Wenn Bello nicht mehr ist, ist die Trauer meist groß. Erste deutsche Kommunen gestatten nun gemeinsame Urnengräber von Mensch und Tier. Stuttgarts Tierfreunde müssen darauf verzichten. Das zuständige Sozialministerium sieht keinen Handlungsbedarf.

Stuttgart - Das Thema Tierliebe ist eines, das polarisiert. Wie weit darf es denn gehen, das Verhältnis zum Beispiel zwischen Mensch und Hund? Für die einen sind die bellenden Vierbeiner Nutztiere, die ein Haus bewachen oder eine erlegte Wildente apportieren sollen. Für viele andere sind ihre Hunde Familienmitglieder, für manche einsame Menschen oftmals sogar die einzigen. Entsprechend stark sind die emotionalen Bindungen. Das Tier wird manchmal gar für den besseren Mensch gehalten, weil es sich immer über einen freut, geduldig zuhört und die Beziehung auch nie hinterfragt – so lange es genug in den Napf gibt. Für viele Tierhalter ist deshalb der Tod des geliebten Vierbeiners nur schwer zu ertragen. Immer mehr weigern sich den toten Hausgenossen der Tierkörperverwertung zu überlassen, egal ob Hund, Katze, Meerschweinchen oder Hase. Tierkrematorien sind sehr gut beschäftigt, am Ende kommt der treue Freund dann in der Urne ins Haus zurück. Oder er wird auf einem Tierfriedhof bestattet.

 

Anbieter ist üperwältigt von der Nachfrage

Auch im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof gibt es eine Ruhefeld mit Erdbestattungen und Urnengräbern. Dort sind die Tiere unter sich. Aber das könnte sich ändern, eine neue Idee kommt über das Land – das gemeinsame Grab für Mensch und Tier. Dieser neue Trend der Begräbniskultur wird seit einigen Wochen bereits mit dem Segen der offiziellen Stellen in Essen und in Koblenz praktiziert. Auf zwei Friedhöfen des privaten Betreibers Deutsche Friedhofsgesellschaft sind diese gemeinsamen Bestattungen von Mensch und Tier nach klaren Regeln möglich. Die gemeinsamen Grabflächen „Unser Hafen“ liegen getrennt auf einem separaten Feld des Friedhofs. Die Gräber werden auf 20 Jahre vermietet, wer zuerst bestattet wird, ist unerheblich. Nicht möglich ist eine gemeinsame Trauerfeier oder eine gemeinsame Einäscherung, was aber auch kaum Relevanz hat, weil der gemeinsame Tod von Herr und Hund doch wohl eher selten sein dürfte.

Willi Brandt, der Sprecher der Deutschen Friedhofsgesellschaft, zeigt sich „überwältigt von der Resonanz“, die das neue Angebot nach wenigen Wochen hat. In Koblenz gäbe es auch bereits das erste gemeinsame Grab von Mensch und Tier. Laut Brandt wird der Regelfall wohl so aussehen, dass ein gestorbenes Haustier eingeäschert wird und eines Tages mit dem einstigen Herrchen oder Frauchen in ein Urnengrab kommt.

Polarisierendes Thema

Dass dies auch hier viele gerne hätten kann Thomas Steiger bestätigen. Der katholische Pfarrer hat das Thema in einem Beitrag der SWR-1-Reihe Anstöße im Radio aufgegriffen und danach mehr Post als gewöhnlich bekommen. „Die meisten fanden die Idee gut“, sagt Steiger, „nur einige lehnten selbst die Beschäftigung damit ab.“ Steiger hatte gesagt, dass es „eine schöne Vorstellung“ sei, mit seinem Hund Kuno begraben zu werden – aber es sei eben auch nur eine Vorstellung.

Auch Rolf Bohler bestätigt, dass der Wunsch nach diese Form der letzten Ruhe durchaus im Trend liegt. Der Betreiber des Stuttgarter Tierfriedhofs sagt: „Das ist ein sehr großes Thema bei meinen Kunden.“ Manche hätten auch schon seltsame Szenarien entwickelt, wie sie einst ins Grab ihres Tieres kommen könnten. „Einer will sich später im Ausland einäschern lassen und als Hund deklariert in der Urne zurückkommen, um hier ins Grab seines Tieres zu können“, erzählt Bohler, der solche Ideen öfter hört, aber kategorisch ablehnt.

Das Sozialministerium sieht keinen Diskussionsbedarf

Denn in Stuttgart ist ein gemeinsames Grab eben nicht möglich. Und das wird auch noch eine Zeit lang so bleiben. Aus dem Sozialministerium, das für das Bestattungsrecht im Land zuständig ist, kam auf Anfrage folgende Auskunft: „Eine gemeinsame Bestattung von Mensch und Haustier in Urnengräbern ist in Baden-Württemberg rechtlich nicht vorgesehen und wird zurzeit auch nicht diskutiert.“