Besuch bei Ex-Wirtschaftsminister Herzog Im wilden Süden

Martin Herzogs Anwesen in Namibia Foto: Michael Schnurr
Martin Herzogs Anwesen in Namibia Foto: Michael Schnurr

Martin Herzog, der ehemalige Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, lebt auf einer Farm in Namibia. Ein Hausbesuch.

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Windhoek - Der Empfang entspricht namibischen Gepflogenheiten. Martin Herzog heißt seinen Gast am Tor zu der Sandpiste willkommen, die vom Khomas-Hochland in den Namib-Naukluft-Park am Rand der ältesten Trockenwüste führt, wo dieser Tage alle sehnsüchtig auf Regen warten. Hier verbringt der frühere Wirtschaftsminister Baden-Württembergs eine Hälfte seines Lebensabends.

Der Landrover schlängelt sich über einen schmalen Pfad, Herzog muss mehrfach anhalten, um Gatter zu öffnen und wieder zu schließen, stapft dabei durch die Hinterlassenschaften einer Herde Ziegen, die ihn aus einiger Entfernung anstieren. Schließlich passiert man ein flaches, von Kakteen umsäumtes Gebäude mit Wirtschaftsräumen und einem Nutzgarten, dann taucht nach einer Wegbiegung das Farmhaus auf. Es liegt auf einer Anhöhe und wird rückseitig von einem kleinen Turm geschmückt, an dem drei Fahnen aufgezogen sind: die deutsche, die namibische und die von Friedrichshafen.

Den Wohnraum dominiert eine Stereoanlage. Die braucht Martin Herzog für seine Opern: „Ich kaufe sie mir in Blu-ray-Qualität. Ich würde diese wunderbare Musik sonst zu sehr vermissen.“ An der Wand hängt ein mächtiges Geweih, daneben stehen ein elektrisches Klavier und ein Computer, der Herzog via Satellit mit der Welt verbindet. Hier studiert er frühmorgens die Online-Ausgabe seiner Heimatzeitung. Dann stimmt sich der 77-Jährige am Piano mit Werken der Klassiker ein, bevor seine zweite Frau Cornelia das Frühstück auf der Veranda serviert. So lässt sich’s leben.

Der Traum von der Farm

Martin Herzog ist erstmals als Vorsitzender des ZF-Aufsichtsrates nach Südafrika gekommen zu einer Zeit, als die westlichen Industriestaaten das Land wegen der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung mit einem Wirtschaftsboykott belegt hatten. ZF wollte dort ein Getriebewerk bauen, die Gewerkschaften legten sich quer. „Wir haben die Fabrik trotzdem gebaut“, sagt Herzog.

In der Zeit lernte er auch Namibia kennen. Ein Land, fast drei Mal so groß wie Deutschland, aber mit nur 2,1 Millionen Einwohnern. „Ich wusste gleich, dass ich hier hingehöre. Das ist wie der Blitz, der einschlägt, wenn man die Frau fürs Leben findet.“ 1994 machte er seinen Traum von einer Farm wahr. „Mein einziges Bauwerk, das ich vom ersten Spatenstich an begleitet habe. Es ist ein Geschenk, dass ich das hier machen konnte.“ Geschenkt bekam er es freilich nicht. Aber an finanziellen Mitteln herrscht kein großer Mangel. Er habe seinerzeit auch ein Haus am Bodensee gekauft. „Der Makler wollte mir eine Villa vermitteln, in der ich 500 Gäste bewirten konnte“, sagt er lachend, „die brauchte ich nun wirklich nicht.“

In der namibischen Ödnis kommt selten Besuch vorbei. „Langweilig wird einem hier aber nicht. Wenn man auf einer Farm lebt, ist man ein Teil von ihr“, sagt Herzog. Mit seinem Verwalter, einem deutschstämmigen Namibier, fahre er ständig über die Farm, um den Zustand der Zäune zu kontrollieren oder Ausschau nach Tieren zu halten. Martin Herzog ist Jäger – und das Antilopengeweih an der Wand seine Trophäe: „Es gab hier einen Bock mit nur einem Spieß am Kopf. Aber ich habe ihn nie erwischt. Dann stand er eines Tages plötzlich vor mir und schaute mir direkt in die Augen. Ich habe ihn mit einem Schuss erlegt“, erzählt Herzog. Als sein Farmverwalter ihm den Bock später brachte, hatte das Tier zwei Spieße. „Ein Mirakel!“ Vielleicht. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine der schönen Geschichten, die für die langen Farmabende am namibischen Lagerfeuer gemacht sind.

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