Besucherlimits fallen Spaniens Rückkehr in die Normalität

Umarmungen ohne Maske – lang ersehnt von den Spaniern. Foto: dpa/Cézaro De Luca

Madrid hebt fast alle Corona-Schranken auf. Über 77 Prozent aller Spanier sind geimpft.

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)

Madrid - Im Kino oder im Theater bleibt jeder dritte Platz leer: Das ist eines der wenigen Dinge, die einen in Madrid zurzeit noch an die Corona-Epidemie erinnern. Ab Montag gilt selbst das nicht mehr. An diesem Tag fallen fast alle Covid-Schranken. Bei öffentlichen Veranstaltungen wird es keine Besucherlimits mehr geben, auch in Kneipen oder Restaurants nicht. Man darf sich sogar wieder an die Theke setzen, nur der (sehr beliebte) Konsum im Stehen bleibt weiter untersagt. Die Madrider werden damit leben können. Was ansonsten bleibt, ist die Maskenpflicht in Innenräumen. Draußen muss sie schon lange nicht mehr getragen werden, man sieht sie aber trotzdem noch oft auf der Straße. Viele Spanier haben sich an die Vorsicht gewöhnt.

 

In Spanien schlug die Pandemie gleich zu Beginn, im Frühjahr letzten Jahres, mit großer Härte zu. Die Bilder der Kranken auf den Hospitalfluren, auf ein paar Laken liegend, weil es keine Betten mehr gab, haben sich den Menschen eingebrannt. Doch keine der folgenden Wellen war annähernd so brutal wie die erste. Zurzeit läuft gerade die fünfte Welle aus, mit vielen Infizierten und vergleichsweise wenigen Toten. Das Virus ist noch da, aber es hat seinen Schrecken verloren. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf verträgliche 26 gefallen; die Krankenhausbetten sind noch zu zwei Prozent mit Covid-Patienten belegt.

Spanien ist beim Impfen weit vorne

Um der Pandemie zu begegnen, haben die Spanier ziemlich treu die Regeln der Gesundheitsbehörden befolgt, und sie haben sich impfen lassen. Zurzeit sind über 77 Prozent aller Spanier komplett geimpft, mehr als 79 Prozent mindestens einmal. Nach den Portugiesen mit einer Impfquote von 84 Prozent sind die Spanier die impffreudigsten Europäer – die Deutschen liegen mit 64 Prozent im Mittelfeld. Die spanische Gesundheitsministerin Carolina Darias nennt die Iberische Halbinsel „die Lokomotive der europäischen Impfkampagne“.

Impfgegner gibt es in Spanien wenige. Umfragen zum Thema nennen vier Prozent aus. Aber es bleiben die Impfmuffel, die hauptsächlich aus Bequemlichkeit nicht den Weg ins nächste Impfzentrum finden. Nach Altersgruppen sind es vornehmlich die 30- bis 39-Jährigen, von denen besonders viele (etwa ein Viertel) keine Lust oder keine Zeit zum Impfen haben. Die ganz Jungen dagegen, die Zwölf- bis 20-Jährigen, die als vorerst Letzte an die Reihe kamen, haben in kurzer Zeit die Nächstälteren überholt: 83 Prozent von ihnen sind schon einmal geimpft.

Die Jugend ist also nicht grundsätzlich verantwortungsloser als die mittlere Generation. Viele der Jungen sind allerdings sorgloser – und voller Lust, das Leben endlich wieder in vollen Zügen zu genießen. In Barcelona und in Madrid haben sich an den vergangenen Wochenenden Zehntausende zum Macrobotellón versammelt, zum großen gemeinsamen Besäufnis. Es waren zu viele, als dass die Polizei sie hätte zerstreuen können. Die Beamten griffen nur dort ein, wo Leute Randale machten. Spanien kehrt in die Normalität zurück. Dass es auf dem Weg dahin etwas rumpeln würde, war zu erwarten.

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