Besonderer Kiosk in Fellbach Ein beliebter Treffpunkt mit neun Quadratmetern

Zorica Tadic sichtet Aufnahmen von Kunden des Kiosks, die Schlaglichter auf die Geschichte des Cannstatter Platzes in Fellbach werfen. Foto: Eva Schäfer

Der Kiosk am Cannstatter Platz ist nicht nur für Anwohner eine wichtige Anlaufstelle. Die Betreiberin Zorica Tadic würde ihren Service gerne erweitern – und plant eine kleine Ausstellung zur Geschichte des markanten Platzes. Ein Besuch.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Sie ist eine Institution am Cannstatter Platz in Fellbach: Zorica Tadic mit ihrem Kiosk mitten auf dem markanten Areal, das von großen Bäumen umsäumt ist. Bei warmem Wetter nutzen die Kunden gerne die beiden Tischchen unter den Kastanienbäumen, um Platz zu nehmen. Tadic trägt dazu bei, dass dieser zentrale Platz mit Leben gefüllt wird.

 

Im Neun-Quadratmeter-Reich gibt es ein großes Angebot

Sie weiß, was Kunden an ihrem Kiosk wünschen. Gerade füllt sie für einen Mann die georderten 15 Lakritzstangen in eine Tüte und gibt noch ein paar obendrauf. „Wie für meine Kinder“, sagt sie und steigt auf ihren Hocker, um das Glas mit der Lakritze wieder oben im Regal zu verstauen. In ihrem Neun-Quadratmeter-Reich tut sich erstaunlich viel. Auch Pakete werden abgegeben und abgeholt, Lottoscheine angenommen, Zigaretten und Zeitschriften durch das kleine Fensterchen nach draußen gereicht.

Zorica Tadic weiß, dass es bei alldem auf Service ankommt. Wenn eine Zeitschrift nicht da ist, kann sie für den nächsten Tag bestellt werden. Doch sie bedauert, dass sie ihren Kunden keine Müllmarken und auch keine Fahrkarten verkaufen kann. „Ich versuche das seit sechs Jahren, aber ich habe die Möglichkeit dazu nicht bekommen“, sagt die engagierte Frau aus Fellbach.

Viele ältere Kunden fragen nach Fahrkarten und Müllmarken

Viele ihrer Kunden seien älter und hätten zig Mal danach gefragt. Wenn sie darauf verweise, dass es beim i-Punkt im Rathaus Fahrkarten gebe, sei das vielen einfach zu weit. Zumal eine Bushaltestelle direkt vor dem Kiosk sei. Eine wichtige Linie, der 60er, rollt nach Oeffingen. „Viele fragen, ob sie hier eine Viererkarte kaufen können“, sagt sie, „ich bin hier wie ein Tante-Emma-Laden.“

Zorica Tadic hat rund 25 Jahre in einem großen Kaufhaus in Stuttgart und in Waiblingen gearbeitet. Viele Schulungen habe sie absolviert, berichtet sie. Dass sie eine möglichst breite Palette anbieten möchte, sei ihr Ziel, um den Anfragen ihrer vieler Stammkunden entgegen zu kommen. Müllmarken anbieten zu können, das wäre aus ihrer Sicht ein Pluspunkt. Wie eine Sprecherin der Abfallwirtschaft Rems-Murr mitteilt, sind die Aussichten dafür allerdings nicht groß. „Eine Erhöhung der Anzahl an Verkaufsstellen ist nicht angedacht, da diese flächendeckend im Rems-Murr-Kreis verteilt sind“, teilt die Pressestelle der Abfallwirtschaft Rems-Murr dazu mit. Allerdings suche man für Verkaufsstellen die wegfallen, „schnellstmöglich Ersatz“.

Lesen Sie aus unserem Angebot: 10 Kioske in Stuttgart, die man kennen sollte

Auch die Aussicht, Fahrkarten zu verkaufen, ist getrübt. Bevor ein Unternehmen VVS-Tickets verkaufen könne, müsse es eine Vereinbarung mit einem Verkehrsunternehmen abschließen. Ob es zu einer solchen Vereinbarung komme, hänge maßgeblich von der Einschätzung des Verkehrsunternehmens über das Umsatzpotenzial ab, teilt ein VVS-Sprecher mit.

