Beste Destination in Europa Warschau leuchtet
Im internationalen Wettbewerb „European Best Destinations 2023“ hat Warschau soeben den ersten Platz belegt. In Polens Hauptstadt stehen die Zeichen mit Kunst, Kulinarik und Lebenslust auf Aufbruch.
Im internationalen Wettbewerb „European Best Destinations 2023“ hat Warschau soeben den ersten Platz belegt. In Polens Hauptstadt stehen die Zeichen mit Kunst, Kulinarik und Lebenslust auf Aufbruch.
Ein monströses Gebäude spaltet die Gemüter der Zwei-Millionen-Metropole. In diesen Tagen mehr denn je. Die einen lieben, die anderen hassen es. Kein Wunder, ist es doch ein Geschenk von Diktator Joseph Stalin an das einst so geschundene Land. Für Pawel Patejuk hat das umstrittene Haus mit seinen unglaublichen 3288 Räumen nur eine untergeordnete politische Symbolik. Wenn dem Chefkoch des NYX Hotel nach einem Perspektivwechsel zumute ist, legt er Schürze und Kochmütze ab und schlendert zum benachbarten Kulturpalast. „Bei meinen Eltern und Großeltern sieht das ganz anders aus. Verständlich“, erklärt der Familienvater mit 70-Stunden-Woche. „Die haben unter der sowjetischen Bevormundung im Ostblock gelitten und der Überfall der Russen auf Polen 1939 und die Einverleibung der Hälfte unseres Landes bleibt unvergessen.“
In Gegensatz zum Krieg in der Ukraine kennt Pawel dieses traurige Kapitel nur von Erzählungen und aus Geschichtsbüchern. Sein Polen heute steht für Aufbruch, ein enormes Wirtschaftswachstum, für positives Denken und Solidarität mit den Nachbarn. Von der Aussichtsplattform im 30. Stock des „Palastes der Kultur und Wissenschaft“, wie das Stalin-Monument offiziell heißt, schweift sein Blick über die neue Skyline der Metropole, die ihresgleichen sucht in Europa. Im internationalen Wettbewerb „European Best Destinations 2023“ hat Warschau soeben den ersten Platz belegt.
Direkt neben dem Hotel steht eines der höchsten Gebäude der Europäischen Union unmittelbar vor seiner Vollendung: Der Warschau Tower mit 310 Meter Höhe und 53 Stockwerken. Arbeiten, wohnen und speisen auf höchstem Niveau, werben die Investoren vollmundig. Ihr Konzept könnte aufgehen, die ersten Etagen sind bereits vermietet. Die polnische Wirtschaft ist vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen, erweist sich auch jetzt trotz aller Herausforderungen als robust.
Warschau ist in etlichen Bereichen weiter als viele andere Hauptstädte Europas. An jeder Ecke gibt es Veggie-Restaurants und vegane Imbisse – ohne jedoch moralistisch die heimische Hausmacherwurst zu verdammen. Oder komfortable Leihfahrräder. Gute, ausgebaute Radwege durchziehen die grüne Stadt mit ihren unzähligen Parks. Der öffentliche Nahverkehr ist preiswert, sauber und sicher.
Neben all dem Neuen wurde auch die Altbausubstanz restauriert oder originalgetreu nachgebaut. So öffnete das Hotel Verte der Autograf Collection neben dem prächtigen Nationaltheater und dem Königsweg seine Pforten. Acht Jahre dauerte die stilechte Renovierung der Gebäude Branicki und Szaniawski aus dem 18. Jahrhundert. Entstanden ist ein weiteres ikonografisches Schmuckstück im Herzen der Metropole. Ein paar Straßenzüge südlich vom Kulturpalast kommt Pariser Flair auf. Dort wetteifern Cafés mit trendigen Bars um die Gunst von Einheimischen und Besuchern.
Die meisten Urlauber zieht es in die touristisch aufgemotzte Altstadt, die wiederum genau deshalb von den meisten Warschauern nur recht sparsam frequentiert wird. Die schätzen eher die etwas angestaubten Antiquitätengeschäfte, die kleinen Tante-Emma-Läden, urigen Restaurants, die stylishen Boutiquen lokaler Designer und nicht zuletzt die noch bezahlbaren Ateliers in ihrem Kiez, den sie liebevoll „Midtown“ nennen.
