Betrugsmasche in Stuttgart Schockanrufe, um Geld zu ergaunern

Im Zweifel, rät die Polizei, sollte man das Gespräch beenden und die vermeintlichen Verwandten unter der bekannten Telefonnummer anrufen, jedoch keinesfalls die Rückruftaste betätigen. Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow
Im Zweifel, rät die Polizei, sollte man das Gespräch beenden und die vermeintlichen Verwandten unter der bekannten Telefonnummer anrufen, jedoch keinesfalls die Rückruftaste betätigen. Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Die vermeintliche Tochter sei in einer Notsituation, sie brauche dringend finanzielle Hilfe. Mit diesen und ähnlichen Maschen versuchen Kriminelle immer wieder, an Geld zu gelangen. In Stuttgart-Fasanenhof erkannte eine Frau den Betrugsversuch rechtzeitig.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)

Fasanenhof - Der Anruf ist ein Schock. Eine Frau erzählt am Telefon mit weinerlicher Stimme von einem schlimmen Unfall, den sie verursacht habe. Ein Mensch sei tot. Es werde Anklage gegen sie erhoben. „Mama“, stammelt sie, bittet um Hilfe. Nur durch Zahlung einer Kaution könne sie dem Gefängnis entgehen. Ein angeblicher Polizist bestätigt den Vorfall am Telefon. Anrufe wie diese ereignen sich immer wieder. Meist bitten die Anrufer, in diesem Fall vermeintliche Familienangehörige darum, einer dritten Person Bargeld oder Wertgegenstände auszuhändigen oder an einem ausgemachten Ort zu deponieren.

Jüngst hat es eine Fasanenhoferin getroffen. Sie erkannte den Betrugsversuch am Telefon aber noch rechtzeitig. Angelika Lehrer, die in ihrem „Newsletter Pro Fasanenhof“ regelmäßig Neuigkeiten aus dem Stadtteil weitergibt, schildert den Fall Ende Februar im Newsletter. Erschreckend sei gewesen, dass der Anrufer das Geburtsdatum der echten Tochter der kontaktierten Dame bekannt gewesen sei. Lehrer rät zu erhöhter Aufmerksamkeit, insbesondere dann, wenn jemand nach Geld frage, sollten „die Alarmglocken läuten“. Und: „Polizisten holen kein Kautionsgeld ab“, heißt es im Newsletter.

Die Maschen der Betrüger sind vielfältig

Auch die Polizei warnt immer wieder vor den perfiden Maschen der Betrüger. Anrufer, die sich als Kind oder Enkel ausgeben, und Geld für eine Kaution fordern, sind nur ein Beispiel. Andere vermeintliche Angehörige brauchen angeblich Geld für einen Hauskauf. Wieder andere Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus, berichten davon, dass es Hinweise darauf gebe, dass bei dem Angerufenen eingebrochen werden soll und sie sicherheitshalber ihre Wertsachen und Bargeld der „Polizei“ zur sicheren Verwahrung übergeben sollten. Eine Häufung der Fälle auf dem Fasanenhof sieht die Polizei laut dem Sprecher Sven Burkhardt aktuell nicht. „Die Fälle sind über das ganze Stadtgebiet verteilt.“

Die Polizei erklärt, dass die Betrüger oftmals versuchen, die Angerufenen unter Druck zu setzen und mitunter gezielt Ängste schüren, etwa um vermeintliche Angehörige in einer Notsituation. Oftmals folgten mehrere Anrufe hintereinander, auch nachts. „Lassen sie sich keineswegs, egal zu welcher Uhrzeit, unter Druck setzen“, rät die Polizei.

Man solle misstrauisch sein, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. „Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen“, so die Polizei. Es könne auch helfen, Dinge zu fragen, die nur die richtigen Verwandten oder Bekannten wissen können. Oder aber das Gespräch zu beenden und die jeweilige Person zurückzurufen. Aber keinesfalls sollte man die Rückruftaste am Telefon betätigen – denn so lande man wieder bei den Betrügern – sondern die bekannte Nummer wählen.

Niemals Geld oder Wertsachen Unbekannten übergeben

Bei Bedenken sollten echte Verwandte, Vertrauenspersonen oder die echte Polizei hinzugezogen werden. Zudem solle man am Telefon keine persönlichen oder finanziellen Informationen preisgeben und niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen aushändigen oder an einem von den Anrufern vorgeschlagenen Ort deponieren.

Erkennt man einen Betrugsversuch, sollte man unverzüglich die Polizei verständigen – unter der universell gültigen Rufnummer 110 oder, falls bekannt, unter der Telefonnummer des zuständigen Reviers. Auch, wenn man bereits auf einen Betrug reingefallen ist, sei es hilfreich, die Polizei zu verständigen. Dies könne der Polizei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, andere Personen zu warnen und die Täter zu überführen. Auch Angelika Lehrer ruft in ihrem Newsletter dazu auf: „Erstatten Sie Anzeige! Warnen Sie Ihre Familie und Ihre Nachbarn!“

Im Internet informiert die polizeiliche Kriminalprävention über Betrugsmaschen und wie man sich schützen kann: www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/

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