Bestseller-Autor Wolfgang Hohlbein wird 65 Millionenauflage mit Fantasy

Von Ulrike Hofsähs 

Im Garten flattern Schmetterlinge, Katzen und Hunde streifen herum. Der Bestseller-Autor Wolfgang Hohlbein lebt mit Blick auf Felder in einem Reihenhaus. Er schreibt nachts und zählt zu den meistgedruckten Autoren Deutschlands.

Wolfgang Hohlbein schreibt  fleißig immer weiter – am liebsten aber nachts. Foto: dpa
Wolfgang Hohlbein schreibt fleißig immer weiter – am liebsten aber nachts. Foto: dpa

Neuss - Wolfgang Hohlbein schreibt seine Bestseller immer von Hand. Er sitzt an einem schwarzen Tischchen in seinem Wohnzimmer und füllt eine ledergebundene Kladde nach der anderen, Seite um Seite mit klarer, kleiner Schrift. Kein Wort ist durchgestrichen, nichts auf die Schnelle hingeschmiert. Auf diese Weise hat Hohlbein über 200 Bücher verfasst. Mit einer weltweiten Gesamtauflage von etwa 44 Millionen gilt der Mann, der am 15. August 2018 seinen 65. Geburtstag feiert, als einer der meistgedruckten deutschen Schriftsteller.

Man würde nicht vermuten, dass dieser freundliche Mensch gruselige Thriller schreibt, die empfindlichere Naturen nicht vor dem Zubettgehen lesen sollten. „Ich habe das Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben“, sagt der komplett schwarz gekleidete Hohlbein. Als Arbeit empfinde er das Schreiben nicht.

Ein Kaufmann zieht auf den Märchenmond

An seinem stillen Pult schreibt Hohlbein seit Jahrzehnten stetig ein Buch nach dem anderen: nicht nur Gruselgeschichten, sondern auch Kinder- und Jugendbücher, historische Krimis, Fantasy und Märchen. Mehrere Bücher hat er zusammen mit seiner Frau Heike (63) verfertigt. Schon der erste Roman des Paares, das Fantasy-Jugendbuch „Märchenmond“, wurde 1982 ein Bestseller. Damals gab es außer dem Schriftsteller Michael Ende kaum einen Deutschen, der in diesem Genre unterwegs war. Hohlbein, ein gelernter Industriekaufmann, hatte zuvor seinen ungeliebten Job mutig an den Nagel gehängt.

Die Hohlbeins sind Familienmenschen. Sie haben sechs erwachsene Kinder, genau so viele Enkelkinder. Fast alle wohnen Tür an Tür in einer Reihenhaus-Zeile am Rand von Neuss im Rheinland. Im Haushalt leben auch vier Hunde und zwei Katzen. Von hier aus, wo man auf Mais- und Kohlfelder blickt, bricht er auf zu Lesereisen und Fantasy-Treffen. Dorthin gehen die Hohlbeins auch mal kostümiert - er in einem mittelalterlichen Gehrock, Ehefrau Heike als Fantasy-Lady.

Demnächst wird seine Kinderbuchreihe „Die Wolf-Gäng“ in Hessen verfilmt. Darin geht es um Jugendliche mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, aber auch normalen Schwächen, etwa eine Fee mit Flugangst. Und natürlich arbeitet der Unermüdliche an einem neuen Buch. Worum es geht, verrät er nicht.

Der kleine Junge in ihm

Einer seiner letzten Thriller, das „Mörderhotel“, ist an einen historischen Fall aus dem Chicago des ausgehenden 19. Jahrhundert angelehnt. Es geht um ein Hotel mit Falltüren und Geheimgängen, in dem Menschen verschwinden und schreckliche Dinge passieren. Den „Hauptspaß“, sagt Hohlbein, habe er an Mittelaltergeschichten. „Das ist der kleine Junge in mir“, sagt er vergnügt.

Ändert sich nach dem 65. Geburtstag für ihn etwas? Eher nicht. In fünf Jahren, also nach dem 70., orakelt er, werde er es vielleicht etwas ruhiger angehen lassen. Einstweilen schreibt der Hobby-Motorradfahrer fleißig weiter und lebt nach seiner Fasson. „Ich nehme mir die Freiheit heraus, nicht erreichbar zu sein“, sagt er. Das Handy hat Hohlbein auf prepaid umgestellt. Er telefoniert so selten, dass zehn Euro alle sechs Monate reichen, berichtet er. Dass er trotz seiner auffälligen langen Haare auf der Straße meist nicht erkannt wird, stört ihn nicht: „So kann ich mit der Familie in die Eisdiele gehen.“




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