Betreuung in den Ferien Waldheime sind die Favoriten

Von und Eveline Blohmer 

Eltern haben in der Regel weniger Urlaub als ihre Kinder Ferien. Entsprechend gefragt sind Betreuungsangebote in der schulfreien Zeit. Waldheime, Jugendfarmen, Jugendhäuser – Familien haben die Qual der Wahl.

In den Ferien ist die Stimmung auf der Birkacher Jugendfarm besonders schön. Foto: privat
In den Ferien ist die Stimmung auf der Birkacher Jugendfarm besonders schön. Foto: privat

Filder - Jugendliche legen sich in den Ferien ungern fest. Das ist der Eindruck von Klaus Dieter, dem Leiter des Jugendhauses Sillenbuch. Deshalb kann er nicht abschätzen, ob am Schluss alle Plätze beim Ferienangebot „Ich will Action“ belegt sein werden. Derzeit sind sie es jedenfalls nicht. Dieter erklärt sich die Zögerlichkeit der jungen Leute damit, dass sie während der Schulzeit arg unter Druck stehen. Für ihn bedeutet dies, dass er für sein Ferienprogramm meist noch mal kurz vor knapp werben muss.

Absager-Quote ist gestiegen

Es ist kurz vor knapp. Am 30. Juli beginnen die Sommerferien. Und auch fürs Kinderprogramm sucht das Sillenbucher Jugendhaus noch Interessenten. „Die Eltern wollen, dass ihre Kinder Spaß haben und dass sie mindestens sechs Stunden am Tag betreut sind“, sagt Dieter. Damit kann er dienen, trotzdem stellt er fest, dass die Zahl der kurzfristigen Rückzieher während der vergangenen Jahre gestiegen ist. Früher seien es Einzelfälle gewesen, die wieder abgesagt hätten. Inzwischen rechnet er mit einer Absager-Quote von 25 Prozent. Ob es daran liegt, dass die Eltern mehrere Eisen ins Feuer hängen und die Wahl spontan fällen, vermag der Jugendhaus-Leiter nicht zu sagen.

Kinderbetreuung ist ein Thema, das immer wichtiger wird. Oft sind beide Eltern berufstätig, und es ist schier unmöglich, dass sich Mutter und Vater so viel Urlaub nehmen, wie ihr Nachwuchs Ferien hat. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Betreuung in der schulfreien Zeit. Und wo es mehr Nachfrage gibt, gibt es irgendwann mehr Angebote. „Logischerweise verteilen sich die Kinder eher auf mehrere Angebote, die Nachfrage bei den Trägern sinkt dementsprechend“, sagt Philipp Müller, Leiter des Sillenbucher Waldheims. Wobei das für ihn und seine Kollegen kein Grund zur Klage ist. Die Waldheim-Mitarbeiter müssen so immer seltener das Los entscheiden lassen. Vor fünf Jahren mussten sie 80 Kindern absagen, dieses Jahr ging es glatt auf. „Wir sind eher froh, keine Anfragen mehr zu bekommen“, sagt Müller. Das Waldheim ist also offenbar einer der Favoriten für die Ferien. „Erst wenn das Waldheim steht, wird der Urlaub drumrum geplant“, sagt er.

Dass das Waldheim bei den Kindern ungebrochen hoch im Kurs steht, bestätigt Jürgen Möck. „Wir haben viele Stammfamilien“, sagt der Leiter des Degerlocher Waldheims. Über einen Mangel an Anmeldungen kann er sich seit Jahren nicht beschweren.

Wobei der Ansturm auf die Abschnitte unterschiedlich ist. Die 400 Plätze im ersten Abschnitt sind Jahr für Jahr in Windeseile ausgebucht, beim zweiten läuft es traditionell schleppender. Vielleicht, weil er statt zweieinhalb Wochen nur zwei Wochen dauert, vielleicht, weil die Familien lieber in der zweiten Ferienhälfte verreisen.

Teils auch Anmeldungen nötig

Ohne Anmeldung können Kinder ihre Ferien in der Regel auf der Jugendfarm Riedenberg verbringen. Offenheit ist der Grundgedanke, wie der Erzieher Markus Moisl erklärt. Weil die Besucherzahlen wetterabhängig seien und bei angenehmen 25 Grad schon mal um die 100 Besucher kämen, stehen auf dem Programm für die großen Ferien auch Aktionen, zu denen die Kinder angemeldet werden müssen.

Dass sich die Jugendfarm in den sechs Wochen vom 3. August bis 11. September ein vielseitiges Programm ausgedacht hat, hat einen Nebeneffekt: „Ferienprogramm-Touristen“ nennt Moisl die Kinder, die sich sonst nie auf dem Gelände am Furtäcker blicken lassen. „Es kommt vor, dass ganz aktive Eltern sich alle Ferienprogramme, die es in Stuttgart gibt, ausdrucken, gezielt Aktionen auswählen und ihr Kind dann von Zuffenhausen oder Feuerbach zu uns fahren“, sagt Moisl. Das sei „nicht so ganz gewünscht“, denn zum einen wolle die Jugendfarm mit dem Programm auch für sich werben, sprich Kinder dauerhaft gewinnen. Zum anderen sei das für Kinder nicht ideal: „Es sollen ja Freundschaften entstehen“, sagt Moisl, der sich mit vier Kollegen um die Ferienbetreuung kümmert.

Dass sich die Anforderungen an die Betreuung verändert haben, merkt Moisl beispielsweise an den Fragen der Eltern. Zum Beispiel ob die Jugendfarm früher öffnen oder ob es Mittagessen geben könne. „Die Nachfragen nach festen Betreuungszeiten können wir aber nicht mit dem offenen Konzept vereinbaren“, sagt er. Teilweise stünden Kinder schon am Tor, bevor es losgehe – weil sie es nicht erwarten können, oder weil ihre Eltern zur Arbeit mussten.

Spontanes Programm auf der Jugendfarm

Auf der Jugendfarm Birkach sind die Sommerferien eine entspannte Zeit. Ferienprogramm-Tourismus gibt es laut Heike Fiestas Cueto nicht, weil das Programm nicht vorher festgelegt wird. „Wir entscheiden je nach Gruppe und Wetter, was wir an dem Tag machen – an einem Schön-Wetter-Tag im Haus zu töpfern, wäre eine Katastrophe“, sagt die Vereinvorsitzende.

Im Jahresdurchschnitt tummeln sich rund 50 Besucher pro Tag auf dem Gelände an der Aulendorfer Straße. „In den Sommerferien ist es ein bisschen ruhiger“, sagt Fiestas Cueto und erzählt von der dann besonders schönen Stimmung, die auch die Mitarbeiter genössen. Denn während unterm Jahr wegen der vielen schulischen Verpflichtungen oder anderen Freizeitangeboten mal das eine, mal das andere Kind käme und die Gruppenzusammensetzung dann immer eine andere sei, könnten in den Sommerferien richtige Cliquen entstehen. Weil die Kinder dann täglich da seien.

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