Am Dienstag wurden die Mitarbeiter auf außerordentlichen Betriebsversammlungen in Feuerbach und Schwieberdingen informiert. Nun sollen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen werden. Denkbar sind dabei unterschiedlichste Maßnahmen.
Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden?
Bosch favorisiert eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden. Relativ viele Angestellte würden freiwillig 38 beziehungsweise 40 Stunden arbeiten, mit einem entsprechend höheren Gehalt. Eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche würde rechnerisch der Kapazität von 500 Arbeitsplätzen entsprechen und den Abbau abfedern, so der Sprecher. Für die Betroffenen sind damit aber auch entsprechende Gehaltseinbußen verbunden. Bosch wolle den Jobabbau „so sozial verträglich wie möglich gestalten“, sagte der Sprecher. Man müsse das Beschäftigungsniveau an die gesunkene Nachfrage und den strukturellen Wandel anpassen. Letzterer werde durch den konjunkturellen Abschwung noch beschleunigt. Durch eine Absenkung der Arbeitszeit könne man Kompetenzen und Mitarbeiter halten, so der Sprecher.
Frank Sell, Betriebsratsvorsitzender in Feuerbach, sprach angesichts des geplanten Abbaus von einer noch nie dagewesenen Dimension. Das seien fast 20 Prozent der Belegschaft. Er warnte davor, die Transformation allein auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Stupider Personalabbau und Verlagerung sei keine Lösung, er forderte vielmehr eine Zukunftsperspektive. „Es gibt so viel Know-how am Standort und so viele Bereiche in Feuerbach und Schwieberdingen, da muss ein Umbau doch zu schaffen sein“, sagte Sell. Doch das Management fordere alternativlos, 1600 Stellen zu streichen und wolle Entwicklungskapazitäten nach Osteuropa verlagern und Strukturen verändern.
„Da ist richtig Druck im Kessel“
„Da ist jetzt richtig Druck im Kessel“, sagte Sell angesichts der brechend vollen Betriebsversammlungen mit jeweils rund 4000 Mitarbeitern. Wichtig sei eine Zukunftsperspektive und eine faire Lastenverteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Würde die Arbeitszeit verkürzt, wären immer noch 1100 Jobs vom Abbau bedroht. „Wir wollen über Alternativen und nicht scheibchenweise über Salamitaktik reden“, so der Betriebsratschef, zumal es Wachstum in anderen Geschäftsbereichen wie in Abstatt oder Leonberg gebe.
IG Metall ist bestürzt über Abbaupläne
Die Bestürzung der Mitarbeiter über den angekündigten Jobabbau war groß. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, hieß es. Auch die IG Metall Stuttgart und die IG Metall Baden-Württemberg zeigten sich in einer Stellungnahme über die Bosch-Abbaupläne bestürzt. „Damit stellt sich der Traditionskonzern in eine Reihe mit renditegetriebenen Automobilzulieferern, deren vorrangiges Ziel es ist, die Marge zu steigern – notfalls auf dem Rücken der Beschäftigten“, heißt es in der Mitteilung. Die Gewerkschaft fordert Bosch auf, sich der sozialen Verantwortung bewusst zu werden. Betriebsratschef Sell plädiert dafür, Qualifizierungsmaßnahmen zu verstärken – deutlich mehr als bisher.
Bosch qualifiziert bereits jetzt Mitarbeiter weiter, teilweise sollen vom Abbau betroffene Beschäftigte auch intern in andere Geschäftsbereiche wechseln, sagte der Bosch-Sprecher. Betriebsratsvorsitzender Frank Sell erwartet jedenfalls einen heißen Herbst. Am Donnerstag findet die erste Verhandlungsrunde statt.
Der Spardruck ist offensichtlich groß. Erst kürzlich hatte Bosch-Chef Volkmar Denner vor allem in den Dieselwerken einen Stellenabbau angekündigt, was über Abfindungsprogramme, Vorruhestandsregelungen oder die Reduzierung der Zahl der temporär Beschäftigten geschehen könne. Details nannte er aber nicht.
Bei dem Zulieferer hängen weltweit etwa 50 000 der 410 000 Arbeitsplätze vom Diesel ab. In Deutschland sind es gut 15 000 – vor allem an den Standorten Feuerbach, Bamberg und Bad Homburg.
Im vergangenen Jahr hatte Bosch 600 Stellen in dem Bereich abgebaut, indem befristete Verträge nicht verlängert wurden oder Mitarbeiter zum Beispiel in Altersteilzeit geschickt wurden. Die weitere Entwicklung hatte Denner vom Marktverlauf abhängig gemacht. Der ist aber weiter eingebrochen. Jetzt trifft der Abbau auch die Forschung und Entwicklung. Noch im Mai war Bosch von einem Einbruch des weltweiten Automarkts um fünf Prozent auf 93 Millionen Fahrzeuge ausgegangen, mittlerweile erwartet der weltgrößte Autozulieferer einen weltweiten Rückgang um sechs Prozent auf 91 Millionen Fahrzeuge.
Kaum eine Woche ohne Hiobsbotschaft
Der Konjunktureinbruch und die Strukturkrise sorgen nicht nur bei Bosch für Personalabbau. Bei etlichen Zulieferern sind die Einschnitte noch dramatischer. Egal ob ZF, Conti, Schaeffler, Brose, Mahle, Mann+Hummel oder Allgaier – es vergeht kaum eine Woche ohne Hiobsbotschaft, nämlich dass ein Unternehmen Personalabbau, Standortverlagerungen oder gar Werksschließungen ankündigt.