Betreute Wohnungen in Stuttgart Senioren können aktuell keinen Notruf absetzen

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Die Telekom-Anschlüsse im Haus Rohrer Höhe, einer betreuten Wohnanlage in Stuttgart, sind kaputt.Für die Geschäftsführerin ist das vor allem ein Sicherheitsproblem.

Der Hausnotruf gibt alten Menschen und ihren Angehörigen Sicherheit. Foto: dpa
Der Hausnotruf gibt alten Menschen und ihren Angehörigen Sicherheit. Foto: dpa

Rohr - Es ist ein ungutes Gefühl. Seit mehr als einer Woche geht ein Teil der Telefone im Haus Rohrer Höhe nicht mehr. Betroffen sind die Kunden der Telekom, also etwa 30 der rund 80 Menschen in der Wohnanlage. Die Anschlüsse seien seit Montagnachmittag, 27. Mai, kaputt, sagt Sabine Bergmann. Die Geschäftsführerin des Eigenbetriebs Leben und Wohnen ergänzt: „Meine Kollegen vor Ort arbeiten mit Hochdruck an dem Problem.“ Doch der Eigenbetrieb wird von der Telekom nicht bevorzugt, sondern genauso behandelt wie jeder normale Kunde. Das heißt: „Wir erreichen nur die Hotline.“ Und dann dauere es, bis man den richtigen Ansprechpartner an der Strippe habe.

„Es ist eine unangenehme Situation“, sagt Bergmann. Natürlich hätten die meisten Bewohner im Haus Rohrer Höhe ein Handy, mit dem sie telefonieren könnten. Doch der Hausnotruf funktioniere eben nur mit dem Festnetzanschluss. Das bedeutet, dass die alten Menschen aktuell keinen Notruf absetzen können. Tagsüber sei das für die Bewohner und die Mitarbeiter des Eigenbetriebs erträglich. „Wir sind sowieso vor Ort. Die Mitarbeiter gehen bei den betroffenen Bewohnern einfach persönlich vorbei und schauen, ob alles in Ordnung ist“, sagt Bergmann. Das sei zwar ein deutlicher Mehraufwand, der aber vorübergehend personell gestemmt werden könne. Doch abends und in der Nacht sei die Situation eine andere. Dann sei eben normalerweise niemand da. Denn das Haus Rohrer Höhe ist kein klassisches Pflegezentrum, in dem rund um die Uhr Fachkräfte vor Ort sind. Es ist eine Anlage mit betreuten Wohnungen. Die Menschen dort sind größtenteils noch fit, genießen aber die Sicherheit, die zum Beispiel ein Hausnotruf bietet.

Heimbeirat kritisiert die „Untätigkeit“ der Telekom

Dieser Hausnotruf ist auch der Grund dafür, dass sich der Eigenbetrieb überhaupt in die Sache einmischt. Denn eigentlich sind die Telefonanschlüsse die Privatangelegenheit der Bewohner. Aber in diesem Fall könne man nicht untätig bleiben, sagt Bergmann. Ob der Eigenbetrieb von der Telekom Schadenersatz verlange, weiß die Geschäftsführerin noch nicht. „Wir haben noch nie so eine Situation gehabt“, sagt sie. Im Zweifelsfall müsse das im Nachhinein juristisch geklärt werden.

Viel wichtiger sei aktuell ohnehin die Frage, wann die Telefone wieder funktionieren. Die Telekom teilt dazu auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass am Dienstag, also heute, ein Techniker vor Ort nach der Ursache für die Störung schauen werde. Sollte sich die Behebung des Schadens noch länger hinziehen, dann möchte Bergmann darauf dringen, dass die betroffenen Bewohner ein Mobiltelefon bekommen, auf das der Hausnotruf aufgeschaltet werden kann.

Der Heimbeirat kritisiert die „Untätigkeit“ der Telekom. Dies sei sowohl für die älteren Bewohner als auch für die Mitarbeiter unzumutbar. Trotz intensiver Bemühungen der Heimleitung habe das Kommunikationsunternehmen mehrere Tage lang noch nicht einmal einen Termin für die Behebung des Schadens nennen können. Auch für den Heimbeirat ist der auf den Festnetzanschluss aufgeschalteten Hausnotruf das Hauptproblem. Weil dieser nicht funktioniere, müssten die Mitarbeiter im Haus den täglichen „Wohlaufdienst“ zusätzlich zu ihren übrigen Aufgaben übernehmen. „Glücklich schätzen können sich nur die Mitbewohner, die rechtzeitig den Anbieter gewechselt haben“, so der Heimbeirat.

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