Besser Essen in Herrenberg Wer hat’s erfunden? Auch außerhalb der Schweiz gibt’s tolle Rösti

Sie nennen sich „die jungen Hasen“: Die Geschwister Gerhard, Arnold und Margrit Nölly haben 2019 den Betrieb der Eltern in Herrenberg übernommen. Foto: Hotel Gasthof Hasen

Den Gasthof Hasen in Herrenberg gibt es seit über 400 Jahren. Heute ist es ein klassisch-schwäbischer Familienbetrieb mit Schweizer Einflüssen. Ein Besuch im Herzen des Gäus.

Leben: Susanne Hamann (sur)

In unserer Serie „Besser essen“ stellen wir die besten Restaurants in Baden-Württemberg vor. Wir essen in außergewöhnlichen Kneipen, bodenständigen Landgasthöfen und ausgezeichneten Sternerestaurants. Heute: der Gasthof Hasen in Herrenberg.

 

Das Lokal Ein Fachwerkhaus am Rande der Herrenberger Innenstadt, weiße Fassade, Butzenscheiben, Blumenkästen vor den Fenstern. Durch die Hotelhalle geht es in die Gaststube. Hier wurde behutsam renoviert. Man sitzt an modernen Holztischen auf Eckbänken. Statt Tischdecken gibt es Tischsets. Der Gasthof Hasen wurde 1620 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1983 ist er im Besitz der Familie von Barbara und Roland Nölly. Das schwäbisch-schweizerische Ehepaar – sie wurde 1956 geboren, er ein Jahr später –lernte sich an der Hotelfachschule in Lausanne kennen.

Der Koch Gerhard Nölly wuchs im Familienbetrieb auf. Der Vater kochte, die Mutter war für den Service zuständig. „Wir Kinder haben helfen dürfen“, sagt der heutige Küchenchef, der eigentlich Förster werden wollte. „Doch weil es da so wenig Stellen gab, habe ich mit für die Gastronomie entschieden“, sagt der Küchenmeister. Nach dem Abitur folgte die Ausbildung im Adler in Asperg, dann ging er ins Waldhotel Fletschhorn in Saas Fee in der Schweiz. Es folgten Stationen in Stuttgart – bei Benjamin Breitenbach im gleichnamigen Restaurant, in der Speisemeisterei bei Frank Oehler und in Schloss Loersfeld in Köln. 2019 haben drei der vier Nölly-Geschwister, die sich augenzwinkernd „die jungen Hasen“ nennen, den Laden übernommen. Margrit, Jahrgang 1985, leitet die Rezeption und das Housekeeping des angeschlossenen Hotels. Auf die Erstgeborene folgten 1987 Drillingsjungen, von denen einer – Gerhard – nun das Sagen in der Küche hat. Arnold, der zweite, betätigt sich als Sommelier. „Mein anderer Bruder hat etwas Gescheites gelernt“, sagt Gerhard Nölly lachend und erzählt, dass Philipp im Maschinenbau arbeitet.

Das Essen Regionale Spezialitäten, beliebte Klassiker der Schweizer Küche und ein bisschen von Fine Dining – die Mischung macht’s. Der Hasen wird fast ausschließlich von Erzeugern aus der Region beliefert. Obst, Gemüse und Kräuter kommen von Bauern in Holzgerlingen, Altdorf oder Bondorf. Das Fleisch stammt aus Oberjettingen, die Forellen aus Honau. Das Restaurant ist mit zwei von drei Löwen der Initiative „Schmeck den Süden“ ausgezeichnet. „Wir könnten auch den dritten Löwen bekommen, doch dann müssten wir auf bestimmte Produkte verzichten“, sagt Gerhard Nölly. Nie wieder Mango, Passionsfrucht oder Jakobsmuschel? Das möchte der kreative Geist nicht.

Zum Aperitif gibt es erfrischenden Traubenspritz (7,40 Euro) aus Traubensaft, Limettensaft, Ginger Ale, Sekt und Soda. Die Vorspeise ist sterneverdächtig: Ein Tatar aus gebeizter Lachsforelle, umringt von Frischkäse. Ein Radieschensorbet bringt scharfe Süße, gepickeltes Radieschen Säure und ein Rotkohlsud Farbe ins Spiel (17,30 Euro). Bei den Hauptgängen überzeugt das Züricher Geschnetzeltes (30,50 Euro) auf ganzer Linie – zartes Kalbfleisch, eine sämige Sauce mit frischen Pilzen, dazu knusprige Rösti. Außerhalb der Schweiz bekommt man so etwas selten in dieser Qualität. Da merkt man die eidgenössischen Wurzeln der Familie.

Die Pommes frites zum sehr zarten und auf den Punkt wunschgemäß medium gegrillten Rumpsteaks (31,50 Euro) sind allerdings zu hart. Perfekt glasig hingegen: der gebratene Zander in Beurre Blanc (29,60 Euro) mit knusprigem Speck, eingelegten Maiskölbchen und cremigem Maispüree. Die gebackenen Polentabällchen sind ein bisschen trocken. Zum süßen Ausklang gibt es eine Schokoladenmousse im Weckglas mit Himbeercoulis und Sahnetupfer (4,90 Euro).

Das Restaurant

Hotel Gasthof Hasen
Hasenplatz 6, 71083 Herrenberg, Telefon 0 70 32 / 20 40. Geöffnet von Montag bis Sonntag 18 Uhr bis 22 Uhr, Mittwoch bis Sonntag gibt es auch einen Mittagstisch von 11.45 Uhr bis 14.30 Uhr. www.hasen.de

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