Betriebsrat setzt auf neuen Chef WMF-Betriebsrat hofft auf familiären Umgang

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Der Betriebsrat erhofft sich vom neuen Chef Volker Lixfeld eine Rückkehr zu traditionellen Werten. Diese hätten unter der Herrschaft von zwei Finanzinvestoren zuletzt stark gelitten. Mittlerweile gehört WMF zur französischen SEB-Gruppe.

WMF ist Weltmarktführer im Geschäft mit professionellen Kaffeemaschinen. Foto: dpa
WMF ist Weltmarktführer im Geschäft mit professionellen Kaffeemaschinen. Foto: dpa

Stuttgart - Das Kapitel Peter Feld beim Kaffeemaschinen- und Küchengerätespezialisten WMF in Geislingen war kurz aber intensiv. Nach gerade einmal dreieinhalb Jahren streicht der Manager Ende Dezember die Segel. Damit kommt er nicht einmal ansatzweise auf die Betriebszugehörigkeit seines Vorgängers Thorsten Klapproth, der zehn Jahre bei WMF war und mittlerweile den Brausenhersteller Hansgrohe führt. Allerdings dürften sich die Jahre unter Feld für die Belegschaft ähnlich lange angefühlt haben: Immerhin hat der 51-jährige Nordrhein-Westfale seine anfängliche Ankündigung, auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten „jeden Stein umdrehen zu lassen“, mit Leben erfüllt.

Unter seiner Führung und im Besitz des mächtigen US-Finanzinvestors KKR wurde das schwäbische Traditionsunternehmen gründlich umgekrempelt. Marken wie Alfi oder Auerhahn wurden verkauft oder eingestellt, mehrere Dutzend eigene Läden geschlossen, Logistikzentren zusammengelegt, das Sortiment deutlich verkleinert und rund 400 Arbeitsplätze abgebaut. Am Ende nahm KKR das Unternehmen, eine der ältesten Aktiengesellschaften Baden-Württembergs, im Frühjahr 2015 auch noch von der Börse.

WMF hat zuletzt gut eine Milliarde Euro umgesetzt

Sein oberstes Ziel, WMF internationaler aufzustellen, hatte Feld da bereits erreicht. Die Gruppe erwirtschaftete rund die Hälfte ihres Umsatzes von zuletzt 1,06 Milliarden Euro (2015) im Ausland. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen betrug 118 Millionen Euro. Mit seinen Maßnahmen hatte Feld das Unternehmen für andere Interessenten attraktiv gemacht. Der französische Haushaltsgeräteriese SEB (Moulinex, Rowenta, Tefal, Krups) war schließlich bereit, gut 1,7 Milliarden Euro für WMF auf den Tisch zu legen. Bei der Bekanntgabe der Übernahme im Mai hatte der SEB-Vorstandschef und Gesellschafter Thierry de La Tour d’Artaise noch einen Verbleib Felds in Aussicht gestellt: „Wir würden uns freuen, wenn Peter Feld an Bord bleibt.“ Nun verlässt er das Unternehmen jedoch „auf eigenen Wunsch“, wie es in einer Mitteilung heißt.

An seine Stelle tritt ein erfahrener SEB-Mann: Volker Lixfeld ist bereits seit mehr als 15 Jahren bei den Franzosen. In dieser Zeit war er unter anderem für das Geschäft in Nordamerika sowie in Nord- und Zentraleuropa zuständig. Mit seinem Vorgänger verbindet den 61-jährigen gebürtigen Bochumer seine allererste berufliche Station: Beide stiegen nach dem Studium beim US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble ein; Feld blieb von 1992 bis 2004 und wechselte danach zu Beiersdorf, Lixfeld war von 1984 bis 1993 bei der deutschen sowie der türkischen Tochter des US-Konzerns tätig. Davor studierte er Betriebswirtschaft, Linguistik und Kunstgeschichte in Bochum, Perpignan, Montpellier und Barcelona.

SEB galt bei der Belegschaft als Wunschinvestor

Auf welche Veränderungen müssen sich die WMF-Beschäftigten unter dem neuen Eigentümer und dem neuen Chef einstellen? Frank Schnötzinger, Betriebsratsvorsitzender der WMF-Gruppe, wünscht sich vor allem eine Rückkehr zu traditionellen Unternehmenswerten. Der neue Chef soll dafür sorgen, dass in Geislingen wieder der „familiäre Umgang“ herrscht, „den wir hatten, bevor die beiden Finanzinvestoren (Capvis und KKR, Anm. d. Red.) kamen“, sagt Schnötzinger. Die Franzosen galten im Vorfeld der Übernahme als Wunschinvestor innerhalb der Belegschaft, weil sie auf eine ähnlich lange Historie wie die Geislinger zurückblicken und immer noch „familienkontrolliert“ sind, wie ein WMF-Sprecher sagt. Bisher habe es zwar keinen Kontakt zwischen der Führung des neuen Mutterkonzerns und dem WMF-Betriebsrat gegeben, erklärt BR-Chef und Aufsichtsratsmitglied Schnötzinger. Die Stimmung in der Belegschaft sei allerdings positiv.

„Wir haben die größte Wertschätzung für die WMF-Gruppe und ihre Mitarbeiter und freuen uns, gemeinsam die langfristige Entwicklung des neuen Konzerns zu beschleunigen“, lässt sich SEB-Chef Thierry de La Tour d’Artaise in der Mitteilung zitieren. Vor allem das Geschäft mit professionellen Kaffeemaschinen, wo WMF mit 28 Prozent den weltweiten Markt anführt, ist neu im breiten Sortiment der SEB-Gruppe. Doch auch die verschiedenen Küchenutensilien würden einen Platz unter dem SEB-Dach finden, hieß es bei der Verkündung der Übernahme im Mai. Man habe sich auch nach früheren Übernahmen noch nie von einzelnen Unternehmensteilen getrennt. Erfahrungen mit Premiummarken für die Küche hat der neue WMF-Chef Lixfeld bereits während seiner Zeit in den USA gesammelt. Die Marke All-Clad sei bei Töpfen und Pfannen vergleichbar mit WMF.