Betreuung der Flüchtlinge in Stuttgart Sozialträger fordern mehr Personal

Zu wenig Personal, zu viele Aufgaben: die Betreuer in den Flüchtlingsunterkünften sehen sich „am Rande des Personalnotstands“. Foto: dpa
Zu wenig Personal, zu viele Aufgaben: die Betreuer in den Flüchtlingsunterkünften sehen sich „am Rande des Personalnotstands“. Foto: dpa

Die großen Träger der Flüchtlingsbetreuung in Stuttgart haben in einem offenen Brief den Gemeinderat aufgefordert, die Personalbesetzung in den Asylunterkünften zu verbessern. Sie sprechen von einem Personalnotstand.

Lokales: Mathias Bury (ury)
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Stuttgart - Die großen Träger der Flüchtlingsbetreuung in Stuttgart haben in einem offenen Brief den Gemeinderat aufgefordert, die Personalbesetzung in den Asylunterkünften zu verbessern. Man arbeite „am Rande des Personalnotstands“, die aktuelle Belastung der Mitarbeiter sei „auf Dauer nicht zu verantworten“. Grüne und CDU setzen aber darauf, dass künftig mehr Freiwillige – insbesondere FSJler – die Lage in der Flüchtlingsbetreuung verbessern sollen.

Stuttgart hat derzeit mehr als 6300 Flüchtlinge

Vor der dritten Lesung des Haushalts hat sich die Liga der Wohlfahrtspflege an die Öffentlichkeit gewandt, nachdem die Fraktionen von Grünen und CDU in der bisherigen Debatte deutlich gemacht haben, dass sie nicht an eine Erhöhung des Personalschlüssels in den Asylheimen denken, der derzeit bei eins zu 136 liegt. Die freien Träger, darunter Caritas, Evangelische Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Dritte Welt und Arbeiterwohlfahrt, erinnern in ihrem Schreiben den Rat daran, dass die Fraktionen im Sozialausschuss selbst eine Erhöhung des Personalschlüssels für notwendig erachtet hätten. Würde man diesen auf eins zu 120 ändern, müsste das Personal um 13 Prozent erhöht werden, bei eins zu 100 – der Forderung von SÖS-Linke-Plus und der Liga selbst – sogar um 35 Prozent, sagt Fritz Weller von der Caritas. Derzeit gebe es in den Unterkünften 107,5 Stellen zur Betreuung, zurzeit leben in Stuttgart mehr als 6300 Flüchtlinge in 94 Unterkünften. Die vier großen Träger deckten etwa 95 Prozent dieser Aufgabe ab. Der Grund für die Belastung sei die hohe Zahl von Neuzugängen, eine wachsende Zahl traumatisierter Flüchtlinge, der Aufwand für die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und der Ausbau der Arbeitsintegration. Man könne diese Aufgaben „nicht mehr adäquat erfüllen“, sagte Fritz Weller.

Die Lage empört sich über Grüne und CDU

„Empört“ ist die Liga, dass Grüne und CDU erklären, die Träger fänden ohnehin keine Sozialarbeiter auf dem Markt, auch wenn man den Personalschlüssel verbessern würde. „Das ist an den Haaren herbeigezogen“, kritisiert Weller. Die Überlastung der Mitarbeiter sei ja gerade eines der wesentlichen Hindernisse bei der Personalgewinnung durch die Träger.

CDU-Fraktionschef Alexander Kotz verteidigte die Haltung seiner Fraktion und die der Grünen, die in der Sache „die Federführung“ hätten. Kotz bleibt dabei: Weil der Markt leer gefegt sei und man nur schwer Sozialarbeiter finde, wäre die Erhöhung des Personalschlüssels „nur ein politisches Zeichen“ ohne Effekt. Deshalb habe man sich die Idee der Grünen zu eigen gemacht, die beiden Gruppen der Hauptamtlichen und der Ehrenamtlichen durch eine dritte Säule zu ergänzen: durch FSJler, also junge Leute, die ein freiwilliges soziales Jahr machen. „Ein tolles Konzept“, findet Kotz. Es gebe für die Flüchtlingsarbeit „sehr viele engagierte junge Leute“, die man gewinnen könne. Die beiden Fraktionen denken an 60 bis 100 Personen. Dafür wolle man 900 000 Euro im Haushalt bereitstellen, mehr als für eine Erhöhung des Personalschlüssels vorgesehen gewesen seien. Ein Teil des Geldes solle auch für die Koordination des Einsatzes von FSJlern ausgegeben werden.




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