Große Blumenkübel schmücken nun auch den Cannstatter Platz

Was Zorica Tadic freut, sind die großen Blumenkübel, die auf dem Platz stehen. Die sieben Töpfe sind zum Maikäferfest gekommen, bei dem sie auch mitgemacht hat. Ihr Kiosk ist ihr eine Herzenssache. „Es ist Kult“, sagt sie und möchte auch die Geschichte des Platzes aufrecht erhalten. So plant sie eine kleine Ausstellung an den Seitenwänden des Häuschens. Kunden haben bereits historische Aufnahmen vorbeigebracht und manche Notiz dazugeschrieben. So sieht man auf einem Bild, wie die Straßenbahn vorbeirollt. „Die Straßenbahn fuhr bis 1986 die Bahnhofstraße rauf, um die Lutherkirche herum und die Cannstatter Straße hinunter“, beschreibt der geschichtsinteressierte Fellbacher. Die Stadtbahnlinie 1 löste die Straßenbahn im April 1986 ab.

Als die Straßenbahn noch vorbeirollte

Es gibt auch schöne Aufnahmen aus der Vogelperspektive von einem Anwohner eines Hauses, der in einem der oberen Geschosse lebt. Es zeigt, Zorica Tadic ist verbunden mit ihren Kunden und dem Kiosk. Aufnahmen von früher sind weiter willkommen. Geöffnet hat ihr Kiosk am Montag, Dienstag und Samstag von 7 bis 13 Uhr und an den anderen Tagen von 7 bis 18 Uhr. Sonntags ist geschlossen.

Die Abfallwirtschaft und der öffentliche Nahverkehr

Müllmarken-Verkauf
 An knapp 70 Verkaufsstellen im Kreis können Müllmarken, Sperrmüllkarten und vieles mehr gekauft werden. Das Angebot wird durch den Online-Service der Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) ergänzt. So kann man Müllmarken im Netz bestellen oder eine Sperrmüllabholung beantragen. „Eine Erhöhung der Anzahl an Verkaufsstellen ist nicht angedacht, da diese flächendeckend im Rems-Murr-Kreis verteilt sind“, teilt die Pressestelle der AWRM mit. Allerdings werde für Verkaufsstellen, die wegfallen – etwa wegen einer Betriebsaufgabe – schnell Ersatz gesucht. Bestehe Interesse, als Verkaufsstelle zu agieren, könnten sich Interessierte an die AWRM wenden.

Neues System Im Rahmen des Abfallwirtschaftskonzeptes ist vorgesehen, in den nächsten vier bis fünf Jahren ein sogenanntes Behälter-Identsystem einzuführen. Das soll eine digitale Leistungsabrechnung ermöglichen. Gebührenmarken müssten dann nicht mehr gekauft werden. Dies bedeute aber nicht zwangsläufig den Wegfall von Verkaufsstellen, da Müllsäcke und Co. weiter ortsnah verkauft werden sollen. 

VVS-Verkaufsstellen Die Anzahl der in einem Linienbündel durch ein Verkehrsunternehmen mindestens vorzusehenden Verkaufsstellen ist in den Standards des Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) geregelt, teilt ein VVS-Sprecher mit. In Fellbach gibt es etwa folgende Verkaufsstellen, in denen persönlich bedient wird: Eisenbahnstraße 14, Marktplatz 7, Stuttgarter Str. 175, i-Punkt Schwabenlandhalle, Winterhalter, Elfis Lädle, DB-Video-Reisezentrum, Bahnhof Fellbach. Bevor ein Unternehmen VVS-Tickets verkaufen könne, müsse es eine Vereinbarung mit einem Verkehrsunternehmen abschließen. Der Anteil des personenbedienten Verkaufes habe aber wegen Abos und Handy-Tickets stark abgenommen.

Weitere Themen