Betriebsstart ist am 19. August Bisher nachhaltigster dm-Markt eröffnet in Aidlingen
Mit Holz-Hybrid-Bauweise, Recycling-Materialien und integrierter Bushaltestelle will die Drogeriemarktkette neue Maßstäbe setzen.
Mit Holz-Hybrid-Bauweise, Recycling-Materialien und integrierter Bushaltestelle will die Drogeriemarktkette neue Maßstäbe setzen.
Die Sonne brennt auf die beiden Männer auf der Hebebühne herunter. Einer hebt sein T-Shirt, um sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Die beiden sind an diesem heißen Montagmittag damit beschäftig, ein entscheidendes Detail an dem Neubau neben Netto und Sehne-Filiale am Aidlinger Ortsausgang anzubringen: das dm-Schild. Es kündigt die baldige Eröffnung einer Filiale an, mit der die Karlsruher Drogeriemarktkette künftig Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzen will.
In dem 624 Quadratmeter großen Verkaufsraum sind bereits nahezu alle Regale eingeräumt. Im Gegensatz zu draußen ist es hier drin angenehm kühl, aber den rund ein Dutzend Mitarbeitenden, die Ware auspacken und die leeren Kartons in Rollgittern verstauen, rinnt ebenfalls der Schweiß von der Stirn.
„An unseren Selbstbedienungskassen könnten Sie jetzt schon bezahlen, die sind bereits am Netz“, sagt Nadine Blank. Die 31-Jährige ist die Filialleiterin des neuen Markts mit 16 Mitarbeitenden. „Davon sind elf neu geschaffene Arbeitsplätze“, sagt Blank. Bisher hat sie den Gärtringer dm-Markt geleitet. Am kommenden Montag wird sie den Markt eröffnen, auf den die Aidlinger schon so lange gewartet haben. Schließlich klaffte seit der Schließung des Schleckermarkts vor zwölf Jahren eine Versorgungslücke in der rund 9500 Einwohner zählenden Gemeinde.
Gemeinsam mit der Bäckereikette Sehne als Vermieter setzt dm mit dem neuen Gebäude sehr stark auf Nachhaltigkeit. Sichtbar ist dieser Ansatz von außen ebenso wie von innen. An der Fassade wechseln sich Holzelemente und HPL-Platten ab. Diese Abkürzung steht für High Pressure Laminate und bezeichnet ein besonders robustes und nahezu vollständig wiederverwertbares Material, das aus in Melaminharz getränkten Papierschichten besteht.
Wer drinnen in der Filiale an die gräulichen Wände klopft, wird feststellen, dass es sich hier nicht um Beton, sondern um lasiertes Massivholz handelt. Zwischen Stützen aus Beton fügen sich die von einem regionalen Holzbetrieb nahtlos ein. Wie in einem Legobausatz ließen sich diese CLT-Bauteile (Cross-Laminated-Timber) bei Bedarf auch wieder zurückbauen.
„Der Markt ist ein Pilotprojekt“, sagt Yeliz Aksu, Projektleiterin für dm-Bauprojekte. Gemeinsam mit dem Architekten Kai Heppeler und der bei dm für Nachhaltigkeitsmanagement zuständigen Johanna Michelberger verfolgt sie das Ziel, möglichst ressourcenschonend und innovativ zu bauen.
Dafür steht neben der Holz-Hybrid-Bauweise auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem begrünten Dach, Ladenmöbel aus teils wiederverwendeten Materialien, ein PVC-freier Boden aus Recyclingmaterial und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die mit Propan und damit einem natürlichen Kältemittel betrieben wird. Hinzu kommt eine in die Außenfront integrierte, überdachte Bushaltestelle an der Böblinger Straße.
Die Holzbauweise zieht sich sogar bei den Kundentoiletten durch. Ob sich dies alles bewährt, werde sich zeigen, meint Architekt Kai Heppeler. Er vergleicht nachhaltiges Bauen mit einer Reise, bei der man immer wieder aus Erfahrungen lernen könne.
Vielleicht fließen einige Erfahrungen demnächst schon in Neuried bei Offenburg mit ein. Dort haben zuletzt die Bauarbeiten für eine dm-Filiale in reiner modular rückbaubarer Holzbauweise begonnen. Aber bis dieser Neubau fertig ist, steht der bisher wohl nachhaltigste dm-Markt in Aidlingen.