Baumgräber sind beliebt. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat dafür den Waldfriedhof eingerichtet. Doch die Hinterbliebenen haben häufig Probleme mit dieser Bestattungsform.
Die Bestattungskultur wandelt sich – dennoch ist für viele Trauernde ein konkreter Ort wichtig. Das kann ein klassisches Erdgrab, eine Urnenwand, oder auch ein Baumgrab sein. Trauerorte sind Beziehungsorte, an dem sich der Tod und das Leben treffen. An dem sich die Hinterbliebenen ihren Liebsten nahe fühlen.
So wie Frau S.. Ihr Mann ist verstorben. Der Witwe ist es wichtig, das Grab ihres Mannes zu besuchen und ihm ab und an auch Blumen bringen zu können. „Ich möchte gelegentlich ein paar Schnittblumen ablegen, wie sie auch hier in der Natur vorkommen. Keine Gestecke oder ähnliches“, erzählt sie im Gespräch. Doch egal welche Blumen sie ihrem Liebsten bringe, tags drauf seien sie schon wieder weggeräumt. „Das macht mich sehr traurig“, sagt Frau S. und betont: „Ich möchte die Blumen ja auch wieder selbst entsorgen, sobald sie verwelkt sind.“
Baumgrab auf dem Waldfriedhof
Aber das ist nicht so einfach, denn ihr Mann ist in einem Baumgrab beerdigt. Und zwar auf dem Waldfriedhof Leinfelden-Echterdingen in einer Abteilung, die speziell für Baumgräber eingerichtet wurde. In einem Baumgrab beerdigt zu werden sei der Wunsch ihres sterbenden Mannes gewesen, erzählt Frau S. Ein Wunsch, den er ihr erst kurz vor seinem Ableben kundgetan hatte.
„Der Bruder meines Mannes wurde vor etwa zehn Jahren da beerdigt. Das hat ihn wohl inspiriert“, mutmaßt die Witwe, die dem Wunsch ihres Mannes entsprach – auch wenn sie selbst ihre Probleme damit hat. „Ich kenne die Friedhofsordnung. Und ich weiß, dass es da kaum Möglichkeiten gibt, das Grab zu gestalten. Aber es gibt doch auch die Trauerbedürfnisse der Hinterbliebenen“, sagt sie und in ihrer Stimme schwingt Verzweiflung mit.
Welche Bestattungsformen gibt es?
Es hat sich viel getan bei Bestattungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten. Nach wie vor gibt es die klassischen Erd- und Urnengräber, allerdings gibt es heute auch Urnengräber in Wänden, so genannten Kolumbarien, die vor allem aus südlicheren Ländern bekannt sind. Es gibt verschiedene Erdrasengräber und Gemeinschaftsgräber . Auch die Bestattungsbedürfnisse anderer Religionen als der christlichen Religion werden im Rahmen der Möglichkeiten berücksichtigt. Und es gibt eben die Bestattungsmöglichkeit im Wald.
Welche Nachteile haben Gräber in einem Friedwald?
Bestattung im Wald haben zunächst vor allem private Betreiber mit der Einrichtung von so genannten Friedwäldern angeboten. Das Besondere daran – eine Grabstätte mitten im Wald in der Natur – hat auch Nachteile. Denn die Orte selbst sind meist nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr erschlossen und die Zufahrten vor Ort sind dann Wald- oder Feldwege oder gar Schotterpisten. Vor allem für ältere Menschen sind Grabbesuche in einem Friedwald deshalb oft kaum möglich.
Deshalb bieten inzwischen auch immer mehr Kommunen eine gesonderte Abteilung für Baumgräber an in ihren städtischen Friedhöfen wie auch hier Leinfelden-Echterdingen mit dem Waldfriedhof. Die sind meist ganz gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen, auch die Wege zu den einzelnen Abteilungen sind gut begehbar – auch für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. „Baumgräber sind eine sehr gefragte, naturnahe und für Angehörige vollständig pflegefreie Grabart“, erklärt Thomas Krämer, Sprecher der Stadt: „Viele Menschen entscheiden sich bewusst für ein Baumgrab, um ihre Naturverbundenheit zum Ausdruck zu bringen. Ihnen ist besonders wichtig, dass der Wald in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt.“
Damit die Charakteristika der verschiedenen Bestattungsformen gewahrt bleiben, gibt es jedoch Regeln. Und für Baumgräber gilt: „Bepflanzungen, Pflanzschalen sowie das Ablegen von Blumen, persönlichen Erinnerungsstücken, Grablichter oder sonstigem Grabschmuck sind nicht gestattet“, so Krämer. Ausnahmen: „Nach einer Beisetzung dürfen Blumen und Kränze selbstverständlich bis zum Verwelken am Baum verbleiben. Auch zu den Gedenktagen im November oder an persönlichen Jahrestagen wird das Niederlegen von Schnittblumen toleriert“. Und es gibt eine Plakette mit dem Namen des Verstorbenen, seinem Geburts- und Todestag, die dauerhaft am jeweiligen Baumstamm angebracht werden kann. Bei anderen Bestattungsformen wie den Kolumbarien oder den Erdrasengräbern sei das Ablegen von Schnittblumen auf den dafür vorgesehenen Flächen hingegen erlaubt.
In Sachen Baumgrab praktiziert die Stadt Leinfelden-Echterdingen damit eine Regelung, wie sie schon seit längerem in den privat betriebenen Friedwäldern gehandhabt wird. Die haben keinen übergeordneten Dachverband, da die Friedwälder privat betrieben werden und damit auch kostenorientiert arbeiten müssen. Aber auch gerade deshalb ist ihnen an möglichst übersichtlichen Regularien gelegen.
Die individuelle Trauer der Hinterbliebenen
Jenseits der Regeln müssen Trauernde ihren Verlust verarbeiten. Vor allem in der Anfangsphase der Trauer ist es deshalb wichtig, möglichst viel am Grab zu sein. Und so bleibt es am Ende eine Sache des Fingerspitzengefühls und der Kulanz des Friedhofspersonals, wie das individuelle Trauerbedürfnis der Hinterbliebenen auch bei einer Bestattungsform wie dem Baumgrab respektiert werden kann.
Dafür sprach sich jüngst auch CDU-Gemeinderätin Claudia Zöllmer aus. Die Verwaltung des Waldfriedhofes solle Blumengeschenke nicht umgehend entfernen, mahnte sie in einer Ratssitzung. Wichtig sei jedoch, dass es bei einem Baumgrab keine traditionelle Grabpflege gebe, Blumen also nicht regelmäßig niedergelegt würden. Diese würden laut Statut bei einer erkennbaren Regelmäßigkeit dann entfernt.