Rudolf Schaaf engagiert sich seit mehr als 30 Jahren für Eulen. Sein Ruf ist jetzt sogar bis in die USA gedrungen.
Einmal wegen seiner Verdienste in eine Hall of Fame, eine Ruhmeshalle, aufgenommen zu werden – davon träumt mancher vergebens. Der Ludwigsburger Rudolf Schaaf hat nicht davon geträumt. Und trotzdem wird er in wenigen Tagen in die „World Owl Hall of Fame“ in Houston im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota aufgenommen – für seine besonderen Verdienste um die Eulenvögel. „Schuld“ daran sind ein österreichischer Ornithologe, der ihn empfohlen hat, und eine Jury mit Mitgliedern aus mehreren Ländern.
Dabei ist Schaaf nicht der Typ, der eine 30 Meter hohe Leiter hochklettert, um Schleiereulen zu helfen. „Ich bin nicht schwindelfrei“, erklärt er. Dennoch hat er einen Weg zur Unterstützung der gefährdeten Vögel gefunden: Seit 1992 gibt er den „Kauzbrief“ heraus, der möglichst viele Menschen ansprechen soll – mit Themen, die auch internationale Kunst- und Kulturgeschichte rund um die Eulen beleuchten. Artikel, die als leichte Bettlektüre geeignet sind, gehören ebenso zum Inhalt wie solche, die selbst Ornithologen noch Wissenswertes vermitteln. Dabei sind ganz viele Menschen an der Entstehung des Kauzbriefs beteiligt. „Auch wenn jetzt nur ich eine Ehrung für besondere Leistungen bekomme, mein Dank gilt allen, die daran mitgewirkt haben und sich für Eulen engagieren“, sagt der Ludwigsburger bescheiden.
Mit einem Briefbeschwerer fing alles an
Wer ihm zuhört, wird schnell von seiner Faszination für die Vögel angesteckt. Dabei kam er selbst nur durch Zufall zu den Eulen. Im Urlaub kaufte er einst einen Briefbeschwerer in Form eines sehr kugeligen Exemplars. „Die Form hat dabei überhaupt keine Rolle gespielt, ich wollte eben einen Briefbeschwerer haben“, sagt er. Doch der Kauf hatte ungeahnte Folgen. „Die Leute dachten, man könne mir mit Eulen eine Freude machen“, erinnert er sich mit einem kleinen Schmunzeln. Und so sei er dann regelrecht „besammelt“ worden. Immer mehr Eulen in allen Farben, Größen und Erscheinungsformen fanden ihren Weg zu ihm. „Und als höflicher Mensch habe ich das dann alles auf ein Bücherregal gestellt“, erklärt Schaaf.
Das jedoch blieb nicht ohne Folgen. Denn irgendwann beschloss er, mehr über die Vögel herauszufinden, die die Menschen offenbar so faszinieren. Er schloss sich einer Eulenschutzgruppe an und bot an, sich um die Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern. Das war die Geburt des ersten Kauzbriefs. Wenige gelbe Seiten im DIN-A5-Format waren das damals. „Heute haben wir keinerlei Probleme, 72 DIN-A4-Seiten zu füllen“, sagt Schaaf. „Wir“, das ist die AG Eulenschutz im Landkreis Ludwigsburg, die wiederum dem Nabu angegliedert ist.
Rudolf Schaaf schreibt nur einige der Artikel selbst, anderes wird von Eulenforschern und Eulenfreunden aus dem In- und Ausland zugeliefert. Auch seine eigenen Texte entstehen hin und wieder in internationaler Zusammenarbeit. So machte er sich mit einer Niederländerin und einer Belgierin daran, zu untersuchen, wo überall Eulen als Straßenname, als Brunnenfigur, als Firmenlogo oder wie auch immer auftauchen – und das in 80 Ländern dieser Welt. Es wurde eine sehr lange Liste, für welche die drei, wenn auch meistens nur am PC, um die ganze Welt gereist sind.
Auch die Technik nimmt sich Eulen zum Vorbild
Dass sich Abbilder von Eulen in allen Zeiten und in so vielen verschiedenen Ländern und Kulturen finden, ist eigentlich kein Wunder, haben die Vögel doch einige Besonderheiten: Sie sind meistens nachtaktiv, haben große Augen, können den Kopf um bis zu 270 Grad drehen und lautlos fliegen. Einige ihrer besonderen Fähigkeiten werden heutzutage auch bei der Entwicklung von Flugzeugen, Ventilatoren oder in der Robotik erforscht und genutzt, weiß Schaaf zu berichten.
Dabei genießen Eulen, erzählt der Ludwigsburger, einen zwiespältigen Ruf, der ihnen auch zum Verhängnis werden kann. Für die einen sind sie die Vögel der Weisheit, für die anderen Todes- und Hexenboten. Ein Aberglaube, der sich nicht nur dank der geflügelten Briefträger in „Harry Potter“ bis heute hält. Wieder andere glaubten, mit Eulen Schaden von Haus und Hof abwenden zu können – manchmal mit geschnitzten Exemplaren, aber leider nicht nur mit solchen. „Bis ins letzte Jahrhundert hat man auch in Europa Eulen mit ausgebreiteten Flügeln an Scheunen genagelt“, sagt Schaaf.
Unterstützer sind willkommen
Dass die meisten Eulenarten als gefährdet gelten, hat aber einen anderen Grund: den schwindenden Lebensraum. Alte Obstbäume, die in ihren hohlen Stämmen Nistmöglichkeiten bieten, sind selten geworden, auch Kleinsäuger zur Nahrung finden sich in der intensiven Landwirtschaft viel weniger als früher. Deshalb freut sich Rudolf Schaaf über weitere Engagierte in der AG Eulenschutz, die durch ihren Spendenbeitrag die Erforschung und damit den Schutz der Vögel unterstützen.
Engagement im Tierschutz
Die AG Eulenschutz
im Kreis Ludwigsburg ist kein eigenständiger Verein und deshalb dem Nabu angegliedert. Sie unterstützt die Eulenforschung und damit deren Schutz. Mehr Informationen unter www.ag-eulenschutz.de.
Eulen
umfassen rund 200 verschiedene Arten vom Uhu über die Schleiereule bis zum Steinkauz. Sie sind auf allen Kontinenten außer der Antarktis anzutreffen.