Betrugsprozess in Mannheim Dank der Gier der Anleger viele Millionen erbeutet

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Ein lange gesuchter mutmaßlicher Großbetrüger aus dem Kreis Biberach ist jetzt in den USA gefasst worden. Er soll mit einem Schneeballsystem fast 1300 Anleger um etwa 37 Millionen Dollar gebracht zu haben. Am Dienstag steht er vor Gericht.

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Stuttgart - Ein spektakulärer Fall von Anlagebetrug wird von diesem Dienstag an vor dem Landgericht Mannheim verhandelt. Angeklagt ist der 51-jährige, aus dem Kreis Biberach stammende und zuletzt lange in den USA lebende Ulrich E. Ihm wird vorgeworfen, mit einem groß angelegten Schneeballsystem fast 1300 Anleger um etwa 37 Millionen Dollar gebracht zu haben. Diese hatten ihm das Geld angeblich für den Handel mit US-Aktien und Bauerwartungsland überlassen. Tatsächlich soll es der Angeklagte weitgehend verwendet haben, um in Florida seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Insgesamt dürften der Schaden und die Zahl der Geschädigten noch weitaus höher sein.

Ulrich E. war im Sommer vorigen Jahres in Las Vegas festgenommen worden, offiziell wegen eines Verstoßes gegen das Einwanderungsgesetz. Bereits Monate zuvor hatte ihn die US-Polizei identifiziert, als er betrunken am Steuer erwischt worden war; seither stand er unter Beobachtung. Wenig später wurde er nach Deutschland abgeschoben. Damit endete eine fünfjährige Flucht quer durch die USA, während derer der mutmaßliche Millionenbetrüger vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg weltweit gesucht worden war. Auch die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ hatte sich des Falls angenommen.

Die Geschäfte des 51-Jährigen flogen 2007 auf, als die Finanzaufsicht einschritt und es eine groß angelegte Razzia bei seinen Vermittlern gab. Wenig später setzte er sich angeblich in den Urlaub ab. „Während meiner Abwesenheit passt mein Hund auf Euer Geld auf“, verabschiedete er sich per Interneteintrag. Der einstige Zeitsoldat und spätere Staubsaugervertreter, der als sehr redegewandt beschrieben wird, hatte die Anleger mit einer frei erfundenen Vita beeindruckt. Er gab sich als internationaler Banker aus, der zuletzt Chefdevisenhändler einer New Yorker Bank gewesen sei.

Es drohen 15 Jahr Haft

Seine Geldgeber vorwiegend in Deutschland, Österreich und der Schweiz lockte er mit schier unglaublichen Renditeversprechen: Durch den Tageshandel mit Aktien könnten sie monatlich bis zu sechs Prozent, übers Jahr also 72 Prozent verdienen. Die Legende: Er verfüge über eine besondere Software, die es ihm erlaube, Kurstrends an den US-Börsen früher als andere zu erkennen. Später offerierte er Grundstücke in den USA, die Bauland werden sollten; wegen seiner guten Beziehungen könne er sie weit unter Wert erwerben. Entsprechende Anzeigen schaltete er auch in Tageszeitungen, darunter in der StZ.

Die Geschäfte sollen allerdings nie stattgefunden haben. Erträge gab es nur auf dem Papier, Ausschüttungen wurden aus den Anlagen von Neukunden finanziert – ein System, das früher oder später platzen musste. Beim Vertrieb stützte er sich auf ein ausgeklügeltes System von mehr als 100 Haupt- und Untervermittlern, die teilweise fürstliche Provisionen erhielten. Gegen diese geht die Justiz gesondert vor, einige sind schon verurteilt. Zu den Kunden des Mannes gehörten auch Akademiker, darunter Juristen und Wirtschaftswissenschaftler. Viele versuchen, ihr Geld mit Hilfe von Anwälten zurückzubekommen; die Aussichten sind ungewiss. In den USA, wo in einer gemieteten Lagerhalle Schmuck, Geld und Gemälde sichergestellt worden waren, läuft ein Insolvenzverfahren.

Nach Auskunft seines Anwalts ist Ulrich E. erleichtert, dass die Flucht endlich vorbei ist. „In den letzten Jahren war ich frei und fühlte mich gefangen. Jetzt bin ich gefangen und fühle mich endlich frei“, wird er zitiert. Er ist geständig und will sich zur Anklage des schweren bandenmäßigen Betrugs äußern. Bei einer Verurteilung drohen ihm 15 Jahre Haft. Für den Prozess sind zehn Tage angesetzt.