Betrug beim Autopreis „Gelber Engel“ Der ADAC gerät ins Visier der Staatsanwaltschaft

Der ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt einen Rücktritt ab. Foto: dpa-Zentralbild
Der ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt einen Rücktritt ab. Foto: dpa-Zentralbild

Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft, ob die Mogeleien mit gefälschten Zahlen bei der Vergabe des Autopreises „Gelber Engel“ strafrechtlich verfolgt werden. Wettbewerber wie der Auto Club Europa (ACE) sehen Chancen, nun zusätzliche Mitglieder zu gewinnen.

Wirtschaft: Harry Pretzlaff (hap)
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Stuttgart - Der ADAC gerät wegen der gefälschten Zahlen bei der Kür des angeblichen „Lieblingsautos der Deutschen“ ins Visier der Justiz. Aufgrund der Medienberichterstattung im Zusammenhang mit dem Preis „Gelber Engel“ prüfe die Staatsanwaltschaft München I, ob hier Straftatbestände berührt sein könnten, teilte die Behörde mit. Als mögliche Ermittlungstatbestände kämen Bestechung und Vorteilsnahme in Betracht. Betrug scheide aus, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Zum jetzigen Zeitpunkt, so der Oberstaatsanwalt weiter, gebe es jedoch noch keinen Anfangsverdacht für eine verfolgbare Straftat. Deshalb sei bisher auch noch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Derzeit handelt es sich zunächst einmal um eine Vorprüfung, wie es im Juristendeutsch heißt.

Die Tricksereien waren aufgeflogen, nachdem der ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter intern gestanden hatte, beim Autopreis Gelber Engel die Teilnehmerzahlen der Leserwahl frisiert zu haben, weil sie zu mickrig waren. Ramstetter wurde daraufhin geschasst, die ADAC-Oberen sprachen von den Verfehlungen eines Einzeltäters. ADAC-Präsident Peter Meyer will trotz des Manipulationsskandals im Amt bleiben. „Wenn der Wind von vorne kommt, muss man das auch mal aushalten können“ sagte Meyer in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung. Er sei der Garant für die Aufklärung dieser Missstände, versicherte Meyer und bezeichnete es als unfair gegenüber den Tausenden Mitarbeitern, „die jeden Tag mit größtem Engagement für unsere Mitglieder im Einsatz sind“, wenn nun der gesamte ADAC unter Generalverdacht gestellt würde. Eine Manipulation bei den Technik- und Verbraucherschutztests sei ausgeschlossen.

Die Autohersteller, die in den vergangenen Jahren die Auszeichnung mit dem „Gelben Engel“ als willkommene Werbung eingesetzt hatten, halten sich bedeckt, nachdem die bisher begehrte Trophäe von einem Tag auf den anderen wertlos geworden ist. VW hat nach eigenen Angaben Anzeigen storniert, die bereits bestellt waren, nachdem der VW Golf in diesem Jahr den Preis gewonnen hatte. „Wir haben die Anzeigen am Wochenende sofort gestoppt und warten jetzt erst einmal ab, wie es beim ADAC weitergeht“, sagte ein Sprecher des Wolfsburger Konzerns und wies darauf hin, dass der neue Golf bereits zahlreiche Preise gewonnen habe. Der ADAC müsse jetzt erst einmal die Chance bekommen die Vorgänge zu klären. Auch BMW, Daimler und Porsche wollen zunächst einmal die Ergebnisse der vom ADAC angekündigten lückenlosen Aufklärung der Vorgänge abwarten. Audi wollte sich nicht zu den Manipulationen äußern, weil es sich um interne Vorgänge des ADAC handle.

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