Einer von ihnen ist der Maler Jacek Sosnowski. „Ein paar Jahre habe ich in Berlin gearbeitet und gelebt. Eine aufregende, kreative Stadt, die auf mich immer wie der große Bruder von Warschau wirkte“, resümiert Jacek. „Das Leben war auf die Dauer zu anstrengend dort, meine Lebenshaltungskosten fast doppelt so hoch wie hier in Warschau, die Aufträge jedoch überschaubar. Außerdem fehlte mir die Heimat. Ich spürte, dass ich zurück musste zu meinen Wurzeln.“
Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. In der aufstrebenden Metropole an der Weichsel waren seine Bilder gefragt, er kaufte eine Eigentumswohnung auf Kredit, gründete eine Familie und dann kam Corona. Eine soziale Absicherung wie in Deutschland gab es nicht, gerade die Selbstständigen mussten zusehen, wo sie blieben. Jacek hatte Glück. Sein Freund Pawel, der Chefkoch, erzählte ihm von der Ausschreibung vom NYX Hotel. „Gesucht wurde ein Kurator, der dem neuen Haus eine junge, frische Note verpasst. Ein unverwechselbares Corporate Design, das sich nahtlos in die Raumkonzepte des deutschen Hotel-Interieur-Designers Andreas Neudahm einfügen sollte“, erinnert sich der Künstler. „Ich setzte alles auf eine Karte und stellte ein freches Street-, Video- und Contemporary-Art-Konzept mit Werken von sieben befreundeten Warschauer Künstlern vor.“ Seine avantgardistische Vision überzeugte. Jacek bekam den Job.
Schon draußen vor dem Eingang zur Lobby ein trendig unangepasster Blickfang, der neugierig macht: Die Lichtsäule mit Vintage-Motiven von Mariusz Tarkawian in Schwarz-Weiß aus der Welt von Comic und Science-Fiction. Oder das überdimensionale Graffito im Schablonenstil von Mariusz Waras in der Lobby, das Einblicke in Warschaus teils reale, teils fiktive Straßenzüge gestattet.
Kunstwerke ganz anderer Art findet man im Neon-Museum Warschau in der Soho Factory auf der anderen Seite der Weichsel. Was der auf Bermuda geborene Brite David S. Hill und seine polnische Lebensgefährtin Ilona Karwinska auf die Beine gestellt haben, ist ein Muss in Warschau und einzigartig in Europa. In mühevoller Detektivarbeit haben sie Leuchtreklame aus dem gesamten ehemaligen Ostblock zusammengetragen und ausgestellt. 200 Exponate sind es mittlerweile, 200-mal Zeitgeschichte. Gestaltet wurden die Reklamen von den besten Grafikdesignern in den Arbeiter-und-Bauern-Staaten des real existierenden Sozialismus.
Wem nach all der Street-Art der Sinn nach Streetfood steht, ist auf dem Warschauer Nachtmarkt goldrichtig. Ein beliebter Treffpunkt der lebenslustigen Hauptstädter an jedem Wochenende. Dutzende Buden bieten Leckereien aus aller Welt an. Hier holt sich Chefkoch Pawel Patejuk Anregungen für neue raffinierte Kreationen im Hotel. Sein persönlicher Lieblingsstand ist und bleibt die heimische Wurstbude. Denn der Maître ist sich sicher: „Nichts geht über eine gute polnische Hausmacherwurst.“
Anreise
Mit dem Zug über Berlin nach Warschau, www.bahn.de. Unterkunft und Veranstalter
Stylishe Zimmer mit viel moderner Kunst und zuvorkommendem Service in absolut zentraler Lage bietet das brandneue NYX Warschau. 4 Sterne, DZ/F ab 55 Euro, www.nyx-hotels.com/warsaw.Soeben öffnete das Hotel Verte in ikonografischen historischen Gemäuern im Herzen der Metropole seine Pforten. DZ ab 168 Euro. www.marriott.de/hotels/travel/wawak-hotel-verte-warsaw-autograph-collection Die Höhepunkte Warschaus mit Altstadt, Königsschloss, Lazienki-Park, Wilanow-Palast mit privatem Guide, Transfer, Flügen, gehobenem Hotel, Mahlzeiten, Eintritt; 5 Tage ab 1490 Euro bei Geoplan, www.geoplan-reisen.de.
Aktivitäten
Wer bestes polnisches und internationales Streetfood von Peru bis Japan probieren möchte, ist auf dem Nocny Market genau richtig. Sehr angenehme Atmosphäre bei leckerem Essen, www.facebook.com/nocnymarket/. Im Neon-Museum Warschau haben David S. Hill und Ilona Karwinska mit viel Liebe und Engagement Leuchtreklame aus dem ehemaligen Ostblock zusammengetragen und restauriert. Überraschend bunte Zeitreise, www.neonmuzeum.org. Allgemeine Informationen
Polnisches Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel/de; Warschau Tourismus: https://warsawtour.pl/de