Betrieb startet am 1. Februar 5 kuriose Fakten über die Hesse-Bahn

Noch stehen die Bauzäune: Der Premieren-Testzug am Start im Bahnhof Weil der Stadt – mit Winfried Hermann (rechts) als Lokführer. Foto: Felix Biermayer

Am 1. Februar nimmt die Hermann-Hesse-Bahn den Betrieb auf. Zum Start haben wir fünf kuriose Fakten um das Projekt und seinen historischen Vorgänger zusammen getragen.

Am 1. Februar ist es soweit: Die Hermann-Hesse-Bahn wird ihren Betrieb aufnehmen. Vorerst zwischen der Kreisstadt Calw und Weil der Stadt (Kreis Böblingen), wo sie ans S-Bahn-Netz der Region Stuttgart anschließt. Die Reaktivierung des Teilstücks der historischen Württembergischen Schwarzwaldbahn hat mehrfach Schlagzeilen gemacht wegen einer Bauzeit von sieben Jahren und Gesamtkosten von 207 Millionen Euro.

 

Bevor es richtig los geht, haben wir fünf kuriose Fakten rund um die Hesse-Bahn zusammengetragen.

Von der Schwarzwaldbahn zur Milchstraße

Tatsächlich gibt es zwei Schwarzwaldbahnen im Ländle – eine badische und eine württembergische. Die bekanntere badische Strecke führt auf knapp 150 Kilometern Länge von Offenburg bis Singen. Sie wurde zwischen 1863 und 1873 zur Zeit des Großherzogtums Baden gebaut und ist bis heute durchgängig in Betrieb.

Da man den Badenern nicht nachstehen wollte, beschloss der württembergische Landtag 1865 den Bau einer eigenen Eisenbahnstrecke in den Schwarzwald von Stuttgart über Leonberg und Weil der Stadt bis nach Calw – das heute zum Regierungspräsidium Karlsruhe zählt und damit verwaltungstechnisch gesehen zu Baden.

Der Streckenverlauf der Hesse-Bahn mit Anschluss ans Stuttgarter S-Bahn-Netz Foto: STZN-Grafik

Auch wenn schon damals viele Stuttgarter die neue Strecke zur Erholung im Schwarzwald nutzten, so hatte der Bau einen anderen Hintergrund. Die Schiene machte die Flößerei auf der Nagold überflüssig. Der Holztransport finanzierte den aufwendigen Bau der Eisenbahn. Und der Schlenker der Bahnstrecke bei Ditzingen und Korntal brachte ihr den Beinamen Milchstraße ein – denn von dort wurde die Milch der Bauern nach Stuttgart nun eben mit dem Zug geliefert.

Wenn der Denkmalschutz mitredet

Bei solch umfangreichen Vorhaben wie der Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Calw und Weil der Stadt haben nicht nur verschiedenste Planungs- und Naturschutzbehörden ein Wörtchen mitgeredet. Auch der Denkmalschutz schaltete sich an mehreren Stellen ein. Denn die Trasse der historischen Württembergischen Schwarzwaldbahn ist ein Kulturdenkmal.

Besonders betrifft dies originale Bauwerke, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind, etwa Bahnhöfe oder Brücken. Am Bahnhof Althengstett etwa mussten 40 Meter eines ungenutzten Gleises aufgrund seiner besonderen Bauweise erhalten werden.

Bahnhäuschen mit Bodyguard

Sogar ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler hat es das Stellwerk 2 am alten Bahnhof in Calw gebracht. Das kleine hölzerne Bahnhäuschen, einer der wenigen verbliebenen Zeitzeugen der historischen Schwarzwaldbahn, wurde 2025 zweieinhalb Monate rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst überwacht – für 1000 Euro am Tag.

Das kleine hölzerne Bahnhäuschen ist einer der wenigen verbliebenen Zeitzeugen der historischen Schwarzwaldbahn – und hat es zuletzt zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. Foto: Thomas Fritsch

Der Grund: Bei einer Routinekontrolle im Februar war festgestellt worden, dass es einsturzgefährdet ist. Jedoch befand sich das Häuschen direkt neben den Gleisen der Kulturbahn und hätte theoretisch jederzeit auf die Bahnstrecke umkippen können. Einfach abbauen ging aber nicht, da das wohl um 1880 herum erbaute Gebäude denkmalgeschützt ist. Ende Mai wurde es schließlich mit einem Kran aus dem Gleisbett gehoben – alles auf Kosten der Deutschen Bahn und damit der Steuerzahler.

Ganz schön steil hier

Ganze zwei Prozent Steigung und das über eine Länge von zehn Kilometern – das war schon beim Bau der historischen Schwarzwaldbahn ein Rekord. Die nun reaktivierte Teilstrecke der Hesse-Bahn schafft indes einen neuen Rekord. Denn das steilste Stück befindet sich mit vier Prozent Steigung nun im Hacksberg bei Weil der Stadt-Schafhausen. Durch den wurde der einzige Neubautunnel hindurch gebohrt – eine Abkürzung, die die Fahrzeit um gut vier Minuten verkürzt.

40 Höhenmeter überwindet die Hesse-Bahn hier auf gut einem Kilometer Länge, wo die Schwarzwaldbahn früher eine Schleife von 3,5 Kilometern um den Hacksberg herum fuhr.

Der Bahnhof in Calw: Rechts unten ist das Gleis der Kulturbahn, links der Fahrstuhlturm, von dem ein gläserner Steg zum Gleis der Hesse-Bahn führt. Foto: Otto

Mit dem Fahrstuhl zum Bahngleis

Der neue Bahnhof in Calw ist ein architektonisches Kuddelmuddel. Direkt gegenüber der historischen Altstadt gelegen, nur getrennt durch die Nagold und die Bahnhofstraße, befindet sich auf der untersten Ebene der Zentrale Busbahnhof ZOB. Darüber sind drei Parkdecks.

Vom obersten aus erreicht man das Gleis der so genannten Kulturbahn, die durchs Nagoldtal fährt. Das Gleis der Hermann-Hesse-Bahn liegt an diesem steilen Hang elf Meter darüber und ist nur über zwei Fahrstühle und einen Gläsernen Steg erreichbar. Mit den zwei Fahrstühlen kann man jedoch direkt runter an den ZOB fahren.

Hermann-Hesse-Bahn

Reaktivierung
1988 fuhren die letzten Güterzüge zwischen Calw und Weil der Stadt, 1989 wurde die Strecke offiziell stillgelegt. 1994 kaufte der Kreis Calw die Strecke. Seit 2001 wurde eine Reaktivierung überlegt, erst 2015 fiel die Entscheidung dafür. Seit 2018 wird gebaut. Die Gesamtkosten werden mittlerweile mit 207 Millionen Euro angegeben.

Hermann-Hesse-Bahn
Der Namenspatron Hermann Hesse wurde 1877 in Calw geboren und wuchs dort sowie in Basel auf. 1946 erhielt er den Literatur-Nobelpreis. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Der Steppenwolf“, „Siddhartha“ oder „Narziß und Goldmund“.

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