Die Stadtverwaltung untersagt, in dem Gebäude des Waldheims Lerchenheide dauerhaft eine Kindertagesstätte zu betreiben.

Bad Cannstatt: Maira Schmidt (mai)

Bad Cannstatt - Seit dem Ende der 1960er Jahre betreibt die katholische Kirche das Waldheim Lerchenheide im Außenbereich von Bad Cannstatt an der Gemarkungsgrenze zu Fellbach. Unzählige Kinder haben dort ihre Ferien verbracht. Doch damit könnte es bald vorbei sein.

Die Waldheime seien für die katholischen Kirchengemeinden nur dann tragbar, wenn sie ganzjährig etwa als Kindertagesstätte und nicht nur während der Ferienzeiten genutzt würden. Das hat der katholische Stadtdekan Christian Hermes in einem Schreiben an Oberbürgermeister Fritz Kuhn und die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen deutlich gemacht (wir berichteten).

Nach wie vor fehlt eine rechtlich verbindliche Grundlage

Nun ist es zwar so, dass in dem Waldheim Lerchenheide in Bad Cannstatt bereits seit zehn Jahren eine 2,5-gruppige Kindertagesstätte untergebracht ist. Nach wie vor fehlt jedoch eine rechtlich verbindliche Grundlage für diesen Betrieb. Die Kita wird vom städtischen Baurechtsamt lediglich geduldet, das betont auch Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart. Er nennt sogar ein Enddatum für diese Duldung: den 30. Juni 2015. Zur Begründung heißt es von Seiten der Stadtverwaltung: Die Unterbringung der Kindertagesstätte im Waldheim Lerchenheide könne kein Dauerzustand sein, da das Grundstück im Außenbereich und im Landschaftsschutzgebiet liege. „Das Baugesetzbuch untersagt eindeutig hier, eine Kita zu betreiben“, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage schriftlich mit. Eine solche Einrichtung sei auch nicht mit dem Regional- oder dem Flächennutzungsplan vereinbar, heißt es weiter.

Pfarrer Martin Kneer sorgt sich um die Zukunft des Waldheims. Foto: Maira Schmidt

Eine Aussage, für die Martin Kneer, der Pfarrer, der für das Waldheim zuständigen Liebfrauengemeinde, wenig Verständnis hat. „Dann müssen wir das Waldheim aufgeben“, sagt Kneer. Ohne die Kindertagesstätte würde das Waldheim ein „dauerhaftes Defizit“ produzieren, sagt der Pfarrer.

Die ganzjährige Nutzung als Kindertagesstätte hatte sich im Waldheim Lerchenheide mehr oder weniger zufällig ergeben. Ursprünglich sei das Gebäude außerhalb der Waldheimferien als Gartenwirtschaft betrieben worden. Ehrenamtliche hätten sich um die Gaststätte gekümmert. Doch mit der Zeit seien sowohl die Gäste als auch die freiwilligen Helfer immer spärlicher geworden, sodass man den Betrieb schließlich aufgeben musste, erzählt Pfarrer Kneer. Etwa zeitgleich habe der Kindergarten St. Vinzenz nach einem vorübergehenden Ausweichquartier gesucht, da die Räume an der Wiesbadener Straße saniert werden mussten.

Einen Plan B gibt es nicht

„Die Kinder haben sich hier sehr wohl gefühlt“, betont Kneer. So sei die Idee entstanden, das mitten in der Natur gelegene Gebäude mit seinem großen Gartengrundstück ganzjährig für die Kinderbetreuung zu nutzen.

Heute werden in der integrativen Natur-Kita Villa Lerchenheide 35 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren betreut. „Die Nachfrage ist groß“, sagt der Einrichtungsleiter Philipp Gottschlich. Doch ihm geht es nicht nur um die Kita. Gottschlich erzählt, dass er als Kind selbst seine Ferien im Waldheim Lerchenheide verbracht habe. „Ohne das Waldheim würde für viele Kinder etwas wegbrechen“, sagt er.

Für Pfarrer Kneer ist die Weigerung der Stadt, das Waldheim mit einer dauerhaften Nutzungsgenehmigung als Kita auf sichere finanzielle Füße zu stellen, umso unverständlicher, da sie zwischenzeitlich in den Betrieb der Kita investiert habe. Um den Brandschutzvorschriften zu entsprechen, musste das Gebäude umgebaut werden. Hiefür habe es öffentliche Zuschüsse gegeben. Nun müsste die katholische Kirche eigentlich wieder in das Waldheim, genauer in dessen Fassade, investieren. Doch vorerst wird da kein Geld fließen.

Pfarrer Kneer hat die Hoffnung, dass die Stadt doch noch umdenkt. Einen Plan B gebe es jedenfalls nicht, sagt er. Das Waldheim etwa wieder dauerhaft als Gartenwirtschaft zu betreiben, sei keine Option. Die gastronomische Konkurrenz in Stuttgart sei zu groß. Zudem mangele es an Ehrenamtlichen. Eine Gartenwirtschaft rechne sich deshalb nicht.

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