Besuch von KZ-Gedenkstätten Diese Pflicht braucht es in deutschen Schulen

Die deutsche Erinnerungskultur steht in diesen Tagen vor vielen Herausforderungen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Der Besuch von KZ-Gedenkstätten sollte auf allen Lehrplänen stehen, fordert die Bundesbildungsministerin. Der Vorschlag ist richtig – gerade jetzt, findet Rebekka Wiese.

Berliner Büro: Rebekka Wiese (rew)

Es gibt zwei wichtige Sätze, die der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer regelmäßig wiederholte, wenn er vor deutschen Jugendlichen stand. „Ihr seid nicht für das verantwortlich, was geschah“, sagte Mannheimer ihnen. „Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

 

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat nun gefordert, dass der Besuch von KZ-Gedenkstätten verpflichtend auf den Lehrplänen deutscher Schulen stehen sollte. Die Zuständigkeit dafür liegt bei den Kultusministerien der Länder. Sie sollten sich den Vorschlag der Bundesministerin zu Herzen nehmen und ihm folgen.

Gut eingebettet im Unterricht

Prien, die selbst jüdische Vorfahren hat, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, weist zurecht darauf hin, dass ein solcher Besuch natürlich gut in den Unterricht eingebettet sein muss. Es ist entscheidend, die Erfahrung gut vor- und nachzubereiten.

Das ist in diesen Tagen besonders wichtig, weil die deutsche Erinnerungskultur vor etlichen Herausforderungen steht. Der Rechtsruck – auch und gerade unter Jugendlichen – gehört dazu, ebenso der Antisemitismus, der durch den Nahostkonflikt verstärkt um sich greift. Hinzu kommt: Die letzten Holocaust-Überlebenden, die lange geholfen haben, die Erinnerung lebendig zu erhalten, werden bald verstorben sein.

Neue Antworten in der Einwanderungsgesellschaft

Auch in der Einwanderungsgesellschaft muss Erinnerungskultur neue Antworten finden. Lange ergab sich ihre Bedeutung für viele Schüler aus der eigenen Familiengeschichte. Das ist inzwischen anders. Wer heute in einer deutschen Klasse sitzt, hat oft Vorfahren, die den Nationalsozialismus nie erlebt haben – weil sie etwa aus Syrien oder der Türkei stammen.

Doch all diese Entwicklungen ändern nichts an der Verantwortung, die schon Mannheimer beschrieben hat. Sie betrifft jeden, der hier aufwächst und lebt – heute und künftig. Das zu vermitteln, ist auch Aufgabe der Schule. Der Besuch von KZ-Gedenkstätten gehört deshalb auf den Lehrplan.

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