Besuch in einer Ludwigsburger Manufaktur Eine Küche nur für feine Seifen
Die Ludwigsburgerin Iris Kaiser stellt in ihrer Seifenmanufaktur duftende kleine Kunstwerke her, die fast zu schade sind, um sich damit zu waschen.
Die Ludwigsburgerin Iris Kaiser stellt in ihrer Seifenmanufaktur duftende kleine Kunstwerke her, die fast zu schade sind, um sich damit zu waschen.
Schon beim Betreten des Hauses im Ludwigsburger Stadtteil Pflugfelden fällt ein zarter Duft auf, der in der Luft hängt. Kein Vergleich allerdings zu dem, was man später im Keller einatmet. Während Iris Kaiser Lavendelseife herstellt, füllen derart intensive Duftwolken den Raum, dass man das Gefühl hat, mitten in einem Lavendelfeld in der Provence zu liegen. Für die perfekte Illusion fehlt eigentlich nur noch das Summen von Bienen und das Gefühl warmen Sonnenscheins auf der Haut.
Seit 2009 verkauft Iris Kaiser ihre verschiedenen selbst gemachten Seifen auf Märkten. Zuvor war es nur ein Hobby, aber „man probiert und macht und hat dann so viel im Keller, dass man es auch nicht mehr an Freunde und Bekannte verschenken kann“, erzählt sie. Der Schritt zur eigenen Seifenmanufaktur lag also nahe, war aber auch mit einigen Auflagen verbunden.
So muss sie die Seife in einem Extra-Raum herstellen und darf dafür nicht ihre normale Küche nutzen. Das Fenster braucht ein Fliegengitter, und auch eine Flüssigseife muss immer bereitstehen. Wenn sie eine neue Seife entwickelt, muss sie Seife und Rezeptur mit genauer Angabe der jeweiligen Charge erst einmal in ein Labor schicken. Die Rezepturen werden in die Datenbank der EU-Kommission eingetragen. Erst dann darf sie ihre Seifen auch verkaufen.
Doch wie funktioniert das nun mit der selbst gemachten Seife? Die gelernte pharmazeutisch-technische Angestellte (PTA) beginnt mit der Herstellung der Natronlauge. Dazu rüstet sie sich mit Schutzbrille und Schutzhandschuhen aus, denn die Lauge ist ätzend: „Für die Haut ist sie schlimmer als Säure, weil sie tiefer eindringt“, erklärt die Expertin. Auch Metalle würden durch Lauge angegriffen, sagt sie. Deshalb nimmt sie für die Seifenherstellung nur Gefäße aus Kunststoff, Glas oder emaillierte Töpfe. Darin mischt sie Natriumhydroxid mit einer Flüssigkeit, in der Regel mit Wasser, man könne aber auch Milch, Wein oder Tee nehmen, erklärt Kaiser. Wenn sich das feste Natriumhydroxid in der Flüssigkeit löst und zur Natronlauge wird, entsteht Wärme. „Das sind so 80 bis 90 Grad Celsius“, sagt die Frau, die sich schon in der Schule für Chemie begeistert hat.
Das Ganze muss dann erst einmal abkühlen. Denn anders als früher, wo Seife grundsätzlich gekocht wurde, haben bei ihr alle Zutaten Zimmertemperatur. Und sie sind auch deutlich feiner. Statt Rindertalg und Asche, aus denen man einst Seife gesiedet hat, kommen in ihre Seifen verschiedene hochwertige Fette. Flüssige wie Raps-, Oliven- oder Rizinusöl, aber auch feste wie Kokosöl oder Sheabutter, die geschmolzen werden. Je nach Fett braucht man andere Mengen an Lauge oder Lösung, denn „nicht jedes Fett hat dieselbe Verseifungszahl“, erklärt Iris Kaiser. Da gilt es zu rechnen, wenn man es sich nicht einfach machen möchte und einfach auf ein fertiges Rezept zurückgreift.
Um die flüssigen Fette, die Lauge und destilliertes Wasser miteinander zu verrühren, nutzt Iris Kaiser einen herkömmlichen Küchenmixer. „Die Messer sind zwar auch aus Metall, aber der Kontakt ist so kurz, dass das nichts ausmacht“, erklärt sie. Das Fett wird dabei nicht komplett umgesetzt, was gewünscht ist. Denn das gibt später beim Waschen einen rückfettenden Effekt beim Waschen – das heißt, die Haut trocknet nicht so stark aus.
Wenn der sich bildende Schaum verschwunden ist, geht es weiter. Lavendelöl, getrocknete Lavendelblüten, die der fertigen Seife einen leichten Peeling-Effekt verleihen, und lila Farbstoff wandern nacheinander in den Topf und werden mit dem Rührlöffel gut vermischt. „Wenn es die Konsistenz von Dickmilch hat, ist es richtig“, sagt Kaiser.
Jetzt wird der sogenannte Seifenleim in hübsche Silikonbackformen gefüllt. Mit dem Teigschaber werden Überschüsse verteilt, dann kommt noch Frischhaltefolie drauf. „Sonst bildet sich oben eine weiße Schicht, die sogenannte Soda-Asche“, erklärt sie. Das sei zwar nicht schlimm, sehe aber einfach nicht schön aus. Und dann heißt es warten.
Normalerweise ist die Seife nach 24 Stunden einigermaßen fest und wandert dann in den Gefrierschrank, damit man sie leichter aus den Formen lösen kann. Gleich verwenden sollte man sie aber noch nicht – aus zwei Gründen. „Frische selbst gemachte Seifen haben nie einen pH-Wert unter 8, was zu Hautreizungen führen kann“, warnt Kaiser. Deshalb müssten sie mindestens sechs Wochen lang liegen. Wenn die Seife trockener werde, sinke auch der pH-Wert. Der zweite Grund: Die Seife hält länger, wenn sie gut abgetrocknet ist. „Sonst ist sie zu weich.“ Reine Olivenöl-Seifen seien sogar erst nach einem Jahr richtig gut.