Ralph Schatz bemüht sich bereits seit längerem, einen Käufer für die alte Villa zu finden. Nachdem auch ein Inserat nichts gebracht hat und die Bauarbeiten gestartet sind, möchte er mit der Stadt sprechen. Foto: Käser
Der Bau von Eigentumswohnungen in der Schorndorfer Weilerstraße hat begonnen – doch dort steht auch die einstige Schmuckvilla. Eigentümer Ralph Schatz hofft weiter auf einen Käufer.
Lässt man den Blick umherschweifen, wird schnell klar: Die Villa Kunterbunt ist allgegenwärtig. Das in die Jahre gekommene Anwesen in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) ist nicht zu übersehen. Dabei ging es kürzlich beim Vor-Ort-Termin in der Weilerstraße bei bestem Frühlingswetter und mit vielen Gästen gar nicht um die einstige Schmuckvilla, sondern um den Baustart nebenan. Ein großes Schild hatte schon länger angekündigt, dass es dort nun zeitnah in die heiße Phase gehen würde.
Und nun war es soweit. Ralph Schatz, dem die Wohnungsbaugesellschaft RSS gehört und der mit seinem Bruder im elterlichen Architektur- und Planungsbüro, der Schatz-Gruppe, mitwirkt, hatte zur Grundsteinlegung geladen und half gut gelaunt und mit Bauhelm auf dem Kopf mit, die obligatorische Zeitkapsel mit Tageszeitung, Geldstück, Botschaft der Stadt und einem Schutzengel sicher im Mauervorsprung zu versenken.
Ein gutes Omen für die Menschen, die in den entstehenden 20 Eigentumswohnungen verteilt auf zwei Mehrfamilienhäuser ihr neues Zuhause finden werden. „Mit diesem Projekt schaffen wir wertbeständigen Wohnraum und verbinden modernes Wohnen mit nachhaltiger Architektur, die zur Stadtlandschaft passt“, sagt RSS-Wohnbau-Geschäftsführer, Ralph Schatz.
Mit der alten Villa Kunterbunt geht es nicht wirklich voran
Doch während bei dem Großbauprojekt alles nach Zeitplan zu laufen scheint – es gibt Kaufinteressenten und Mitarbeiterin Andrea Nies steht in den Startlöchern, den Vertrieb der Eigentumswohnungen zu betreuen –, geht es mit der alten Villa nicht wirklich voran. Dabei wären auch da dringend Zukunftspläne von Nöten. „Meiner Meinung nach verliert die Villa ja allein schon durch die Häuser, die jetzt drum herum entstehen, an Charme. Aber wenn sich doch noch jemand findet, der sie retten will, habe ich nichts dagegen“, sagt Ralph Schatz, der schon länger versucht, einen Liebhaber für die einstige Schmuckvilla zu finden. Seit 2019 ist der Schorndorfer Bauunternehmer Besitzer der Villa mit den Erkern, Türmchen, Bleiglasfenstern und dem Wintergarten nebst Pool.
Doch auch wenn die Aufzählung beeindruckend klingt, das Anwesen aus den Jahren 1933/34 scheint seine besten Zeiten hinter sich zu haben. Auf den ersten Blick herrlich anmutende Stilelemente weisen bei genauerem Hinschauen eklatante Fehler auf. „Bei den ganzen Umbauten hat man sich nicht viel gedacht.“ Beispiel gefällig? Die Bleiglasfenster mit den Jagdszenen im Treppenaufgang sind von Kunststoff statt Holz umrahmt und der Balkon wurde mit Glas zu einer Art Wintergarten überbaut.
