Besondere Tankstelle in Fellbach Als Wasserstoff-Tankwart ein Pionier

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Mit einem Modellprojekt will der Landkreis die Wasserstofftechnologie vor Ort vorantreiben. In Fellbach gibt es eine entsprechend ausgerüstete Tankstelle weitgehend unbemerkt bereits seit fünf Jahren .

In Peter Eberles Tankstelle in Fellbach gibt es schon seit fünf Jahren Wasserstoff. Foto: Gottfried Stoppel
In Peter Eberles Tankstelle in Fellbach gibt es schon seit fünf Jahren Wasserstoff. Foto: Gottfried Stoppel

Fellbach - Peter Eberle ist schon seit fast 30 Jahren Pächter einer Tankstelle des französischen Mineralölunternehmens Total. Seine erste Servicestation in Waiblingen-Hegnach betreibt mittlerweile sein Bruder, seit 2010 ist Eberle in der Fellbacher Ohmstraße tätig. Seinen Hauptumsatz macht er dort nach wie vor mit Diesel und Benzin, er hat aber auch Erd- und Flüssiggas im Angebot – und, bereits seit fünf Jahren, Wasserstoff.

Im Großraum Stuttgart nur fünf Wasserstoff-Tankstellen

Mit letzterem ist er in der Region Stuttgart ein Pionier gewesen. Auch heute gibt es im Großraum der Landeshauptstadt Stuttgart lediglich vier weitere Tankstellen, die Treibstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge anbieten – und das auch nur, wenn man Metzingen zum Großraum noch dazu rechnet.

Die Fellbacher Zapfgelegenheit wurde im Jahr 2015 erstellt – Total hatte in der Angelegenheit mit dem Industriegaskonzern Linde und dem Automobilhersteller Mercedes kooperiert. Letzterer hatte die Tankstelle insbesondere auch zur Praxiserprobung seiner mit Wasserstoff betriebenen Prototypen nutzen wollen. Zwei Jahre später konnte sie Peter Eberle auch für Privatkunden freigeben.

Rund eine Million Euro habe die Nachrüstung in Fellbach gekostet, sagt Matthias Göpel, Bezirksleiter bei Total. Die technischen Herausforderungen seien ungleich größer, als lediglich eine neue herkömmliche Zapfsäule zu schaffen. Benötigt werden für den Wasserstoff auch ein Verdichter sowie Lagermöglichkeiten –und ganz spezielle Brandschutzvorkehrungen. Natürlich habe sich diese Investition noch nicht durch die Betankung amortisiert, aber man habe Erfahrungen sammeln können, um bei der neuen Technologie, „die kommen wird“, vorne dabei zu sein. Die jüngsten politischen Entwicklungen scheinen den Kooperationspartnern in ihrem Tun durchaus Recht zu geben: Nicht nur Deutschland, sondern auch die EU hat sich mit entsprechenden Ausbaustrategien klar zu dem emissionsarmen Kraftstoff bekannt.

Davon erhofft sich auch Benjamin Jödecke von H2 Mobility einen kräftigen Schub. Das Unternehmen, das von den drei Fellbacher Kooperationspartnern sowie Shell, OMV und Air Liquide getragen wird, hat das Ziel, ein möglichst flächendeckendes Wasserstoff-Tankstellennetz aufzubauen. Aktuell gibt es in Deutschland laut dessen Angaben 84 entsprechende Tankgelegenheiten, bis zum Ende des Jahres sollen es 100, bis 2023 nach Möglichkeit 400 sein.

Etwa 750 Wasserstoff-Autos sind aktuell zugelassen

Das Problem sei, dass es dafür eigentlich noch deutlich zu wenig Wasserstoffautos gebe, räumt Benjamin Jödecke ein. Nach Toyota und Hyundai habe jetzt zwar auch Mercedes einen Wagen zur Serienreife gebracht – allerdings nur in einer „homöopathischen Auflage“, wie der H2-Experte sagt. Etwa 750 Autos seien aktuell auf Deutschlands Straßen unterwegs, immerhin 30 bis 40 davon in der Region Stuttgart, schätzt Jödecke. Die zum Jahresende angepeilten 100 Tankstellen hätten hingegen die Kapazität, rund 40 000 Fahrzeuge zu versorgen.

Passen dazu wiederum die Bemühungen des Landkreises und der Stadt Waiblingen? Wie berichtet, wollen diese im Rahmen des Bundesmodellprojektes Hy-Performer selbst Wasserstoff über regenerative Energien herstellen und eine eigene Tankstelle auf dem Areal der früheren Ziegeleifabrik Hess in Waiblingen aufbauen. Benjamin Jödecke zeigt sich da betont offen: „Wir sind in Gesprächen“, sagt er, „wir unterstützen gerne und würden unsere Fellbacher Tankstelle auch als Backup anbieten.“

Kapazitäten dafür hätte Peter Eberle sicherlich frei. Die private Kundschaft ist eher noch dünn gesät. Ein Toyotafahrer komme regelmäßig, sagt der Tankstellenpächter, neulich habe er sich mit einem Polizisten unterhalten, der seinen neuen Wasserstoff-Dienstmercedes betankt habe. Das freilich sind eher Momentaufnahmen, denn Eberle kennt seine Kundschaft eigentlich nicht, zumindest nicht aus der Abrechnung. Das komplette Wasserstoff-System läuft am Automaten über H2 Mobility, denn die sind auch angehalten, an jeder ihrer Tankstellen einen 24-Stunden-Betrieb sicherzustellen. Dennoch würde sich Peter Eberle wünschen, dass bei ihm auch eine Wasserstoff-Tankmöglichkeit für Lastwagen und Nutzfahrzeuge eingerichtet wird. Denn in dem Bereich, glaubt er, werde sich der Brennstoffzellen-Antrieb als erstes durchsetzen.




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