschäftigt und schon zwei Hundeurnen daheim“, sagt Freund. Die bisherigen vier Beigesetzten hatten ebenfalls die Urnen ihrer Hunde oder Katzen schon daheim. Theoretisch lässt sich jedes Tier mit begraben.

Wie sind die Reaktionen?

Mensch-Tier-Begräbnisse sind ein Randphänomen, sagt Alexander Helbach, Pressereferent der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. „Von einem Trend würde ich nicht sprechen, das Interesse wächst langsam, aber stetig.“

Eine von ihnen eigens beauftragte Umfrage aus dem Jahr 2016 ergab, dass 49 Prozent der Befragten für und 48 Prozent gegen Mensch-Tier-Gräber sind. Tendenziell lehnen eher Personen über 60 Jahren diese Sonderform ab. Dabei sind es gerade ältere Menschen, die ihre Heimtiere als ihre letzten Begleiter haben wollen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Tiere Grab Tierfriedhof