Bestrebungen im Kreis Ludwigsburg Zoohandel künftig ohne Reptilien

Von Franziska Meißner 

Exotische Tiere fürs heimische Wohnzimmer? Einige Zoofachmärkte geben den Verkauf von Reptilien auf. Dahinter steht die Einsicht, dass solche Tiere kaum artgerecht zu halten sind.

Das Halten  eines Chamäleons – hier ist ein Warzenchamäleon zu sehen –  erfordert viel Fachwissen. Foto: dpa
Das Halten eines Chamäleons – hier ist ein Warzenchamäleon zu sehen – erfordert viel Fachwissen. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg - Chamäleons, Bartagamen und Leguane sind hübsch anzusehen – aber sind sie im heimischen Wohnzimmer richtig aufgehoben? Einige Zoofachhandlungen sagen nun Nein und stellen den Verkauf von Reptilien mittelfristig ein. Der in Schwieberdingen ansässige Tierfachmarkt Kölle-Zoo will bis 2018 aus dem Verkauf aussteigen, auch die bayrische Garten-Center-Gruppe Dehner hat diesen Schritt angekündigt – jedoch ohne einen konkreten Zeitplan zu nennen. Der Marktführer Fressnapf und die Kette Das Futterhaus wollen den Handel zumindest einschränken und keine wild gefangenen Tiere mehr verkaufen.

„Es ist schwierig, diese Tiere artgerecht zu halten“, räumt die Kölle-Zoo-Sprecherin Maria Petkoudis ein. Daher wurden häufig Tiere an Tierheime abgegeben, die diesen zu schaffen machten, weil sie oft nicht auf die Exoten und ihre aufwendige Versorgung ausgerichtet sind. Christoph Bächtle vom Tierheim in Ludwigsburg berichtet von einem starken Zulauf an Reptilien in diesem Sommer. „Die Tiere sind einfach zu billig zu bekommen“, so Bächtle. „Da fällt vielen die Beschaffung und dann die Abgabe oder das Aussetzen leicht.“ Es sind Rückmeldungen wie diese, die Kölle-Zoo nach eigener Aussage zur Abkehr vom Reptilienhandel bewogen haben. Auch der Druck von Tierschutzorganisationen hat wohl dazu beigetragen. Mitarbeiter der Tierrechtsorganisation Peta haben bei Zulieferern für Heimtiermärkte in Baden-Württemberg recherchiert und massenhaft tote und verletzte Reptilien gefunden. Heimlich gemachte Aufnahmen zeigen, dass die Tiere dort in teilweise winzigen Plastikboxen bis unter die Decke gestapelt aufbewahrt werden – und das laut Peta häufig jahrelang.

Der Verkauf von Wildfängen soll verboten werden

Bis zu 800 000 Reptilien, schätzt das Statistische Bundesamt, werden pro Jahr nach Deutschland importiert. Viele davon sterben beim Transport; laut Peta gelten Verlustraten von bis zu 70 Prozent als üblich. Viele exotische Tiere dürfen legal nach Deutschland gebracht und hier verkauft werden. Die Bundesregierung möchte den Import wild gefangener Tiere verbieten; im Koalitionsvertrag ist das verankert. In Aussicht ist die Umsetzung jedoch ebenso wenig wie die des Plans, Börsen wie die Terraristika zu verbieten. Für die weltgrößte Reptilienbörse in Hamm laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, am 10. September werden dort wieder Hunderttausende Tiere den Besitzer wechseln. Die Großveranstaltung wird regelmäßig von Protesten von Tierschützern begleitet.

Neben Börsen und Zoofachmärkten ist das Internet eine wichtige Bezugsquelle, etwa das Portal Ebay-Kleinanzeigen. Schlangen, Leguane und Co. sind zudem über private Züchter erhältlich.

Der Trend zu exotischen Tieren wie Schlangen und Eidechsen im Wohnzimmer hält nach der Ansicht von Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten und dem Deutschen Tierschutzbund an. „Man möchte etwas Exotisches, Außergewöhnliches haben“, sagt Adeline Fischer von Pro Wildlife über die Faszination der Reptilien. „Es wird immer normaler, einen Gecko oder eine Schildkröte zu halten.“ Kölle-Zoo hingegen spricht von einem generell rückläufigen Markttrend. Dieser scheinbare Widerspruch mag damit zusammenhängen, dass viele Halter ihre Tiere nach der Einschätzung der Wildtierexpertin Fischer nicht in erster Linie von Zoofachmärkten beziehen, sondern eher über das Internet und Reptilienbörsen.

„Ein riesengroßer Stress“

Die Organisation sieht das Haltung von Exoten kritisch: „Es sind Wildtiere, für die es immer ein riesengroßer Stress ist, in der Nähe von Menschen zu leben“, sagt Fischer. Hinzu komme oft mangelnde Kenntnis der Bedürfnisse der Exoten, was zu Ernährungsfehlern oder falsch angebrachten UV-Lampen führe, an denen sich die Tiere verbrennen könnten.

Der Deutsche Tierschutzbund ist grundsätzlich gegen die private Haltung von Reptilien – weil die Tiere „nur in den seltensten Fällen“ artgerecht im Sinne des Tierschutzgesetzes gehalten werden könnten. Nicht nur die Anforderungen werden nach Ansicht der Dachorganisation der Tierschutzvereine und Tierheime unterschätzt, sondern auch die teils hohe Lebenserwartung und spätere Größe der Tiere. Ein Grüner Leguan etwa ist anfangs wenige Zentimeter, ausgewachsen aber bis zu zwei Meter groß.

Bestimmte Tiere, so sieht es Adeline Fischer von Pro Wildlife, könne man zuhause artgerecht halten – bei anderen aber sei es „unmöglich“, etwa Riesenschlangen. Pro Wildlife spricht sich ebenso wie der Tierschutzbund und Vier Pfoten für eine Positivliste nach dem Vorbild der Niederlande und Belgien aus, mit denen die Haltung bestimmter Tiere erlaubt wird. Die Tierrechtsorganisation Peta hingegen plädiert für ein grundlegendes Haltungsverbot – und rechnet damit, dass Reptilien mittelfristig aus allen Zoomärkten verschwinden.

Ein Kaiman in der umgebauten Garage

Im Gegensatz dazu ist der Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin der Ansicht, dass auch exotische Tiere artgerecht gehalten werden können – mit entsprechendem Wissen, Ausstattung und Platz. „Wer einen Babykaiman halten will, muss dann eben seine Garage umbauen“, sagt Kölpin, der selbst Schlangen hält.

Das größte Problem sieht Kölpin ebenso wie Adeline Fischer in Spontankäufen. Die, so sieht es Fischer, sind in Zoomärkten sehr viel wahrscheinlicher als beim Kauf beim Züchter. Die Gefahr, dass sich Interessenten ihre Tiere künftig illegal beschaffen, hält Fischer für gering – weil die Tiere auch anderswo legal erhältlich sind. „Illegale Beschaffungen sind eher was für Profis und oft mit hohen Kosten verbunden.“ Andere Heimtiere sind hingegen von den Überlegungen der Zoofachhandlungen nicht betroffen. Kölle-Zoo etwa bietet weiterhin Kleintiere wie Kaninchen und Hamster an. Nach einer Recherche von Peta über die Produktionsbedingungen von Heimtieren haben im vergangenen Jahr die Baumärkte Obi und Toom angekündigt, den Handel mit den Nagern zu beenden.




Veranstaltungen