Besondere Immobilie auf dem Markt In Marbach steht die alte Polizeiwache zum Verkauf

Das hohe Fachwerkgebäude in der Bildmitte soll durch einen Investor modernisiert werden. Foto: Christian Kempf

Das Fachwerk-Anwesen im Herzen von Marbach (Kreis Ludwigsburg) ist heruntergekommen, die Stadt hat kein Geld für eine Sanierung – und will deshalb einen Investor ins Boot holen.

Man kann sich heute nur noch schwer vorstellen, dass die Polizei in Marbach einst von der Niklastorstraße 21 aus auf Verbrecherjagd ging. Das Anwesen befindet sich mitten in den engen, verwinkelten Gassen der Altstadt. Strategisch liegt das neue Revier am Rande des Ortskerns in der Grabenstraße, in das die Ordnungshüter vor mehr als 30 Jahren umzogen, wahrscheinlich deutlich günstiger. Für das frühere Domizil begann damit allerdings die Phase des Verfalls.

 

Die Kommune erwarb die Immobilie zwar 1992, verpasste ihr aber nie eine grundlegende Frischzellenkur. Das Haus wurde für die Unterbringung von Obdachlosen und Geflüchteten genutzt. Zuletzt war das Gebäude dann so heruntergewirtschaftet, dass es komplett geräumt werden musste. Der Zustand sei „sehr desolat“, erklärte der Bauamtsleiter Dieter Wanner in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Es müsste eine Generalsanierung stattfinden“, betonte er. Doch dafür fehlten der Stadt jetzt und in absehbarer Zeit die finanziellen Möglichkeiten, fügte Wanner hinzu. Aus dem Grund will die Rathausspitze auf einen Plan B setzen, den die Fraktionen mehrheitlich auch abgesegnet haben: Das Anwesen im Fachwerkstil soll an einen Investor verkauft werden.

Dieser könne bei dem denkmalgeschützten Bau steuerliche Vorteile geltend machen. „Insofern sind wir zuversichtlich, dass sich so eine Lösung finden lässt, die letztendlich dazu führt, dass dieses Gebäude saniert und wieder ein Schmuckstück darstellen würde“, frohlockte Dieter Wanner.

Der Briefkasten ist mittlerweile zugeklebt, die letzten Bewohner sind ausgezogen. Foto: Christian Kempf

Allerdings werden die Interessenten nicht frei schalten und walten können. Die Räte wollen vor der Ausschreibung Kriterien festlegen, was sie von den Käufern erwarten. Es geht also nicht nur darum, möglichst hohe Einnahmen über die Veräußerung der früheren Polizeiwache zu erzielen. Das Nutzungskonzept wird ebenfalls eine Rolle spielen. Wobei dabei die Vorstellungen innerhalb der Runde allem Anschein nach nicht immer deckungsgleich sein dürften.

Unterschiedliche Vorstellungen zur Zukunft des Hauses

Bürgermeister Jan Trost erklärte, dass er es begrüßen würde, wenn in der Niklastorstraße 21 frischer Wohnraum entstehen würde. Lorenz Obleser (SPD), der gegen einen Verkauf votierte, strich indes das „Potenzial für ein Modellprojekt der kulturellen Stadtentwicklung“ heraus, das in dem Haus schlummere. Er hätte sich zudem gewünscht, die Bürger bei der Entwicklung von Konzepten einzubinden. Martin Mistele (Freie Wähler) empfahl dagegen, auf die Innovationskraft der Investoren zu vertrauen. „Die sollten uns ein Konzept vorlegen, dann können wir darüber reden. Da könnten Ideen kommen, die wir heute noch gar nicht auf dem Schirm haben“, sagte er.

Mit einer Einschränkung müssen sich potenzielle Interessenten allerdings so oder so arrangieren: Das Anwesen darf nicht abgerissen werden, um das Grundstück komplett neu zu überplanen. Es stehe unter Denkmalschutz, stellte Dieter Wanner klar. Was nachvollziehbar ist, wenn man überlegt, wie weit die Geschichte des Gebäudes zurückreicht.

Lange Jahre war die Polizeiwache in dem Gebäude angesiedelt. Foto: Stadtarchiv Marbach

Das Referat für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart weist darauf hin, dass das dreigeschossige Haus im Jahr 1698 als Diakonat erbaut wurde. Der Keller habe wohl sogar mittelalterliche Wurzeln. Bis 1929 habe das Gebäude als Diakonat gedient, ehe die Polizeiwache dort angesiedelt wurde. Das Revier war bis 1990 in der Niklastorstraße 21 beheimatet, bis der Umzug in die Grabenstraße erfolgte und die Stadt das Zepter übernahm.

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