Zuletzt wurde das Anwesen in einem Immobilienportal beworben
Auch drinnen herrsche ein wilder Mix. „Da wurden Decken und Treppen nachträglich eingezogen, manche Räume sind hoch und mit Parkett, andere gerade mal 2,10 Meter mit Teppich. Es wurde ohne Feingefühl viel kaputt renoviert“, sagt Ralph Schatz, der die Villa zuletzt in einem Immobilienportal zum Kauf anbot. Kaufpreis: 1,15 Millionen Euro für 13 Zimmer, verteilt auf 420 Quadratmeter Wohnfläche auf einem Grundstück mit 2745 Quadratmetern, wie in der Annonce zu lesen war.
Auf der einen Seite laufen die Bauarbeiten, auf der anderen Seite thront die alte Villa. Foto: Käser
Für den Architekten ist eigentlich klar: die Villa ist nicht zu retten. „Auf den ersten Blick mag das alles wunderbar aussehen, aber energetisch gesehen ist es eine Katastrophe“, sagt Schatz. Weil die Villa nicht unter Denkmalschutz steht und ihr Umbau ins Unermessliche gehen könnte, plante Schatz quasi von Anfang an, sie abzureißen. „Aber die Stadt bat mich, das Gebäude zu erhalten und dem Wunsch versuche ich nach wie vor nachzukommen“, sagt er.
Doch nun, wo auch das Inserat keinen Erfolg gebracht habe, ist für Schatz klar: „Wir müssen neu verhandeln mit der Stadt.“ Er hoffe auf konstruktive Gespräche, sagt der Bauunternehmer und gibt eine Anekdote preis. So sei die Villa anfangs aus Versehen kurz mit der Gesamtgrundstücksfläche inseriert worden, antatt mit der Variante, die abzüglich des Baugrundstücks noch zur Villa gehört. „Da drauf haben sich tatsächlich vier Leute gemeldet, weil das natürlich ein super Preis war mit den vielen Quadratmetern. Als das korrigiert war, hatte leider niemand mehr Interesse.“
Die Anforderungen sind auch nicht ohne: Gesucht wird ein Käufer, der sich in das Schorndorfer Anwesen verliebt und es wieder herrichten will. „Wenn man es richtig angeht, liegt man da nachher auf jeden Fall über dem Neubaupreis“, sagt der 54-jährige Noch-Villenbesitzer, der nicht wirklich einschätzen kann, ob sich so ein Käufer noch finden wird. Fest steht für den erfahrenen Bauunternehmer: Wer eine solche Immobilie kauft, sollte sich mit Altbau auskennen. „Wer das Ganze nicht realistisch einschätzt, der verkalkuliert sich“, sagt Ralph Schatz, der innerhalb der Schatz-Gruppe die RSS-Wohnbau neu gegründet hat .
Ralph Schatz hält die Zeitkapsel in den Händen. Wie es die Tradition will, wurde sie bei der Grundsteinlegung in der Weilerstraße in einem Mauervorsprung versenkt. Foto: Käser
Dortiges Credo: „Made im Ländle“. „Uns geht es um regionale Handwerker und eine gute Zusammenarbeit mit Experten und Fachleuten aus dem Remstal“, erklärt Ralph Schatz. Der Anspruch für die geplanten Eigentumswohnungen sei hoch, sagt der Bauunternehmer und nimmt in seiner Rede Bezug auf die Villa Kunterbunt. „Es ist heute unvorstellbar: Damals lebte eine Familie auf rund 8000 Quadratmetern. Jetzt stehen bald zwei Mehrfamilienhäuser mit einmal neun und einmal elf Wohnungen auf einem Teil der Grundstücksfläche.“
Ob sich jemand findet, der – wenn auch mit reduzierter Grundstücksfläche – in den alten Gemäuern leben und die Villa aus dem Dornröschenschlaf wach küssen will, wird sich – zeitnah – zeigen müssen. „Ich arbeite aktuell bei dem ganzen Bauvorhaben immer mit zwei Varianten: Einmal mit Villa und einmal ohne. Deshalb bin ich froh, wenn da bald Bewegung reinkommt und eine Entscheidung fällt“, sagt Ralph Schatz.