Es war die Wahl eins nach der Ära Uwe Hück. Der hatte die Betriebsratswahlen 2018 bei Porsche in Zuffenhausen noch haushoch für die offizielle IG-Metall-Liste gewonnen. Nach der Zäsur mit seinem Abgang vor drei Jahren scheinen diese Zeiten vorerst vorbei zu sein. Bei der jüngsten Wahl kam das „Team IG Metall“ nach Betriebsratsangaben auf einen Stimmenanteil von 43,5 Prozent. Bei nunmehr 19 Sitzen im künftig 41-köpfigen Arbeitnehmergremium ist damit die absolute Mehrheit verloren gegangen. Hück hatte am Porsche-Stammsitz noch gut 60 Prozent und 26 Sitze geholt.
Schon im Vorfeld der Wahlen war viel Unruhe aufgekommen. Neun Listen traten an – ein Rekord, wobei es sich zumeist um interne IG-Metall-Abspaltungen handelt. Die Neugründung „Der neue Weg“ kam mit knapp 19 Prozent aus dem Stand auf acht Mandate. Ein weiteres neues Projekt ließ Erinnerungen an die Vergangenheit wach werden: „Die Stimme der Belegschaft“ wurde von Lam-Anh Hück-Do – einem Sohn von Uwe Hück – angeführt, der vormals ebenso auf der IG-Metall-Liste gestanden hatte. Elf Prozent brachten vier Sitze. Auf 13,4 Prozent und sechs Mandate kam die Liste „Dual“, die ihre Stimmen vornehmlich in Verwaltungsbereichen holt. Rechtspopulisten spielen in Zuffenhausen keine Rolle.
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In der Pluralität drückt sich viel Verdruss in den Gewerkschaftsreihen aus. Nach dem Abgang des dominanten Uwe Hück und kurz vor dem Wechsel seines damaligen Nachfolgers Werner Weresch in den Ruhestand wuchs auch der Mut, mit eigenen Listen gegen das „Team IG Metall“ anzutreten. Dieses wurde von Weresch-Stellvertreter Harald Buck angeführt, der in Zukunft wahrscheinlich die Betriebsratsgeschicke leiten wird.
Erfreulich hohe Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung von fast 62 Prozent wird angesichts der Pandemie mit Homeoffice und Kurzarbeit sehr positiv bewertet. Fast 17 600 Beschäftigte waren wahlberechtigt, gut 10 700 gaben einen gültigen Stimmzettel ab. Selbst Mercedes in Untertürkheim und Sindelfingen, Audi in Neckarsulm oder auch VW in Wolfsburg können da nicht mithalten. Anfang April konstituiert sich der neue Betriebsrat – doch der alte ist noch bis Ende Mai im Amt. Wann Weresch genau aufhört, ist offen. Die Übergangszeit gibt der IG Metall Luft, sich auf neue Verhältnisse einzustellen.
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