Haben Kunden sich ihren Baum ausgesucht, wird er frisch für sie geschlagen. Foto: Julian Rettig
An Ideen mangelt es Familie Kleinhanß in Alfdorf (Rems-Murr-Kreis) nicht – sie will den Kunden besondere Weihnachtsbäume bieten. Deshalb gibt es dort eine Messlatte, bunte Zettelchen, ein Freiluftkino und jede Menge Informationen.
Weihnachten steht vor der Tür, die Häuser sind geschmückt und in den kommenden Tagen halten wohl immer mehr Weihnachtsbäume Einzug in den Wohnungen. Was gilt es dabei zu beachten? Beim Vor-Ort-Termin der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) gibt es kein langes Überlegen. Die Anbieter sind sich sicher: Nachhaltigkeit stehe im Vordergrund, das Ziel ist der Baum der kurzen Wege, und man stellt sich weder einen Baum aus Plastik, noch einen, der einmal rund um die Welt gekarrt wurde, ins geschmückte Wohnzimmer.
Was ist nötig für einen Baum mit guter Ökobilanz – der Fachmann weiß es
Wie man es richtig macht und einen regionalen Baum mit guter Ökobilanz auswählt, und welche Sorgen und Nöte die heimischen Weihnachtsbaumproduzenten haben, lässt sich wohl am besten bei einem erfragen, der es wissen muss – und so standen Bernhard und Beate Kleinhanß vom gleichnamigen Weihnachtsbaumbetrieb in Alfdorf-Brech Rede und Antwort – inklusive Besichtigung ihrer Weihnachtsbaumkulturen und natürlich dem Schlagen eines Weihnachtsbaumes mit der Motorsäge.
Dabei wurde eines ziemlich schnell klar – ein paar Samen streuen und dann einfach nach ein paar Jahren den groß und schön gewachsenen Baum mit der Motorsäge fällen und aufs Autodach spannen, das funktioniert nicht. „Die Bäume brauchen mindestens sieben bis acht Jahre zum Wachsen und jede Menge Aufsicht. Dabei muss um die Pflänzchen herum der Rasen gepflegt und der Baum während des Wachstums immer wieder in Handarbeit gestutzt und in Form gebracht werden“, erklärt Bernhard Kleinhanß, der mittlerweile im Ruhestand im Familienbetrieb für die Pflanzungen und die Sorge um das Wohlergehen der Tannen – angepflanzt werden Nordmanntannen, Blaufichten, amerikanische Silbertannen und auf Versuchsebene Koreatannen – zuständig ist.
Die Arbeit in der Weihnachtsbaumkultur erdet den Nebenerwerbsanbieter
Aber auch schon, als er noch arbeiten ging und den Nebenerwerbsbetrieb quasi am Feierabend geführt hat, war der Anbau und die Pflege der Tannen seine Leidenschaft – und ein guter Ausgleich. „Das tat immer gut, und hat mich quasi geerdet. Schon als kleiner Junge wusste ich, dass ich das mal machen will“, sagt Bernhard Kleinhanß. Weil ihm der Tannenbaumanbau so viel bedeutet, möchte er auch seinen Kunden ein besonderes Erlebnis bieten, wenn sie sich zu seinem Familienbetrieb nach Alfdorf-Brech im Dreieck zwischen der Pfahlbronner Straße und der Landesstraße L 1154 aufmachen: „Durch diese Verkehrsanbindung sind wir rund um die Uhr unter Beobachtung“, sagt Kleinhanß und nimmt es mit Humor. „Die Leute sehen uns bei der Arbeit und fragen auch schon mal nach, was wir das so alles machen in der Christbaumkultur.“ Besonders die, welche die Strecke regelmäßig befahren, erlebten so die Weihnachtsbaumproduktion vom Pflanzensetzen bis zur Ernte im regelrechten Freiluftkino mit, sagt Kleinhanß und stapft tiefer hinein in den knapp 5000 Quadratmeter großen Tannenwald, worin die Kunden auf weichen Hackschnitzeln laufen und sich ihr regionales Bäumchen aussuchen können.
Fertig für den Abtransport nach Hause Foto: Julian Rettig
Doch bevor die Suche nach dem Weihnachtsbäumchen losgeht, bekommt man beim Familienbetrieb Kleinhanß einen langen Stab in die Hand gedrückt. Der dient als Messlatte und hat zur Orientierung den Preis der Tannenarten pro Meter draufgeschrieben. „Die Geschäfte laufen gut. Wer zu uns kommt, ist bereit, den Preis für die Frische zu zahlen. Aber wir wollen komplett transparent sein. Deshalb arbeiten wir mit den Messlatten. Zudem haben die Bäume farbige Banderolen, die die Qualität ausweisen.“
Bei Paaren würden oft die Frauen, bei Familien teils die Kinder die Entscheidung treffen. Dann kommt ein weißer Zettel an die Spitze des Bäumchens, und schon kann die Säge zum Einsatz kommen.
Manchmal wird auch ein kompletter Baum zu Hackschnitzeln. Bernhard Kleinhanß spricht dann von Charakterbäumen, die zu eigenwillig gewachsen sind, oder solchen, die einfach zu groß geworden sind. „Manchmal kommen die in der Kirche zur Geltung, oder die Gemeinde nutzt sie als Maibaum. Ansonsten werden sie zu unserem ganz besonderen Waldparkett verarbeitet“, erklärt Bernhard Kleinhanß. Apropos Gemeinde: Auch Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz war vor Ort und ziemlich begeistert: „Die Hälfte von Alfdorf ist Wald. Da passt der Betrieb hier vor Ort sehr gut rein. Und kurze Weg sind so wichtig bei einem Weihnachtsbaum.“
Regionaler Tannenbaum-Verkauf im Rems-Murr-Kreis
Weihnachtsbäume bei Familie Kleinhanß Reservierung und Verkauf noch jeweils am dritten und vierten Advents-Wochenende (Samstag und Sonntag) von 9.30 bis 16.30 Uhr an der Pfahlbronnerstraße in Alfdorf-Brech am Ortsausgang. Weitere Weihnachtsbaum-Lieferanten im Schwäbischen Wald sind auf der Homepage der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Rems-Murr über die Startseite oder direkt unter http://www.sdw-rems-murr.de/mein-wald/waldfunktionen/weihnachtsbäume/ zu finden. Hier gibt es auch Infos zur Pflege.
Überblick im Schwäbischen Wald Einen Überblick über die Weihnachtsbaumverkäufer der Forstbetriebsgemeinschaften Schwäbischer Wald finden Interessierte ebenfalls im Internet unter https://www.fbg-schwaebischer-wald.de/aktuell/marktplatz/ zu finden.