Beteiligung an Kamaz Mercedes, Daimler Truck und der russische Restposten

Ein Fahrzeug aus der gemeinsamen Produktion von Kamaz und Daimler Truck. Die Zusammenarbeit wurde wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine eingestellt. Foto: Daimler Truck AG/Daimler Trucks and Buses Communi

Ein 15-Prozent-Anteil am russischen Kamaz-Konzern, der ursprünglich an Daimler Truck gehen sollte, steht weiter in den Büchern von Mercedes-Benz. Was sagen die schwäbischen Unternehmen zu der kritisch beobachteten Verflechtung in Putins Reich?

Das Russlandgeschäft ist gekappt, aber ein Restposten der alten Verbindungen beschäftigt weiter die schwäbischen Fahrzeughersteller Mercedes-Benz und Daimler Truck. Trotz erklärter Verkaufsabsicht zeichnet sich keine Lösung für die 15-Prozent-Beteiligung am russischen Lkw-Hersteller Kamaz ab, der wegen seiner Lieferungen an Putins Armee als besonders kritisch betrachtet wird.

 

Kurioserweise ist es der Pkw-und Vans-Konzern Mercedes-Benz, der die Lastwagenbeteiligung in seinen Büchern führt, und nicht der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck. Eigentlich sollten die Kamaz-Anteile nach der Abspaltung im Dezember 2021 an das Lastwagenunternehmen mit Sitz in Leinfelden übergehen. Mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine im Februar und den vom Westen daraufhin verhängten Sanktionen wurde dieser Plan jedoch Makulatur. „Die 15-prozentige Beteiligung an Kamaz liegt weiterhin aus juristischen Gründen bei der Mercedes-Benz Group AG“, erklärt ein Sprecher von Daimler Truck. Und er ergänzt: „Ein Übertrag ist in der gegenwärtigen Situation nicht möglich, und es ist nicht absehbar, wie es hier weitergeht.“

Die Trennung vom Russlandgeschäft mit Pkw ist besiegelt

Für Mercedes-Benz, das sich als Rechtsnachfolger der früheren Daimler AG nun um die Angelegenheit kümmern muss, kann die Situation nicht angenehm sein. Als vor Kurzem glänzende Gewinnzahlen fürs dritte Quartal verkündet wurden, gehörte auch die Abwicklung der russischen Beteiligungen zu den Erfolgsmeldungen. Vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen habe man die russischen Mercedes-Geschäfte an den lokalen Autohändler Avtodom abstoßen können, hieß es. Das Kamaz-Problem aber bleibt ungelöst. Entsprechend zurückhaltend wird die Lage kommentiert: „In der jetzigen Situation prüfen wir diesbezüglich kontinuierlich unsere Handlungsoptionen“, lautet die Stellungnahme des Konzerns.

Wegen der russischen Kriegspolitik ist die Beteiligung offenkundig nicht haltbar. Unerfreulich sind die Optionen aus ökonomischer Sicht trotzdem, sei es ein Verkauf weit unter Wert oder etwa der Abfluss von Produktions-Know-how an einen Käufer beziehungsweise Konkurrenten aus dem asiatischen Raum. Letztlich liegt es im gemeinsamen Interesse der Beteiligten, die Sache zu bereinigen, denn Mercedes-Benz hält 30 Prozent an Daimler Truck. Der Lkw-Hersteller hat schon im Frühjahr ein Joint Venture mit Kamaz auf Eis gelegt und Forderungen aus dem Russlandgeschäft abgeschrieben. Die Bilanz wird dadurch mit 187 Millionen Euro belastet. Der Effekt auf das laufende Geschäft ist jedoch überschaubar.

Insgesamt laufen die Geschäfte von Daimler Truck gut. Vor allem die Erfolge der Lkw-Marke Mercedes-Benz in Europa und Nordamerika führten dazu, dass die Gewinnerwartung fürs Gesamtjahr schon vor zwei Wochen per Ad-hoc-Börsenmeldung nach oben gesetzt wurde. Schon da teilte Daimler Truck mit, dass im dritten Quartal das bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern um 159 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro gestiegen ist. Die Umsatzrendite im Fahrzeuggeschäft lag bei 9,4 Prozent (Vorjahr: 5,4). Begünstigt wurde das Ergebnis auch durch vorteilhafte Wechselkurse und Preiserhöhungen, die am Markt durchgesetzt werden konnten.

Die Truck-Geschäfte laufen besser als erwartet

„Daimler Truck ist auf einem guten Weg, sein erstes Geschäftsjahr als eigenständiges Unternehmen auch zu einem Erfolgsjahr zu machen“, sagte Finanzvorstand Jochen Goetz bei der Präsentation des Zwischenberichts nach dem dritten Quartal. Es gehe im Jahresendspurt nun „vor allem darum, möglichst viele bestellte Fahrzeuge an unsere Kunden auszuliefern“.

Die anhaltend hohe Nachfrage stimmt den Finanzchef zuversichtlich, auch wenn Lieferkettenprobleme und hohe Energie- und Rohstoffpreise das Geschäft erschweren. Der Ausblick sei von einem „außergewöhnlichen Maß an Unsicherheit“ geprägt, es hänge stark von der Entwicklung des Russland-Ukraine-Krieges und dessen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ab sowie von der Entwicklung der Inflation und Zinserhöhungen der Zentralbanken.

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