Irgend im Renninger Freibad: „Die schönste Bühne, die wir jemals hatten.“ Foto: Simon Granville
Club, Jugendhaus, Kulturzentrum, Arena – Freibad? Der Auftritt zwischen Liegestühlen und Schwimmbecken ruft bei Mitgliedern der Band Irgend Erinnerungen hervor.
Man spielt als Band ja an ganz unterschiedlichen Orten: in kleinen und nicht so kleinen Clubs, in Jugendhäusern, auf größeren Open-Air-Bühnen und – wenn es mit der Karriere besonders gut läuft – sogar in riesigen Arenen vor abertausenden Zuschauern. Dass sie aber mal in einem Freibad aufgetreten sind, das dürften nicht allzu viele Pop- oder Rock-Combos von sich behaupten können.
Eines kann die Band nun von ihrer Liste streichen
Die Stuttgarter Band mit dem kryptisch-skurrilen Namen Irgend kann das seit Kurzem von ihrer Liste streichen. Falls „Wir treten in einem Freibad auf“ denn jemals wirklich drauf stand.
Der Schauplatz für dieses ganz besondere Konzert war das Freibad in Renningen. Dort hatten Irgend das Vergnügen, mit ihrem Auftritt eine große, dreitägige Beach-Party einzuläuten. Und der Sound, den die Gruppe selbst als „New-Wave-Pop“ beschreibt, stieß zwischen Schwimmer- und Babybecken auf gute Resonanz beim Publikum – das Songs wie „Bla Bla Bla“, „Oje mein Ohr“ oder den wunderbar schrulligen „Internet Explorer“ mehr als nur goutierte.
Gesperrt: Das Schwimmerbecken im Renninger Freibad Foto: Simon Granville
Für das Quintett war es auf der Bühne also die Freibad-Premiere. „Und es ist egal, ob man da als Kind oder Jugendlicher oft war oder nicht“, holte Keyboarder Jan Georg Plavec nach dem Konzert etwas weiter aus. „Als Erwachsener denkt man bei Events in Freibädern immer daran, wie es früher einmal war.“ Er selbst kommt ursprünglich aus Tettnang. Und wer seine Jugend so nahe am Bodensee verbracht hat, weiß natürlich ganz genau, welches Flair die Kombination aus Wasser, Sommer und Teenager-Dasein hervorrufen kann.
Einer, der die Location und das Ambiente an diesem Abend besonders gefühlt hat, war Irgend-Schlagzeuger Christian Seyffert. Er ist in Renningen aufgewachsen, ging dort zur Schule – und natürlich auch ins Freibad. „Allein der Park hier drum herum ist großartig“, fasste er nach dem Auftritt zusammen. „Es gibt hier viele Erinnerungen für mich, manche sind wunderbar, manche sind furchtbar – wie eine Jugend eben so abläuft.“ Ein Freibad ist für ihn ein Treffpunkt für alle. „Im Freibad und in der Grundschule kommen alle zusammen.“
Cocktails, Liegestühle, Freibad-Pommes und natürlich Musik
Es passte in der Tat vieles an diesem Abend: die Cocktails, die Liegestühle vor der Bühne, die für viele unverzichtbaren Freibad-Pommes, tanzende und singende Menschen gefühlt jeden Alters, eine zufriedene Band... Da war es auch irgendwie zu verkraften, dass das große Schwimmerbecken aufgrund von Bakterienbefalls am Morgen hatte gesperrt werden müssen. Das hatte die Verantwortlichen den Tag über in einigermaßen große Aufregung versetzt – wenngleich die restlichen zwei Tage Beach-Party inklusive Rahmenprogramm trotz allem hatten stattfinden können. Nur eben ohne den Sprung ins kühle Nass.
Den hatte bei Irgend ohnehin eher kein Bandmitglied vor. Geht es doch vor allem um die Musik. „Der Auftritt war super, und von uns gibt es auch ein großes Lob an die Stadt Renningen, was die für uns hier getan hat“, meinte Jan Georg Plavec. Ein spezieller Dank ging dabei an Sandra Feigl, der Leiterin der städtischen Kulturabteilung, die bei der Organisation federführend war.
Am 1. Oktober kommt das Irgend-Debütalbum
Sängerin Gabi Fulir stellte während dem Gig ergriffen fest: „Das ist die schönste Bühne, die wir jemals hatten.“ Das lag vielleicht auch am Abendrot, das sich in diesen Minuten am Horizont hinter der Bühne zeigte. Auf diesen Effekt müssen Irgend bei ihrem nächsten Liveauftritt am 1. Oktober verzichten. Der findet im geschlossenen Konzertraum des Stuttgarter Merlin statt. Und es ist nach der Sommerpause gleich ein besonderer Anlass, stellt die Band doch ihr Debütalbum „In the Heat“ vor.
Manche Songs sind schon ziemlich alt
Die Band Irgend, das sind: Gabi Fulir (Gesang), Jan Georg Plavec (Keyboard, Gesang), Martin Schniz (Gitarre, Gesang), Christian Seyffert (Schlagzeug, Gesang), Sebastian Zeh (Bass)
Songs Die Band spielt zum einen Songs, die Gitarrist Martin Schniz in den 1980ern für seine damalige Band geschrieben und mit dieser performt hat. Andere Stücke wiederum sind neueren Datums und stammen aus der Feder von Keyboarder Jan Georg Plavec.
Internet (Explorer) Alles Wissenswerte über Irgend gibt es online auf https://irgend-band.de/.