Betrugsmasche in und um Stuttgart Trickdiebe kommen als Lampenzähler ins Haus

Wenn der Gauner klingelt, kennt seine Fantasie für Tricks keine Grenzen. Foto: Kraufmann/Franziska Kraufmann

Betrüger an der Haustür erfinden die seltsamsten Geschichten, um in die Wohnung ihrer Opfer zu gelangen. Derzeit kommen sie sogar als Glühbirnen-Registrierer.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Glühbirnen sind so etwas wie ein Türöffner. Vor allem für redegewandte Trickbetrüger, die derzeit an vielen Haustüren klingeln. Wer kennt denn nicht die EU-Verordnung 2009/244/EG, die den Energieverbrauch von Glühlampen regelt? Oder die Regelung, dass nur noch Leuchtmittel der Mindestenergieklasse C verkauft werden dürfen. Ist das etwa verwirrend?

 

Verwirrt sollen die Opfer durchaus sein, wenn sie ihre Wohnungstüren öffnen und angeblichen Hausmeistern oder Handwerkern gegenüberstehen. Denn die Täter wollen auf alle Fälle, dass den zumeist betagten Opfern überhaupt kein Licht aufgeht, wenn sie sich unter einem Vorwand in ihre Wohnungen drängen. Die unbekannten Lampenzähler haben es in diesen Tagen auf Schmuck und Bargeld abgesehen, und sie haben besonders Senioren im Blick.

Zum Glück ist ein 95-Jähriger resolut

Wie die Täter ihre teils abenteuerlichen Geschichten plausibel machen, ist unklar. „Letztlich hat es wohl gar keine besondere Erklärung gegeben“, sagt Polizeisprecherin Jennifer Janoska, „es wurde einfach geglaubt.“ In manchen Fällen wurden die Betroffenen einfach überrumpelt.

Ein resoluter 95-Jähriger hat am letzten Wochenende im Weilimdorfer Stadtteil Giebel gerade noch zwei Männer vertrieben, die angeblich Glühbirnen zählen wollten und sofort nach dem Klingeln die Wohnung stürmten und verschiedene Zimmer aufsuchten. Der betagte Bewohner drohte mit der Polizei, die Männer verschwanden ohne Beute. Einer der Täter wird so beschrieben: etwa 40 Jahre alt, 1,65 Meter groß, dunklere Hautfarbe, Deutsch mit Akzent.

Unterschiedliche Täterbeschreibungen

Tags zuvor kamen zwei 85 Jahre alte Frauen nicht ganz so glimpflich davon, als sie unabhängig voneinander in ihren Wohnungen in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) von einem Lampenzähler heimgesucht wurden. Der angebliche Handwerker wünschte etwas zu trinken, freilich nur zur Ablenkung, erbeutete in einer Wohnung Modeschmuck, in der anderen etwas Bargeld aus einer Geldbörse. Die Beschreibung: 25 bis 30 Jahre alt, schlank, dunkelblond, grüne Jacke, beige Hose mit Malerflecken.

Einen weiteren Tag zuvor war die Stuttgarter Polizei gleich in drei Fällen alarmiert worden. In Zuffenhausen klingelte es in der Eschenauer Straße, ein etwa 30 bis 40 Jahre alter Lampenzähler mit heller Jacke und Basecap hatte es auf Bargeld abgesehen. Im Rasmussenweg in Stammheim fing ein etwa 40 bis 50 Jahre alter Lampenzähler – auffällig klein, mit Gehbehinderung und dunklem Teint – eine heimkehrende Seniorin ab. Er hatte sich schon in die Wohnung gedrängt, als ihn der zufällig anwesende Enkel der Frau in die Flucht schlug. In der Heutingsheimer Straße in Zuffenhausen dagegen konnte ein korpulenter Lampenzähler Schmuck für mehrere Tausend Euro erbeuten.

Weitere Tricks: Verfärbtes Wasser, verirrte Fußbälle

Der Fantasie der Täter sind keine Grenzen gesetzt. Im Plieninger Stadtteil Steckfeld etwa gab ein Unbekannter vor, Verfärbungen im Wasser prüfen zu müssen. Derweil kletterte ein Komplize über den Balkon in die Wohnung und erbeutete über 200 Euro. Vor wenigen Tagen wurden Fälle aus den Stadtbezirken Zuffenhausen und Wangen gemeldet, bei denen angeblich Rauchmelder überprüft werden sollten. Dann fehlten 500 Euro.

Eher seltener, aber in diesen Tagen war er doch zweimal in den Stadtteilen Zuffenhausen und Wangen erfolgreich: der Trick mit der Rauchmelder-Kontrolle. Die Betrüger klingelten an der Wohnungstür und gaben sich als behördliche Personen aus, die prüfen müssten, ob die Rauchmelderpflicht eingehalten werde. Am Ende fehlten mehrere Hundert Euro. Noch perfider: der Ball-Trick. Ein etwa 30-jähriger, hochdeutsch sprechender Mann klingelt und behauptet, sein Kind habe versehentlich den Fußball auf den Balkon gekickt. Am Ende fehlen die herumliegenden Geldbörsen. Aus dem Landkreis Tuttlingen werden bereits mehrere Opfer im Alter zwischen 79 und 93 Jahren gemeldet. Wann landet der Ball in Stuttgart?

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