Besondere Pflanzaktion in der Wilhelma Wo in Stuttgart wieder Reis wächst

Knöcheltief im Schlamm – Reispflanzung auf asiatische Weise in der Wilhelma, Foto: Iris Frey

Vor wenigen Tagen haben Mitarbeitende der Wilhelma und der Universität Hohenheim im Asiatischen Schaubauernhof das Reisfeld bepflanzt. Wie groß wird die Ernte ausfallen? Und kann man Stuttgarter Reis schon probieren?

Lokales: Iris Frey (if)

Das nördlichste Reisfeld in Europa steht wieder. In der Wilhelma wurde das Feld auf dem Asiatischen Schaubauernhof beackert und nun neu bepflanzt. Knöcheltief standen die Helfer im Wasser. Auch der Botanik-Chef Björn Schäfer ließ es sich nicht nehmen. Die Vorbereitung war nicht einfach: „Wir hatten erst Probleme, das Beet zu fräsen, da der Schlamm total zähflüssig ist.“ Doch nun klappte alles. „Schneller als im vorigen Jahr“, so Schäfer.

 

Reis war Anfang Mai in Hohenheim vorgezogen worden

Am Rand des Feldes bereiteten nun Mitarbeitende die Reispflanzen vor, die in den Gewächshäusern der Universität Hohenheim gezogen worden waren. „Sie wurden Anfang Mai gesät“, erklärte Professor Folkard Asch von der Agrarfakultät am Institut der tropischen Agrarwissenschaft. Nun wurden sie büschelweise aus den Boxen geholt, in die sie eingesät waren und einzeln herausgelöst, damit sie dann etwa fünf Zentimeter tief in den Schlamm gesteckt werden konnten.

Gepflanzt wird wie in Thailand

Das übernahm ein anderes Team. Sie setzten die Pflänzchen immer in Reih und Glied an langen, gespannten Schüren entlang in den Lehmboden. „Ganz traditionell wie in Thailand“, sagte Asch. Einzig der Boden stammt von hier: „Es ist feinster, gesiebter Filderlehmboden“, so Schäfer. Vier Sorten Risotto-Reis wurden jetzt angebaut: Cigalon, Brion, Loto und Onice. Der französische Cigalon ist Saatgut vom vorigen Jahr. Cigalon wird auch in der Camarque in Frankreich angebaut. Loto stammt aus Italien.

Unter den Pflanzerinnen war Luzie Letzner. Sie war im vergangenen Jahr als Auszubildende bei der ersten Reispflanzung in der Wilhelma dabei. Inzwischen ist sie ausgebildete Gärtnerin. „Mit macht es Spaß. Es klappt gut.“ Auch Aschs Frau Julia pflanzte mit.

Ende Juli erwartet Asch, dass der Reis blühet. Wenn die Selbstbestäubung gut klappt, werden dann die erst grünen Körner zu sehen sein. „Reis bestockt sich sehr stark, je nach Sorte mit 15 bis 45 Trieben“, erklärt der Fachmann. Jeder Halm hat die Chance, eine Rispe zu tragen und die hat dann zwischen 65 und 120 Körner. Bei 30 Trieben sind das 3000 Körner pro Pflanze. Doch die Erträge seien nicht höher als beim Weizen, so der Agrarwissenschaftler. Gesetzt wurden etwa 25 Pflanzen pro Quadratmeter, also in dem Reisfeld der Wilhelma mit seinen rund 140 Quadratmetern etwa 3500 Pflanzen.

Jede Pflanze kann 3000 Körner tragen

Reis ernährt zwei Drittel der Menschheit

Asch beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Pflanze, weil sie weltweit neben Mais und Weizen ein sehr wichtiges Nahrungsmittel ist. „Reis ernährt zwei Drittel der Menschheit“, sagt der Experte. Mehr als drei Milliarden Menschen beziehen den Hauptteil ihrer Kalorien aus den Körnern. Die Pflanze kann auch in Überschwemmungsgebieten wachsen. Asch, der im Senegal promoviert hat, betreut weltweit Projekte mit Reis. In der Schweiz gebe es ein Projekt, da werde Reis angepflanzt, um Feuchtgebiete zu erhalten , also zum Landschaftsschutz.

Die Kulturpflanze ist 10000 Jahre alt

Die 10 000 Jahre alte Kulturpflanze wird weltweit angebaut, außer in nördlichen Ländern. Gefährlich werden können den Pflanzen Viren, Bakterien, Unkraut und Pilze. In diesen Bereichen forscht Asch. Auch im Blick hat er den Klimawandel, der Regenzeiten verschiebt und den Bauern mit dem Pflanztermin Probleme mache. Auch sei die Wassernutzung global ein Problem. Es gebe Konkurrenzdruck, etwa in Vietnam. Dort werde deswegen in bestimmen Flächen kein Reis angebaut, so Asch. Dabei sei wegen des Bevölkerungswachstums bis 2035 etwa 30 Prozent mehr Reisproduktion notwendig. Doch es sei schwierig, dieses Ziel zu erreichen. Jetzt hat der Stuttgarter Reis eine Chance, zu gedeihen. Im vorigen Jahr wurden auf dem Feld 20 Kilo geerntet. Wilhelma-Reis gibt es aber nicht zu kaufen. Ein Teil der Ernte 2023 wurde nun ausgesät. Außerdem hat die Wilhelma noch keine Reis-Mühle.

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