Betrugsmaschen in Stuttgart Wie Banken Senioren vor Betrügern schützen
Banken haben umfassende Programme, um ältere Kundinnen und Kunden vor falschen Polizisten und Schockanrufern zu bewahren. Was können sie tun?
Banken haben umfassende Programme, um ältere Kundinnen und Kunden vor falschen Polizisten und Schockanrufern zu bewahren. Was können sie tun?
Stuttgart - Ein Taxifahrer ist zum Retter geworden. Ein Senior fuhr zur Bank, weil er von Trickbetrügern zum Geldabheben geschickt worden war. Auf dem Heimweg kam der ältere Herr dem Taxifahrer seltsam vor, aufgeregt und nervös. Er fragte nach und bekam die Geschichte erzählt. „Da will Sie jemand betrügen“, schloss er. Das war ein Weckruf für den Senior. Er ließ den Chauffeur umdrehen und brachte das Geld zurück.
Diese Anekdote erfuhr Fabian Schmid, Referent bei der LBBW für Betrugsprävention. Sein Team und er sind froh, dass es gut ging. Noch lieber wäre es ihm gewesen, der Mann hätte erst gar kein Geld abgehoben. Deswegen sensibilisiert er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Anzeichen von Trickbetrug. Die Täterinnen und Täter geben sich als falsche Polizisten aus oder schockieren mit Unfallnachrichten aus der Verwandtschaft, um ältere Menschen auszunehmen.
„Warum tun die Banken nichts, die können doch nicht einfach so große Summen auszahlen?“ Derlei Sprüche kommen so sicher wie das Amen in der Kirche, wenn mal wieder ein Betrüger Beute macht. Schmid kontert: Sein Haus tut viel.
„Wir verteilen Material der Polizei an die Kunden“, nennt er eine Maßnahme. Die Bank sei nun dazu übergegangen, diese Poster auch im Bereich der Schließfächer aufzuhängen. „Am Schalter können wir durch Nachfragen eingreifen. Aber am Schließfach sind die Leute allein.“ Und dort liegen die großen Werte, etwa der Familienschmuck.
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Die Mitarbeitenden der LBBW müssen alle drei Jahre Schulungen durchlaufen, bei denen Sicherheitsthemen einbezogen seien. In der Zeit dazwischen blieben sie aber auch auf dem Laufenden: „Unser Newsletter kommt zweimal in der Woche. Wenn etwas ganz eilig ist, dann haben wir auch einen Mailverteiler der Filialleiter, der Leiter von Service und Kasse.“ Über diesen können aktuelle Warnungen laufen.
Dass die Betrugsmaschen unbemerkt blieben am Schalter, das kann die LBBW mit ihrer Statistik widerlegen. Aus dem Jahr 2020 seien 64 Fälle bekannt geworden. In 55 Fällen hätten Bankmitarbeitende verhindert, dass Geld abgehoben und an Betrüger ausbezahlt wurde. Von neun Fällen habe die Bank leider erst im Nachhinein erfahren, als sie bei der Polizei als Betrugsfall angezeigt wurden. Da darunter auch wieder sechs Fälle gewesen seien, bei denen kein Geld abgehoben wurde, sondern die Opfer etwas aus Schließfächern holten, habe die Bank laut Schmid eine sehr gute Quote beim Erkennen der Masche. Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern herrsche nicht. „Unsere Mitarbeiter sind sehr bemüht, den Betrug zu erkennen.“
Dass Seniorinnen und Senioren große Summen abheben, sei an und für sich kein auffälliges Ereignis, sagt Fabian Schmid: Im vergangenen Jahr hätten in den Filialen der LBBW Personen, die älter als 70 Jahre waren, 5832 Abhebungen von Beträgen über 5000 Euro getätigt. „Die ältere Generation bezahlt gern bar“, sagt Schmid.
Bei der Volksbank Stuttgart wird keine Statistik geführt. „Wir bekommen es trotzdem mit“, sagt Sylvia Metzger (Name geändert), die Expertin der Bank für Betrugsangelegenheiten. „Lobt uns mal“, melden sich die Angestellten, wenn sie einen Coup vereiteln konnten. Schulungen fürs Personal bietet die Bank ebenfalls an. Dass man nicht jeden Fall verhindern könne, habe auch rechtliche Gründe. „Wer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, darf natürlich über sein Geld verfügen. Mehr als nachfragen können wir nicht“, erläutert die Expertin. Wenn das Geld dann tatsächlich bei Betrügern landet, erfährt das die Bank im Zuge der Ermittlungen. „Wir hatten neulich einen Fall mit einer vierstelligen Summe. Der Mann hat darauf bestanden, dass das Geld für eine Renovierung sei.“ Es sei rechtlich nicht möglich zu sagen: „Sie bekommen kein Geld.“ Selbst Personen, die einen Betreuer haben, könne man nicht von der Kontoverfügung ausschließen. Angehörige dürfe man nur alarmieren, wenn diese zeichnungsberechtigt seien.
Die Täter wissen, dass die älteren Menschen auf ihrer Filiale Ansprechpartner haben, die sie persönlich kennen. Auch darauf haben sie reagiert. „Eine Zeit lang haben die immer mittwochs angerufen. Da war eine Reihe von kleinen Filialen am Nachmittag zu. Also mussten die Opfer zu größeren Filialen in anderen Stadtteilen, wo man sie nicht kannte“, berichtet Sylvia Metzger.
Bei großen Summen haben die Banken ein Vier-Augen-Prinzip: Dann gebe nicht eine Person allein den Betrag heraus. Alarmsysteme, wenn jemand plötzlich jeden Tag 2000 Euro vom Konto holt, gibt es außerdem. Und dann ist da noch eine Absicherung: „Große Beträge muss man auch erst bestellen, so viel Geld ist nicht auf jeder Filiale“, sagt Sylvia Metzger.
Die Polizei ist dauerhaft dabei, sich neue Methoden zu überlegen, um so viele Menschen wie möglich zu warnen. „Wir sind auf Wochenmärkten, da erreichen wir natürlich viele ältere Menschen“, sagt Hermann Volkert, der das Dezernat Prävention leitet. Darauf allein wollen sich die Beamtinnen und Beamten nicht verlassen. „Wir versuchen, über die Familie etwas zu bewirken“, sagt Volkert. Wenn Kinder ihren Fahrradführerschein erhalten, bekommen sie ein Infoblatt für die Großeltern zum Thema Trickbetrug mit. „Die Hausaufgabe lautet: Zeig Oma und Opa den Führerschein und gib ihnen das Blatt“, sagt Volkert. Mit den Banken ist die Polizei im regelmäßigen Austausch. Aber auch Arztpraxen und Pflegedienste seien informiert, seit einiger Zeit auch Taxifahrer.