Besucherzentrum Nationalpark Schwarzwald Neues Ausflugsziel: Besucher erst ab 2021

Das Nationalparkzentrum besteht aus acht über- und nebeneinander liegenden Riegeln. Foto: Atelier Dirk Altenkirch

An diesem Freitag findet ein virtueller Festakt statt – Besucher können die Ausstellung im neuen Zentrum im Schwarzwald vermutlich erst ab März sehen. Im Vorfeld kritisierte die SPD, dass ausschließlich grüne Minister eingeladen seien.

Baiersbronn-Ruhestein - In ungewöhnlicher Art und Weise wird an diesem Freitagnachmittag das Besucherzentrum des Nationalparks Schwarzwald am Ruhestein, direkt an der Schwarzwaldhochstraße, eröffnet: Nur rund 30 Personen sind tatsächlich vor Ort, alle anderen können lediglich per Livestream die Ansprache des Ministerpräsidenten, zwei Kurzfilme und zwei Gesprächsrunden verfolgen. Immerhin ist es dadurch möglich, dass jeder interessierte Bürger dabei sein darf – einen wirklichen Eindruck des Prestigeprojekts kann man sich online aber nicht verschaffen. Und das wird vorerst auch so bleiben: Frühestens im März 2021 soll das Besucherzentrum für alle geöffnet sein; und dieser Zeitplan war noch vor dem Hochschnellen der Coronazahlen gemacht worden.

 

Das Gebäude des Besucherzentrums besteht aus mehreren bis zu 60 Meter langen Riegeln, die entfernt an umgefallene Baumstämme erinnern, die neben- und übereinander zum Liegen gekommen sind. Ersonnen und erschaffen wurde das Zentrum von einem Planerteam unter Leitung der Architekten Sturm und Wartzeck aus Dipperz bei Fulda. Es kostete 35,5 Millionen Euro und damit 40 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Da im Umfeld auch die Verkehrssituation verbessert wurde und auch die Verwaltung des Nationalparks von der gegenüberliegenden Villa Klumpp umzieht, sind insgesamt sogar mehr als 50 Millionen Euro investiert worden.

Dauerstellung umfasst 1000 Quadratmeter

Spektakulärer Höhepunkt des Zentrums ist der Skywalk, eine Aussichtsplattform im Freien, von der aus man direkt über die Schwarzwaldgipfel schauen kann. Im Inneren gibt es ein Kino und ein Café; Dreh- und Angelpunkt ist aber die 1000 Quadratmeter große Ausstellung. „In den Wald eintauchen“: Dies war und ist für Ausstellungsmacher Friedo Meger das Motto für seinen Gestaltungsentwurf. Dahinter verbirgt sich die Idee, anhand des mehrere Jahrhunderte währenden Lebenszyklus‘ einer Tanne, den Besuchern den Lebensraum Wald näherzubringen. Während der größte der Ausstellungsbereiche – im Bauriegel A – von der toten Tanne und dem daraus resultierenden Leben dominiert wird, beschäftigt sich ein zweiter Bereich mit den „Störungen“, die einen Wald verändern – so zum Beispiel Stürme. Im Bauriegel C geht es unter die Erde: die verbleibenden 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche handeln von den Lebewesen unter der Erde und auch von den oft unbekannten Lebensgemeinschaften zwischen Bäumen und Pilzen. „Die Ausstellung soll Lust machen, rauszugehen und einzutauchen in den Wald“, sagt Friedo Meger.

Ein wenig Ärger hatte es während der Bauzeit gegeben, nicht nur wegen der stark gestiegenen Kosten, sondern etwa auch, weil acht Prozent der Schindeln am Gebäude aus Zedern bestehen, die in Alaska wuchsen. Jetzt ärgerte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhard Gall, weil zur Eröffnung ausschließlich grüne Minister eingeladen wurden, vier an der Zahl, aber weder Tourismusminister Guido Wolf noch Forstminister Peter Hauk (beide CDU): „Solch ein Termin ist kein Wahlkampfevent“, polterte Gall. Steffen Baumann vom zuständigen Finanzministerium rechtfertigte die Auswahl – es würden immer nur die jeweils beteiligten Minister eingeladen. Dazu gehöre wegen der Neuordnung des Kreuzungsbereichs am Ruhestein auch der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann.

Mehrere geplante touristische Höhepunkte bleiben ungebaut

In das Nationalparkzentrum setzt man in der Region größte touristische Hoffnungen. Denn zuletzt sind mehrere Leuchtturmprojekte weggebrochen, zunächst der Weißtannenturm an der Alexanderschanze, dann die Anima-Tierwelt am Breitenbrunnen bei Sasbachwalden. Die geplante Perlenkette an touristischen Höhepunkten an der Schwarzwaldhochstraße ist deshalb erst einmal in weite Ferne gerückt. Im Besucherzentrum des Nationalparks rechnet man, wenn sich die Zeiten irgendwann normalisiert haben, mit 100 000 Besuchern im Jahr.

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