Betreuung in Leinfelden-Echterdingen Wie die Stadt Personal für die Kitas finden will

Von Thomas Krämer 

Geeignetes Personal für Kindertagesstätten zu finden, ist auf dem leer gefegten Markt nicht so einfach. Leinfelden-Echterdingen will nun Mitarbeiter mit einem neuen Konzept auf die Filder locken.

Fachpersonal für Kinderbetreuung ist gefragt. Aktuell gibt es bei der Stadt L.-E. in diesem Bereich eineinhalb offene Stellen. Und der Bedarf wird steigen. Foto: dpa/Arno Burgi
Fachpersonal für Kinderbetreuung ist gefragt. Aktuell gibt es bei der Stadt L.-E. in diesem Bereich eineinhalb offene Stellen. Und der Bedarf wird steigen. Foto: dpa/Arno Burgi

Leinfelden-Echterdingen - Wer in diesen Tagen Stellenangebote in den Zeitungen liest, wird mit ziemlicher Sicherheit auf Anzeigen wie „Erzieher/in gesucht“ stoßen. Und das meist sogar mehrfach. Fachpersonal für Kinderbetreuung ist gefragt. Das weiß man auch in Leinfelden-Echterdingen, weshalb man dort ein „Konzept zur Personalgewinnung und Personalbindung im Erzieher(-innen)bereich“ aufgestellt und verabschiedet hat.

Wie viele Menschen beschäftigt L.-E. in der Kinderbetreuung?

Die Kommune hat im Bereich der Kinderbetreuung derzeit 191 Vollzeitstellen. Darin enthalten sind 22 Stellen in der Schulkindbetreuung. Diese Vollzeitstellen verteilen sich auf insgesamt 274 Mitarbeiter, wie der zuständige Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell sagt.

Wie viel offene Stellen gibt es?

Aktuell gibt es bei der Stadt eineinhalb offene Stellen. Im Laufe des Kindergartenjahres werden weitere sechs Stellen zu besetzen sein, weil das Sternkinderhaus erweitert wird und eine weitere Gruppe im Gudrun-Mebs-Kinderhaus die Betriebserlaubnis erhält.

Wie ist die Perspektive?

Mit der Eröffnung neuer städtischer Kinderbetreuungseinrichtungen am Stangenkreisel und am Aicher-/Layhweg wird weiteres Personal notwendig. Pro Gruppe sind dies zwei Stellen, bei Kindern unter drei Jahren drei Fachkräfte. Kalbfell geht von 15 bis 20 Erziehern aus, die in den kommenden drei Jahren benötigt werden.

Was passiert, wenn Stellen nicht besetzt werden?

Man wolle nicht warten, bis es zu spät ist, sagt Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell, er will agieren, statt nur reagieren. Denn der Markt sei leer gefegt. „Deswegen haben wir dieses Konzept aufgestellt. Denn für jede Einrichtung ist gesetzlich vorgegeben, wie viel Personal zur Verfügung stehen muss“, sagt Kalbfell. Wird diese Vorgabe nicht erfüllt, müssen die Öffnungszeiten reduziert, im schlimmsten Fall ganze Gruppen geschlossen werden. Damit würde die Kommune nicht nur Proteste von Eltern riskieren, sondern könnte möglicherweise auch den Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kinderbetreuung nicht erfüllen.

Gibt es genügend Betreuungsplätze?

Nach den Worten Kalbfells wird in allen Stadtteilen die Nachfrage nach Kinderbetreuung befriedigt. „Die einzige Ausnahme ist Stetten, wo es eine kleine Warteliste gibt“, so der Bürgermeister.

Werden neue Wege eingeschlagen?

Das Kolpingwerk Stuttgart hat Erfahrungen mit spanischen Fachkräften gesammelt. Der Aufwand für Rekrutierung, Sprachausbildung und Integration scheint jedoch recht groß, zumal auch Wohnraum gefunden werden müsste. Der Versuch von L.-E., professionelle Vermittlungsagenturen einzuschalten, ist fehlgeschlagen. Im Bereich der Kinderbetreuung stehen derzeit 41 Ausbildungsplätze zur Verfügung, von denen neun nicht besetzt sind. Die Ausbildungszahlen sollen gesteigert werden, zumal das Land sich mit einer Ausbildungspauschale beteiligt.

Was will die Stadt potenziellen Mitarbeitern anbieten?

Befristete Stellen sind nach Angaben der Stadtverwaltung ein Hinderungsgrund, zumal die Nachbarkommunen in diesem Bereich durchgehend unbefristete Stellen anbieten. Das soll künftig auch für L.-E. gelten. Da in den kommenden zehn Jahren die Hälfte der derzeit 14 Einrichtungsleitungen in den Ruhestand gehen wird, will die Kommune die Qualifizierung schlechter bezahlter Kinderpflegekräfte finanziell attraktiver gestalten und das Gehalt im Anerkennungsjahr weiter bezahlen – wenn der Gemeinderat zustimmt.