Besondere Bewohner in Waldenbuch Was machen denn die Luxuskarpfen im Schlossbrunnen?

Die ersten vier Koi-Karpfen, die einst in den Schlossbrunnen kamen, stammen aus der Wilhelma. Foto: /Stefanie Schlecht

Fische im Brunnen? Wo gibt es denn so etwas? Im Schlosshof in Waldenbuch tummeln sich rund 25 Koi-Karpfen im Brunnen. Sie sind so beliebt, dass mancher sie als Andenken haben will.

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Wer im verwunschenen Hof des Schlosses Waldenbuch, in dem auch das Museum der Alltagskultur untergebracht ist, verweilt und sich auf den Rand des Schlossbrunnens setzt, der hat sie sicher schon einmal entdeckt: Die Koi-Karpfen im Schlossbrunnen. Sie scheinen elegant durchs Wasser zu schweben und ihre Schuppen schillern in Orange, Rot- und Gelbtönen. Koikarpfen finden sich allerdings eher selten in einem öffentlichen Brunnen – warum aber in Waldenbuch?

 

Huch, wer guckt denn da aus dem Wasser? /Stefanie Schlecht

Martin Müller kennt die rund 25 Fische alle, persönlich. Der Haustechnikleiter des Schlosses Waldenbuch kümmert sich gemeinsam mit der Museumsbelegschaft seit einigen Jahren um die japanischen Fische im edlen Schlosshofbrunnen. Zwei Mal am Tag werden sie mit hochwertigem Fischfutter gefüttert. „Vor rund 30 Jahren hat die Stadt vier Koi-Karpfen von der Wilhelma bekommen“, verrät der 42-Jährige, der damals noch ein Kind war und die Geschichte nur aus Erzählungen kennt. Von diesen vieren gibt es immerhin noch zwei, und die hat Müller „Winston und Winifred“ getauft. Dass Koi als sehr teuere Fische gelten, liegt daran, dass Züchter sich mit großem Aufwand besonderen Farbkreuzungen widmen. Das ist in Waldenbuch allerdings nicht der Fall – dort ist die Natur der Züchter. Den Fischen scheint der Schlossbrunnen als Kinderstube jedenfalls gut zu gefallen. Nimmt die Zahl an Kois überhand, so zieht ein Teil von ihnen in den Marktplatzbrunnen um, der in diesem Sommer frisch saniert wurde.

Rund 45 Zentimeter lang ist das größte und älteste Exemplar, das im Schlossbrunnen umher schwimmt. Fühlen sich die Fische wohl, können sie in Gefangenschaft bis zu 60 Jahre alt werden. Koi-Karpfen sind sehr gesellige Tiere und brauchen andere Artgenossen. Hitze und Kälte mache den pflegeleichten Fischen nichts aus. Sommers wie winters tummelten sich die Luxuskarpfen im Schlossbrunnen, erzählt Martin Müller.

Koi-Karpfen sind gesellige Kerlchen

Die Kois sind sehr gesellige Tiere. /Foto: Stefanie Schlecht

Wichtig ist aber schon die Qualität des Wassers: Der Schlossbrunnen läuft zum Beispiel rund um die Uhr, daher kommt genügend Sauerstoff ins Wasser und die Wasserqualität kippt nicht. „An heißen Tagen halten sich die Kois eher am Grund des Brunnens in 1,60 Meter Tiefe auf, im Herbst und Winter kommen sie auch gerne mal an die Oberfläche und sonnen sich“, hat der Museumsangestellte beobachtet. Dadurch, dass der Brunnen immer in Betrieb ist, gefriert das Wasser auch nicht.

Wasserpflanzen sind vor Kois nicht sicher

Die Kois reinigten den Brunnen auf natürlich Art, wie eine Sprecherin der Stadt sagt. Und sie sind bei den Schloss- und Museumsbesuchern sehr beliebt – quasi so beliebt, dass mancher einen als Andenken haben will. Ein Koi wurde einmal gestohlen, so Müller. Dabei ist es gar nicht so einfach, einen Koi aus dem Brunnen zu bekommen. Einfach mit der Hand hineingreifen und einen Fisch zu fangen, funktioniere nicht. Die Kois machten einfach einen Abgang in die Tiefe, wenn sie sich bedroht fühlen.

Dass es im Brunnen keine Wasserpflanzen gibt, stört übrigens nicht. Kois gelten als Allesfresser und würden den Pflanzen binnen kürzester Zeit den Garaus machen.

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